Schlafen verbessert Menschen und Umwelt

Prix Ars Electronica: 2338 Einreichungen, noch verstärkter Trend zu Gesellschaft und Ökologie

Ein Obdachloser bricht zusammen. Die Handys draufhalten, die Journaille filmt mit. Kurze Aufmerksamkeitsspannen in medial geprägter Realität: Computeranimation „Absence“ (Abwesenheit) von Marc Hericher (Frankreich).
Ein Obdachloser bricht zusammen. Die Handys draufhalten, die Journaille filmt mit. Kurze Aufmerksamkeitsspannen in medial geprägter Realität: Computeranimation „Absence“ (Abwesenheit) von Marc Hericher (Frankreich). © Ars Electronica

Die Kunst. Ist etwas „schön“? Die Technik. Ist die Technik „geil“, blinkt sie auch recht hübsch? Völlig egal. Blunzen, irrelevant. Zumindest, wenn es nach den Preisträgern der letzten Jahre und noch mehr dieses Jahres beim Linzer Prix Ars Electronica geht. (Die berühmte documenta in Kassel spiegelt übrigens seit Jahren dieselbe Richtung.)

Wie relevant ist Kunst für die Gesellschaft? Hilft die Kunst, verbessert sie das Leben, oder – im schlechten Fall – zementiert sie bloß ohnehin starre Machtpositionen ein?

Ein Liebling der Ars-Jury Ory Yoshifujis „Avatar Robot Cafe DAWN“ (Goldene Nica Digital Communities), das Cafe samt kellnerndem Roboter dient nur zur gefälligen Präsentation. Der Hintergrund: In Japan leben rund 125 Millionen Menschen, ein Viertel davon daheim isoliert wegen körperlicher oder psychischer Behinderung. Yoshifujis Roboter ein Avatar, hinter dem sich ein Mensch verbirgt und mit dessen Hilfe die Isolierten Kontakt zu anderen (wieder-)gewinnen sollen.

Klimaschutz verknüpft mit Schlafmangel als Ausfluss neoliberalen Wirtschaftens: Tega Brain (Australien) und Sam Lavigne (USA) streben in „Perfect Sleep“ den „totalen“, 24-stündigen Schlaf an und informieren dabei schlummernde Besucher über ökologisch-gesellschaftliche Potenziale des Schlafens.

Die – mediengeprägte – Gesellschaft nimmt der mit einer Ehrung (Computeranimation) bedachte Franzose Marc Hericher in „Absence“ ins Visier: Wie das Thema Obdachlosigkeit als bloß einmal im Jahr wiederkehrende Schlagzeile zur Winterszeit ein rituelles Vorbeischauen am Problem ermöglicht. Medial abgekühlt auch längst das Interesse am Syrien-Krieg, in den Blick gezerrt von Amina Khoulani („Families For Freedom“, ehrenhafte Erwähnung): Frauen in Syrien, die – digital unterstützt – nach willkürlich vom Regime Inhaftierten suchen und deren Freilassung fordern.

Ein gerade Zehnjähriger, Emilio Deutsch, der sich Gedanken zu Stadtbeleuchtung und Energieverbrauch macht und stolz vor seinem Projekt „Leuchtende Zukunft“ (Hauptpreis u10) posiert: Leuchtstäbe, die die fluoreszierende Kraft des Hallimasch-Pilzes nutzen.

Ein weitgehend analoges Kunstwerk erhält eine Goldene Nica in der u19-Kategorie: Mary Mayrhofer aus Traberg (Mühlviertel) wandelte in „Die schwarze Decke“ Depressionen in Kunst um. Eine tiefschwarze Hülle, die vom Leben abkapselt, darauf ein Gedicht, eine Fotoserie, die allesamt das (noch immer) Tabuthema Depression anderen begreiflich machen.

Freude, andererseits: Laurie Anderson erhält die Goldene Nica für Pionierarbeit in Medienkunst, die New Yorker Performance-Künstlerin („O Superman“) wird beim Festival Ars Electronica (7. bis 11. September, dann auch Preisverleihung) ihr neues Orchesterstück aufführen.

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