Schlafstörungen ernst nehmen

Jeder Vierte leidet an Schlafstörungen, wobei meist keine organischen Ursachen zu finden sind. Dennoch sollten die Schlafprobleme ernst genommen werden, denn unbehandelt können sie zu Depressionen, Missbrauch und Abhängigkeit von Alkohol oder Schlafmitteln führen.

Jeder Vierte leidet an Schlafstörungen, meist stecken keine organischen Ursachen dahinter. Die sogenannten „nichtorganischen Schlafstörungen“ sollten dennoch ernst genommen werden, rät Prim. Christoph Silberbauer, Leiter der Abteilung für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin am Salzkammergut-Klinikum Vöcklabruck. Denn unbehandelt können sie zu einer gravierenden Einschränkung der Lebensqualität und Gesundheitsproblemen führen.

„Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Egal, ob es sich um Einschlaf- oder Durchschlafprobleme handelt, die Betroffenen klagen über Erschöpfung, Stimmungsbeeinträchtigung, Einbußen bei Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit und über eine verringerte Lebensqualität“, so der Experte. Unbehandelt können Schlafstörungen zu Depressionen sowie zu Missbrauch und Abhängigkeit von Alkohol oder Schlafmitteln führen. Sie stellen aber auch einen Risikofaktor für Bluthochdruck, kardiovaskuläre Erkrankungen, gestörte Blutzuckerregulation und Veränderungen von Immunparametern dar. Grund genug, frühzeitig entsprechende Hilfe zu suchen.

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„Nichtorganische Schlafstörungen entstehen durch ein Wechselspiel von Übererregtheit, schlafbehindernden gedanklichen Verarbeitungen, wie Ärger über die Schlaflosigkeit, zu viel Tagschlaf oder auch zu frühe Bettgeh- zeiten und den folgenden Konsequenzen. Diese äußern sich z. B. in Erschöpfung, Stimmungsbeeinträchtigung und Konzentrationseinbußen. Dazu kommen meist Verhaltensweisen, die den Schlaf ungünstig beeinflussen“, erklärt Silberbauer.

Zuerst die Ursache herausfinden

Für die erfolgreiche Behandlung von Schlafstörungen ist es wichtig, herauszufinden wodurch sie ausgelöst werden. Vielfach zeige sich, dass Betroffene die Schlafdauer und -qualität falsch einschätzen. Auch ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus oder das Arbeiten bzw. Fernsehen im Bett können den Schlaf negativ beeinflussen. Bei der Behandlung wird daher zu allererst auf eine entsprechende Schlafhygiene geachtet. Geregelte Schlafzeiten, eine angenehme Atmosphäre im Schlafzimmer (dunkel, ruhig, kühl), Einschlafrituale und der Verzicht auf Handy und Fernseher im Schlafzimmer können bereits einen wertvollen Beitrag leisten.

„Erst wenn durch Beachtung der Schlafhygiene und Anwendung von Entspannungstechniken kein Erfolg eintritt, kommen ausgewählte Medikamente zum Einsatz“, sagt der Primar. „Falls sogenannte Benzodiazepine oder Z-Substanzen eingesetzt werden, hat die Anwendung nur kurzfristig zu erfolgen. Bei Abhängigkeitserkrankungen dürfen diese Medikamente jedoch verwendet werden. Es gilt auch eine Reihe psychischer Erkrankungen, wie zum Beispiel Angsterkrankungen oder Depressionen zu behandeln, wodurch die damit zusammenhängenden Schlafstörungen ebenfalls erfolgreich therapiert werden. In jedem Fall sollen unrealistische Erwartungen an den Nachtschlaf zurecht gerückt werden, da viele Menschen glauben, gesunder Schlaf würde bedeuten, ohne Unterbrechung die ganze Nacht durchzuschlafen. „Richtig ist vielmehr“, erklärt der Mediziner, „dass die normale Abfolge der Schlafphasen, mehrmals pro Nacht kurze Wachzustände mit sich bringt“.