Unterrichts-Neustart mitten im Mai: “Fast normale Schule”

Neun Wochen nach der Schließung der Schulen aufgrund der Corona-Pandemie sind am Montag rund die Hälfte der 700.000 Schüler an Volksschulen, AHS-Unterstufen, Neuen Mittelschulen (NMS) und Sonderschulen in ihre Klassen zurückgekehrt. Gröbere Probleme wurden vorerst nicht bekannt, eine Schule in Wien-Währing blieb wegen eines Corona-Verdachtsfalls bei einer Lehrkraft geschlossen.

“Eine fast normale Schule”, nannte es Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei einem Schulbesuch – wobei die Abläufe sich doch deutlich von ganz normalen Schultagen unterschieden: So startete der Schultag in der Regel mit Mindestabständen vor den Schultoren, einer Begrüßungs-Handdesinfektion sowie dem schnurstracksen Gang ins Klassenzimmer meist anhand markierter Wege gefolgt von ausgiebigem Händewaschen in den nur halb gefüllten Klassen.

Darüber hinaus ließen sich die Schulen einiges einfallen: An mehreren Volksschulen wurden die Kinder von (Stoff-)-Babyelefanten begrüßt, andere Schulen riefen ein “Rechtsgehgebot” im Schulgebäude aus, während wiederum andere auf die Wegpassage auf der linken Gangseite setzten. Deutlichstes Zeichen für den neuen Schulalltag war der allgegenwärtige Mund-Nasen-Schutz, der grundsätzlich überall abseits vom Sitzplatz in der Klasse getragen werden soll.

Faßmann appellierte dabei, die Maskenregeln mit “Hausverstand” und situationsbezogen anzuwenden. Bei Unter-Zehnjährigen “kann man hier toleranter vorgehen, insbesondere dann, wenn man sich in einer Schule befindet mit einer großen Fläche, mit einer geringen Dichte pro Flächeneinheit.” Umgekehrt sei die Maske bei engen räumlichen Situationen notwendig. Über generelle Lockerungen wollte er noch nicht öffentlich nachdenken: “Jetzt haben wir einmal einen Plan, den realisieren wir. Bevor wir dann einen neuen Plan machen, bevor der andere noch realisiert ist, würde ich sagen: Beobachten wir die Entwicklung insgesamt.”

Bis zum Ende des Schuljahrs haben die Kinder nun im block- oder tageweise wechselnden Schichtbetrieb rund 15 Tage Unterricht (im Westen zwei Tage länger). Kinder, die gerade nicht mit Unterricht dran sind, werden an diesen Tagen bei Bedarf an der Schule betreut. Schularbeiten finden keine mehr statt, auch andere punktuelle Leistungsüberprüfungen wie Tests sollen nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden. Ebenfalls nicht mehr am Programm stehen Nachmittags- und Turnunterricht – letzteres sehr zum Missfallen der Sportorganisationen. Diese verlangen in einer Aussendung die Öffnung der Schulsportstätten für Kinder und Sportvereine.

Laut der kroatischen Bildungsministerin Blazenka Divjak haben 22 der 27 EU-Staaten mit der Wiedereröffnung von Schulen und sonstigen Bildungseinrichtungen begonnen – der Großteil startete dabei mit der Betreuung in Kindergärten und Unterricht in einigen Klassen der Grund- bzw. Volksschulen. Daneben wurden auch weiterführende Schulen für die Abschlussjahrgänge und Berufsschulen wiedereröffnet. Bisher habe sie aber noch von keinem Mitgliedstaat gehört, in dem das gesamte Schulsystem schon wieder laufe, sagte Divjak, deren Land derzeit den EU-Vorsitz innehat, nach einer Video-Konferenz mit ihren EU-Kollegen.

Die EU-Minister seien sich einig gewesen, dass die Umstellung auf Digitalangebote unter den Umständen einer Pandemie “ziemlich gut” funktioniert habe, sagte Divjak. Natürlich müsse aber auch über noch herrschende Defizite diskutiert werden – auch weil unklar sei, wie lange die Pandemie noch anhalte. “Wir wissen nicht, was für eine Art von akademischem Jahr wir ab dem Herbst haben werden.”

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