Schauspielschüler brachten Bauersima-Stück zur Uraufführung

Die Talentprobe ist geglückt. Der dritte Jahrgang der Wiener Schauspielschule Krauss hat am Mittwochabend im Schauspielhaus Wien seine Abschlussarbeit gezeigt. Was – zumal in Zeiten wie diesen – nach Kampf und Krampf klingt, war das Gegenteil: unterhaltsam, witzig und anregend. Und auch eine künstlerische Herausforderung. Denn der Schweizer Autor und Regisseur Igor Bauersima hat extra ein Stück dafür geschrieben und selbst die Uraufführung inszeniert.

„POST SCRIPTUM“ war als ein „Lustspiel über Web, Wahn, Wunder & Werbung“ angekündigt. Zu sehen ist ein elaborierter Mix aus Szenen und Sprachspielen, der mitunter mit unseren Corona-Erfahrungen spielt, sich in der Machart bei Sozialen Medien Anregungen holt, aber in der Hauptsache in die Zukunft zu führen scheint. Gegen den „Siegeszug der Idiotie“ stemmt sich eine „Open University“ mit seltsamen Professoren. Der Campus könnte aber auch ein Gefängnis sein. Die Situation erinnert an Ray Bradburys „Fahrenheit 451“, bleibt aber diffus. Denn das Konzept des Abends lautet: schnell Umschalten, Körper und Geist in Bewegung halten, sich immer wieder neu erfinden.

Für die 14 Schülerinnen und Schüler des Abschlussjahrgangs der privaten Schauspielschule, die Oskar Werner und Karlheinz Böhm ebenso absolvierten wie Adele Neuhauser, Erni Mangold oder Manuel Rubey, sind das ständig neue Herausforderungen, die sie glänzend bewältigen. Vor einem weiten, grünen Bühnenhintergrund mit kleinen roten Kreuzen stellen sie mal das World Wide Web dar und mal eine Mädchengang, geben todernst Werbeeinschaltungen zum Besten, müssen vermitteln, was ein „katholischer Porno“ sein könnte oder Sätze wie „Worte, Worte, aber die Torte schmorte“ zusammenhanglos einfügen.

Sie haben großen Spaß daran, auch wenn die Aufgabenstellungen für manche ganz schön tricky sind. Den traurigen Priester einer abgebrannten Kirche darzustellen, der, nachdem er ins Wasser gegangen ist, mit einem Tintenfisch auf dem Kopf wiederkehrt, oder ein kriechendes Faultier, das kein Faultier sein möchte, vor seinem Outing aber von einem Lastwagen überfahren wird – da scheint die diesjährige Zentralmatura einfacher gewesen zu sein.

Nichts wird tierisch ernst genommen, was dem etwas über zweistündigen Abend trotz seiner Dauer eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Wenn es wieder mal im Text etwas zu verstiegen wird, kommt gleich die Entwarnung: „Hören Sie nicht hin – das ist nur Deko!“ Und auch der Autor liefert – zwischen Selbstironie und Selbstmitleid changierend – gleich eine vorweggenommene Kritik, die sein Comeback nach zehnjähriger Theaterabstinenz sogleich in der Luft zerreißt: „Es geht, wie in allen seinen Stücken, um nichts.“ Diesmal ist das Nichts aber immer wieder ziemlich erfrischend und unterhaltend. Sicher, manche der jungen Darstellerinnen und Darsteller spielen sich nachhaltiger ins Gedächtnis als andere – aber das sollen die Scouts der großen und kleinen Bühnen beurteilen, die hoffentlich ihren Weg hierher finden. „POST SCRIPTUM“ ist jedenfalls noch bis Samstag im Schauspielhaus zu sehen.

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(S E R V I C E – „POST SCRIPTUM“ von Igor Bauersima, Uraufführung, Regie und Bühne: Igor Bauersima, Aufgeführt vom Abschlussjahrgang 2021 der Schauspielschule Krauss: Julia Augscheller, Nerea Burger, Katharina Fiala, Julia Hammerl, Clemens Janout, Antonia Jung, Aurelia Lanker, Stefanie Lehrmayer, Chiara Lengauer, Elisabeth Mackner, Timo Muliar, Sam Schwarzmann, Christine Tielkes und Viktor Urbainski. Schauspielhaus Wien, Aufführungen bis 5. Juni. )

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