„Schockiert von krimineller Energie“

ÖVP-Generalsekretär Nehammer: „Die Menschen durchschauen unfaire Mittel“

ÖVP-Generalsekretär Nehammer ist „zuversichtlich“, dass der Wahlkampf-Fleiß am Wahltag auch belohnt wird.
ÖVP-Generalsekretär Nehammer ist „zuversichtlich“, dass der Wahlkampf-Fleiß am Wahltag auch belohnt wird. © APA/Punz

Karl Nehammer, Generalsekretär und Wahlkampfleiter der ÖVP, hält nichts von Koalitionsspekulationen, jetzt seien die Wähler am Wort. An ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz schätzen die Menschen, „dass er immer seinem Weg treu geblieben ist“, sagt Nehammer im Interview.

VOLKSBLATT: Am Sonntag wird gewählt. Was erwarten Sie für den Tag danach?

NEHAMMER: Jetzt sind einmal die Wähler und Wählerinnen am Wort. In den Umfragen liegen wir derzeit gut. Stimmung sind aber noch keine Stimmen. Was am Tag danach passiert, entscheiden einzig und allein die Wählerinnen und Wähler. Wir wollen als Nummer 1 durchs Ziel gehen. Eins muss uns jedoch bewusst sein: Es wird bei dieser Wahl nicht reichen, Erster zu werden. Wir müssen so stark werden, dass sich keine Koalition an uns vorbei ausgeht. Nur dann stellen wir sicher, dass der Weg der Veränderung für dieses Land fortgesetzt wird.

Sind Sie froh, wenn der Wahlkampf vorbei ist?

Ich habe viel Freude an meinem Job und bin in die Politik gegangen, um die Menschen von unserer Politik und unseren Inhalten zu überzeugen. Wahlkampf als Wettbewerb der Ideen ist das, was Politik spannend macht. Derzeit erleben wir jedoch, dass dieser Wahlkampf immer mehr zu einem Wettkampf der Schmutzkübel wird. Dem politischen Mitbewerb ist alles recht, um Sebastian Kurz und die Volkspartei anzupatzen. Wir lehnen diese Methoden entschieden ab, weil darunter der sachliche Diskurs und das politische Klima leidet.

Was beschert uns die letzte Wahlkampfwoche noch?

Die letzte Woche vor der Wahl wird noch intensiv dafür genutzt, um unterwegs zu sein und Gespräche zu führen. Ob beim Hausbesuch, beim Wahlkampfstand oder am Stammtisch. Daneben gilt es, unserem Spitzenkandidaten Sebastian Kurz bei seinen finalen TV-Auftritten den Rücken zu stärken. Der eine oder andere Termin in den Bundesländern geht sich auch noch aus.

Was hat Sie im Wahlkampf überrascht — positiv wie negativ?

Nachdem wir erlebt haben, mit welcher enormen negativen Energie die Allianz aus Rot, Blau und Pilz Sebastian Kurz und die Bundesregierung gestürzt hat, haben wir uns schon darauf eingestellt, dass dieser Wahlkampf schmutzig werden wird. Was mich dann aber schon überrascht und schockiert hat war, dass sogar kriminelle Energie dafür aufgewendet wurde, uns zu schaden. Der bisherige traurige Höhepunkt ist der Hackerangriff auf die Bundespartei. Einen Angriff dieser Art hat es in Österreich bisher noch nie gegeben. Positiv war jedoch, dass ich im Zuge unserer Auftakttour mitgenommen habe, dass die Menschen in den Ländern und Gemeinden hinter uns und unserem Weg stehen und sie die unfairen Mittel des politischen Gegners sehr wohl durchschauen.

Sebastian Kurz genießt in der Bevölkerung hohes Ansehen: Was mögen die Menschen an ihm?

Was Sebastian Kurz ausmacht ist, dass er immer seinem Weg treu geblieben ist und bewiesen hat, dass er das, was er ankündigt, auch umsetzt. Mit Sebastian Kurz als Bundeskanzler ist es endlich gelungen, arbeitende Menschen zu entlasten und ein Sparen im System zustande zu bringen. Angefangen beim Familienbonus bis hin zur Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge, mit Sebastian Kurz sind viele Entlastungsmaßnahmen umgesetzt worden, die schon jetzt spürbar bei den Menschen ankommen. Die Menschen schätzen, dass ihnen mehr von ihrem hart erarbeitenden Geld im Börserl bleibt.

Es gibt im Wahlkampf unzählige TV-Duelle. Werden die Wähler übersättigt?

TV-Duelle sind natürlich ein reichweitenstarkes Mittel, um die Bürgerinnen und Bürger mit Inhalten zu erreichen. Insofern spielen sie sicherlich keine unwesentliche Rolle im Wahlkampf. Es ist daher gut, dass sich sowohl der öffentlich-rechtliche Rundfunk als auch private Sender unterschiedliche Formate überlegen, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen und Abwechslung zu bieten. Aber ja, da kommen schon einige Termine zusammen, die es erschweren, viel unterwegs zu sein.

Und wie behält man da als Wahlkampfleiter den Überblick, vor allem über die Mitbewerber?

Es ist klarerweise wichtig, medial immer up to date zu sein. Das geht natürlich nicht ohne Team. In der Bundespartei haben wir das beste Team, das man sich als Generalsekretär wünschen kann. Zum Beispiel Axel Melchior, der als Bundesgeschäftsführer maßgeblich für den gesamten Apparat verantwortlich ist, ist nicht nur ein Kollege, sondern auch einer meiner engsten Freunde. Dass hier Menschen arbeiten und Politik machen, die sich schätzen und mögen, ist mit ein Grund, der uns als Volkspartei so schlagkräftig macht. Und das gilt für alle, ganz egal, was das konkrete Aufgabengebiet ist. Zum Mitbewerb: Wir bleiben auch in diesem Wahlkampf unserer Linie treu und beschäftigen uns mit unseren eigenen Positionen und Programmen. Übrigens im Gegensatz zu den anderen, die beschäftigen sich nämlich hauptsächlich mit Sebastian Kurz und der Volkspartei.

Die politische Konkurrenz hat oft betont, was in Sachen Koalition nicht geht. Was sagt die ÖVP?

Es ist nicht die Zeit, um über Koalitionsoptionen zu spekulieren. Zuerst entscheiden die Wählerinnen und Wähler, dann wird sich erst zeigen, welche Mehrheiten möglich sind. Wir schließen prinzipiell keine demokratisch legitimierte Option aus. Sollte uns erneut das Vertrauen der Bevölkerung geschenkt werden, wird in Sondierungsgesprächen entschieden werden, mit welcher Partei wir unseren Weg am besten weiterführen können.

In den Umfragen gab es wenig Bewegung. Trauen Sie sich einen Ergebnis-Tipp abzugeben?

Wie schon gesagt, jetzt ist nicht die Zeit für Spekulationen. Wie sich die Menschen entschieden haben, werden die ersten Hochrechnungen am Wahlsonntag zeigen.

Können Sie am Wahltag entspannen?

Natürlich sind Wahltage immer sehr fordernd. Am Wahltag zeigt sich, ob das, wofür man die letzten Wochen gekämpft hat, bei den Menschen angekommen ist oder nicht. Dennoch weiß ich, dass wir den besten Kandidaten haben, das beste Team und die fleißigsten und besten Unterstützer. Insofern bin ich zuversichtlich, dass der Fleiß auch belohnt wird.

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