Schlampige Vorbereitung ist lebensgefährlich am Berg

Randkluftaufstieg wurde durch Gletscherschmelze steiler

Bergretter brachen rasch zum Lawinenkegel auf, für die fünf Sportler, die von den Schneemassen erfasst worden waren, kam jedoch die Hilfe zu spät.
Bergretter brachen rasch zum Lawinenkegel auf, für die fünf Sportler, die von den Schneemassen erfasst worden waren, kam jedoch die Hilfe zu spät. © APA/Alpinpolizei

Sieben Menschen kamen am Wochenende bei drei Lawinenabgängen in Österreich ums Leben — fünf von ihnen wurden von einem Schneebrett am Hohen Dachstein erfasst und getötet.

Dass die tschechischen Bergschuhwanderer ohne Lawinen-Piepser aufgebrochen waren, dürfte ihnen das Leben gekostet haben. „Der erste Verschüttete wurde erst nach einer halben Stunde Suche, der letzte nach rund einer Stunde gefunden“, so Bergrettung-Landesleiter Christoph Preimesberger.

Bei hoher Warnstufe flaches Gelände wählen

Die Urlauber, die das Schneebrett nach bisherigen Erkenntnissen selbst ausgelöst hatten, hätten zudem gar nicht erst in den Randkluftaufstieg unterhalb des Hohen Dachsteins einsteigen dürfen, denn die Lawinenwarnstufe 3 gepaart mit der Steilheit des Geländes machte dies zu gefährlich. „Maximal 30 Grad sollte die Steilheit betragen. Bei Warnstufe 2, wie sie am Montag herrschte, sollten es maximal 35 Grad sein, sagt Preimesberger. Der Randkluftaufstieg ist somit mit 45 Grad zu gefährlich. Mit freiem Auge dürfte dies nur den wenigsten Sportlern klar sein.

„Daher gibt es bereits einige Smartphone-Apps, die bei der Entscheidungsfindung helfen“, so Preimesberger, der im VOLKSBLATT-Gespräch einmal mehr die Wichtigkeit der guten Vorbereitung betont. Die sei das Um und Auf.

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Vor allem in Zeiten des Klimawandels können sich Geländebereiche durchaus ändern. So wie das am Randkluftaufstieg der Fall ist. „Dieser wurde in den letzten Jahren immer steiler, weil darunter der Gletscher wegschmilzt“, warnt Preimesberger.

Hilfe für die Helfer

Für die Suchmannschaften war der Einsatz besonders belastend, sie müssen ihr erst einmal verarbeiten. Eine erste Nachbesprechung gestern Abend sei ein erster Schritt, so der Bergretter. Bei Bedarf gebe es für die Kameraden aber auch weiterführende Hilfe. „Wir haben vor zwei Jahren ein ‚Peer-System‘ aufgebaut“, so Preimesberger. Dabei wurden Bergretter speziell ausgebildet, um Kameraden in emotionalen Ausnahmesituationen beizustehen.

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