„Schnittstellen sollen zu Nahtstellen werden“

... hofft Bildungslandesrätin Haberlander und der neue Bildungsdirektor Klampfer will sogar ein „durchkomponiertes Bildungssystem“

In wenigen Tagen ist Halbzeit bei den Sommerferien für die Schüler, für das Bildungssystem in Oberösterreich gibt es heuer allerdings gar keine Ferien. Mit 1. August übernahm Alfred Klampfer die Leitung des Landesschulrates, dieser hat aber schon jetzt ein Ablaufdatum: Mit 1. Jänner wird durch eine Bildungsdirektion die Schulverwaltung neu strukturiert und Klampfer offiziell Bildungsdirektot. Doch bis dahin muss noch vieles geklärt werden. Dieser Tage wurden etwa die beiden Posten für die Leiter der Abteilungen in der Bildungsdirektion ausgeschrieben. Einerseits geht es um einen Juristen, der die Verwaltungs- und juristischen Bereiche abdecken soll und andererseits um einen Pädagogen. „Natürlich ist die Bildungsdirektion eine Behörde, aber die Pädagogik steht im Mittelpunikt“, so Bildungslandesrätin Christine Haberlander. Deshalb wird derzeit auch geprüft, welche Agenden aus der Elementarpädagogik von der neuen Behörde übernommen werden können. Die Schnittstelle zwischen Kindergarten und Volksschule werde noch immer nicht in allen Fällen ideal überwunden. Das Ziel sei aber, „dass aus Schnittstellen Nahtstellen werden“. Außerdem sollen etwa bei der Fortbildung auch Synergien genutzt werden. Ihre Vision ist, dass die neue Behörde ein universales „Bildungshaus“ für Oberösterreich wird. Und Klampfer sieht als Ziel seiner Arbeit ein „durchkomponiertes Bildungssystem“ vom Kindergarten bis zur Matura, wo es auch verschränkte Fortbildung gibt.

Fünf Bildungsregionen

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Der nächste Schritt für die kommende Behörde ist die genaue Festlegung der fünf Bildungsregionen statt der bisherigen 20. Hier werde man sich auch die Schülerströme anschauen. „Ich möchte mich nicht darauf festlegen, dass die Regionen mit den Wahlkreisen ident sind, vielleicht gibt es da eine bessere Lösung“, so Klampfer. Außerdem werde man die Leitungen dieser Bildungsregionen ausschreiben und festlegen, wo diese Zentren sein sollen. Dieser Leiter werde künftig mit seinem Team die Direktoren vor Ort unterstützen — aber nicht mehr als Inspektor auftreten. Denn der Posten des Direktors werde im Zuge der Bildungsreform enorm aufgewertet. Er wird etwa ein Mitspracherecht bei den Einstellungen bekommen und gemeinsam mit den Schulpartnern Schwerpunkte und Stundentafeln fixieren können. Hier sei Kreativität gefragt, so Klampfer. Noch kein wirkliches Thema seien Schulcluster. Haberlander ortet zwar eine „sanfte positive Stimmung in Richtung Cluster“, aber man werde hier sicher nichts übers Knie brechen. Das werde sich entwickeln und man werde aus verschiedenen Modellen das jeweils passende suchen. Auch hofft Haberlander, dass der Bund die administrativen Vorgaben für die Schulen und Direktoren erleichtert.

Speed kills

Grundsätzlich ist für Haberlander bei der Umsetzung der Bildungsreform wichtig, dass man sie Schritt für Schritt umsetzt und dass man dabei das System nicht überfordert. Denn es bestehe die Gefahr, des „Speed kills“. Auch für Klampfer ist es wichtig, dass man die Mitarbeiter mitnimmt. Er habe in den vergangenen Jahren als Vizerektor der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz einen Komplettumbau vorgenommen und das gehe nur, wenn die Mitarbeiter mit am selben Strang ziehen. Nach der Umsetzung der neuen Behördenstruktur bis 1. Jänner 2019 soll eine Neuorganisation der Schulaufsicht mit 1. September 2020 in Kraft treten.

Kein Problem ist für Klampfer, dass er einerseits dem Bund und andererseits dem Land verantwortlich ist, denn die neue Behörde ist ja eine „Mischbehörde“. Erstens werden in OÖ schon seit Jahrzehnten die Bundeslehrer „mitverwaltet“. Und zweitens sehe er weniger die Behörde im Mittelpunkt als die Schüler. „Ich möchte Impulse geben und nicht ein Befehlsempfänger sein.“ Und man brauche eine positive Stimmung für den Lehrberuf, damit sich weiterhin genügend Menschen für diesen Beruf entscheiden. Eine entsprechende Kampagne wurde wie berichtet bereits gestartet.

20 Jahre unterrichtet

Mit der Leitung der Bildungsdirektion übernimmt Klampfer eine Behörde, die für fast 1000 Schulen, rund 19.000 Lehrer und 200.000 Schüler im Bundesland zuständig ist. Der Bildungsdirektor ist für fünf Jahre bestellt. Der 53-Jährige war zuletzt Vizerektor an der PH der Diözese Linz für Fort- und Weiterbildung, Medienbildung und IKT. Er hat ein Lehramtsstudium für Mathematik, Physik/Chemie, Geometrisch Zeichnen und Informatik. Mehr als 20 Jahre unterrichtete er an Pflichtschulen im Bezirk Perg, an der HTL für Kommunikation und Mediendesign Freistadt sowie in der Erwachsenenbildung. Nebenberuflich schloss er ein Doktoratsstudium an der Technischen Uni Dresden im Bereich Erziehungswissenschaften — Bildungstechnologie ab.