Schnee-Chaos in Österreich

Zum Teil hefige Schneefälle in Süd- und Westösterreich haben seit Dienstag in vielen Regionen zu Verkehrsbehinderungen und Stromausfällen geführt. Der Schwerpunkt des Schneefalls lag in Osttirol und Oberkärnten sowie im Bereich des Alpenhauptkamms von Salzburg und Tirol. Stromausfälle gab es in Osttirol, Ostkärnten und der Obersteiermark. Die Wetterlage dürfte noch bis kommende Woche anhalten.

In Tirol war vor allem Osttirol von den starken Schneefällen betroffen. Am späten Nachmittag waren noch immer rund 1.800 Haushalte ohne Strom. Im Laufe des Tages mussten die Reparaturtrupps auch ins Wipptal und Stubaital ausrücken. “Tirolweit waren in den letzten 24 Stunden rund 250 unserer Stationen mit insgesamt 10.600 Netzkunden betroffen, viele davon allerdings nur kurzzeitig”, sagte Tinetz-Geschäftsführer Thomas Rieder. Neun Osttiroler Gemeinden seien noch von Unterbrechungen bei der Stromversorgung betroffen. “Sobald es die Sicherheit zulässt, werden die Mitarbeiter der Tinetz auch diese Störungen in Angriff nehmen”, kündigte er an.

Der Einsatz von Hubschraubern sei bereits mit den Behörden abgestimmt und werde starten, sobald es die Witterung zulasse. Aber die Reparaturarbeiten würden noch andauern, um “provisorisch reparierte Fehlerstellen wieder zur Gänze instand zu setzen und für alle Anlagen den Normalbetrieb sicherzustellen”, erklärte Rieder.

Aufgrund der Schneelast sei es zu Baumstürzen und Seilrissen gekommen. Zu Mittag meldete die Tinetz 93 noch unversorgte Trafostationen in 16 Gemeinden. Über die Nachtstunden waren fünf Servicetrupps im Einsatz. Zur Unterstützung waren seit den frühen Morgenstunden weitere sechs Trupps aus Nordtirol nach Osttirol unterwegs.

In Osttirol waren wegen der starken Schneefälle auch einige Straßen gesperrt. Betroffen waren etwa die Drautalstraße bei Abfaltersbach oder die Villgratener Straße zwischen Innervillgraten und Kalkstein.

Wegen der starken Schneefälle blieben im Bezirk Lienz am Mittwoch auch 17 Schulen geschlossen, berichtete Bezirkshauptfrau Olga Reisner nach einer Besprechung der Bezirkseinsatzleitung. “Die Situation ist im Griff. Probleme bereitet der schwere Schnee. Die Einsatzkräfte und der Straßendienst sind bemüht, Verkehrsbehinderungen zu minimieren”, erklärte Reisner zudem.

Die Bevölkerung wurde vor Schneebruch und Lawinengefahr gewarnt. “Wegen Schneebruchgefahr bitte nicht in den Wald gehen oder sich unter Bäumen aufhalten. Bei Wetterbesserung bitte unbedingt die Warnungen der Lawinenkommissionen und des Lawinenwarndiensts beachten”, richtete die Bezirkshauptfrau einen dringenden Appell.

Für die Region war am Montag eine Schneewarnung herausgegeben worden. Hier kommen laut ZAMG bis Mittwochabend selbst in Tallagen 20 bis 50 Zentimeter Neuschnee zusammen.

Indes hatte sich am Mittwoch auch die Brennerautobahn im winterlichen Kleid gezeigt. Räumfahrzeuge waren im Einsatz. Auch in Südtirol kam es in der Nacht zu beträchtlichen Schneemengen von 40 bis 50 Zentimetern. Die Freiwilligen Feuerwehren absolvierten mehr als 280 Einsätze, vor allem in den Bezirken Bozen, Eisacktal und Pustertal. Zahlreiche Straßen und die Eisenbahnlinie im Pustertal wurden von umgestürzten Bäumen blockiert. Mehrere Dolomiten-Pässe mussten geschlossen werden. Zu Mittag meldete das Land Südtirol, dass 15.000 Haushalte ohne Stromversorgung sind.

In Kärnten hat es am frühen Nachmittag noch immer auf einigen Straßen Behinderungen gegeben. Neben dem Schnee machten den Einsatzkräften vor allem umgestürzte Bäume zu schaffen. Betroffen waren vor allem das Lesachtal (Bezirk Hermagor) und das obere Mölltal (Bezirk Spittal an der Drau). Doch auch auf höhergelegenen Straßen außerhalb der beiden Bezirke gab es Behinderungen und Kettenpflicht.

In Oberkärnten blieben am Mittwoch insgesamt elf Schulen geschlossen. Die Schließung war laut dem Land Kärnten auf den Mittwoch beschränkt, könnte aber noch ausgedehnt werden, wenn sich das Wetter weiter verschlechtern sollte. Keine Entwarnung gab es vom Kärntner Landesenergieversorger Kelag: “Rund 4.000 Haushalte sind nicht versorgt”, sagte Kelag-Sprecher Josef Stocker. Zwar habe man in Oberkärnten einige Störfälle behoben, allerdings seien weiter im Osten, in den Bezirken Feldkirchen und St. Veit an der Glan, neue hinzugekommen. “Und wenn man eine Störung behoben hat, kann es auch sein, dass auf die gleiche Leitung der nächste Baum fällt. Eine Sisyphusarbeit”, meinte Stocker.

In Salzburg hat sich im Laufe des Tages die Situation auf den Verkehrswegen deutlich entspannt. Am frühen Nachmittag waren allerdings weiterhin 800 bis 1.000 Haushalte im Süden des Landes ohne Strom. Unter der nassen Last geknickte Bäume und Äste haben vor allem im Lungau Leitungen gekappt oder beschädigt. “Sobald eine Störung behoben wurde, kommt woanders eine neue hinzu”, sagte eine Sprecherin der Salzburg AG zur APA. Die Techniker des Energieversorgers schätzen, dass wohl erst gegen Ende des Tages die Stromversorgung flächendeckend wieder hergestellt sein wird.

Im ganzen Bundesland waren am Vormittag Feuerwehrleute damit beschäftigt, umgestürzte Bäume von den Straßen zu räumen oder Fahrzeuge zu bergen. Die Sperre des Katschbergtunnels wurde schon am Vormittag wieder aufgehoben, die Lkw-Staus lösten sich aber aufgrund der Blockabfertigung nur allmählich auf. Am Morgen waren auf der Tauernautobahn (A10) zahlreiche Lkw hängen geblieben. Offenbar haben viele Lenker darauf verzichtet, Schneeketten zu montieren – oder führten gar keine mit. In der Gemeinde Muhr (Lungau) ist der Ortsteil Hintermuhr wegen Lawinengefahr wohl bis Donnerstagmorgen nicht auf der Straße erreichbar. Und auf zahlreichen Passstraßen im Bundesland galt weiter Schneekettenpflicht.

In der Obersteiermark haben die starken Schneefälle zu Straßensperren, Unfällen und hängegebliebenen Lkw geführt. Vor Einbruch der Dunkelheit waren am Mittwoch rund 4.000 Haushalte ohne Strom. Besonders betroffen waren die Bezirke Murtal und Murau sowie Teile des Ennstals (Bezirk Liezen). Manche Steirer werden die Nacht über ohne Elektrizität bleiben, denn die Mitarbeiter der Energienetze Steiermark könnten nicht rechtzeitig alle Reparaturen durchführen, sagte Sprecher Urs Harnik-Lauris. Rund 160 Trafo-Stationen waren gegen 16.00 Uhr außer Betrieb. Unter der Schneelast umgefallene Bäume und abgebrochene Äste hatten etliche Stromleitungen beschädigt. Da die Niederschläge noch bis in die Nacht auf Donnerstag andauern sollten, sei mit weiten Schäden zu rechnen, sagte Harnik-Lauris zur APA.

Die Energie Steiermark zog seine Bereitschaften zusammen und stockte das Personal auf. Zwischen Schladming und Gröbming musste der Zugverkehr von den ÖBB wegen der Witterung eingestellt werden. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Die Ennstal Bundesstraße (B320) war ebenfalls über weite Strecken nur erschwert passierbar.

Probleme gab es beim obersteirischen LKH Stolzalpe: Die Zu- und damit auch Abfahrtsstraße musste am Vormittag wegen umgestürzter Bäume und Schnee gesperrt werden. Ambulante Patienten, die davor eingetroffen waren, saßen fest – ebenso wie Mitarbeiter nach Dienstschluss. Die steirische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) versicherte, dass genügend Vorräte und Kapazität zur Verfügung stehen würden. Die Leute werden mit Getränken und Jause versorgt. Gegen Mittag gab es auch Probleme mit der Stromversorgung. Laufende Operationen wurden daher rasch abgeschlossen, weitere Eingriffe verschoben.

ZAMG-Wettervorhersage: bzw. ZAMG-Warnungen für Österreich:

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