Schiff ahoi

Demenz ist heutzutage nichts besonderes mehr, sondern gehört zum Alltag. Zur Entlastung der Angehörigen können Betroffene in ein Tageszentrum gehen, wo mit ihnen u. a. Gedächtnis- und Bewegungsübungen gemacht werden. Anlässlich des Welt-Alzheimertages unternahm die Volkshilfe mit den an Demenz erkrankten Besuchern des Tageszentrums „Regenbogen“ in Linz und ihren Angehörigen eine gemütliche Schifffahrt in den Mural Harbor.

Auch wenn der Himmel seine Schleusen öffnete, kaum dass die 50 Passagiere – Tagesgäste der Volkshilfe, Betreuer und Angehörige – die MS Sissi an der Oberen Donaulände in Linz bestiegen hatten, tat dies der Stimmung keinen Abbruch. Die einen saßen im unteren Deck, die anderen ließen sich den Fahrtwind um die Ohren wehen. Nach kurzer Fahrt ließ sich sogar die Sonne wieder blicken und lockte mehr Passagiere an Deck.

Obwohl die Kapitäne Peter Richtfeld und Thomas Freudenthaler den Linzer Mural Harbor ansteuerten, wo es mehr als 300 Graffitis zu sehen gibt, wurde ich im Gespräch ins ferne Namibia entführt. Denn dort war Franz Lehner (79), der einst als Bauingenieur einen Staudamm entworfen hat, tätig.

Auch als UNO-Wahlbeobachter war der gebürtige Niederösterreicher, der nach 18 Jahren in dem afrikanischen Land nach Linz gekommen ist, im Einsatz. Mit ihm kam seine aus Süd- afrika stammende Frau Leona (74) Ende der 1990er-Jahre nach Österreich. Franz Lehner besucht heute einmal pro Woche das Demenz-Tageszentrum Regenbogen. Leona schildert, dass es gar nicht so einfach war, einen Tagesbetreuungsplatz für ihren Mann zu finden. Und schon unterhalten sich die beiden auf Englisch, weil es sich so eingebürgert hat, bei ihnen zu Hause.

Auch Gerlinde (80), die in der Nähe von Puchenau wohnt und noch selbst mit dem Auto zum Tageszentrum fährt, hat einen besonderen Bezug ins Ausland. Bei ihr ist es Portugal, wohin sie 1949 mit sieben Jahren mit einem Kindertransport zum Aufpäppeln kam. Zunächst blieb sie ein Jahr, beim zweiten Mal zwei Jahre und dann noch einmal mit 16 Jahren drei Monate im Sommer in der selben Gastfamilie nahe Lissabon, mit der sie heute noch in dritter Generation Kontakt hat. „Ich gehe wegen dem Geist ins Tageszentrum, weil wir dort viel üben, zum Beispiel Brückenwörter wie – Sommer-Urlaub-sland –, erzählt die ehemalige Buchhalterin: Und damit ich unter Leute komme.“ Die 80-Jährige will schließlich noch lange fit bleiben.

Demenztrainer Helmut Appl betreut u. a. eine Prophylaxe-Gruppe, die sich einmal pro Woche zwei Stunden lang trifft, und knifflige Aufgaben löst. Da kann es schon einmal vorkommen, dass er bei einem Rechenbeispiel, bei dem sich ein Fehler eingeschlichen hat, korrigiert wird.

„Wir haben rund 20 Gäste pro Tag, über die Woche sind es 50 Klienten, die wir betreuen“, schildert Sabine Wögerbauer, die Leiterin des Tageszentrums „Regenbogen“ Linz und der Demenzservicestelle Linz Süd und Schwertberg. „Die jüngste Person ist 55, die älteste 99 Jahre. Wir singen, lösen Rätsel, bewegen uns oder machen Ausflüge“, erzählt sie vom bunten Programm.

„Unser Angebot gibt es aber auch, damit die Angehörigen einmal Verschnaufen können, denn Menschen mit Demenz werden nicht nur vergesslich, sie nehmen auch andere Verhaltensweisen an, da kann auch der Tages-Nacht-Rhythmus durcheinandergeraten“, sagt Bernhard Gruber Geschäftsführer der Volkshilfe Gesundheit und Soziale Dienste GmbH.

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