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Staatsoper: Die Wiener „Traviata“ kam aus Paris

Pretty Yende (3. v. l.) und Juan Diego Florez (2. v. r.)
Pretty Yende (3. v. l.) und Juan Diego Florez (2. v. r.) © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Wieder notgedrungen und Corona-bedingt ein Stream (wofür man der Wiener Staatsoper dankbar ist, besser als gar nichts!), allerdings wieder eine „Premiere“, die in dem Sinn keine war, als sie nicht für die Wiener Staatsoper erarbeitet wurde.

„La traviata“ von Giuseppe Verdi kam in der Interpretation durch den australisch-schweizerischen Regisseur Simon Stone, den man bis dato nur mit Theater-Inszenierungen kannte, aus der Pariser Oper.

Stone verfügte eine komplette Übertragung der Geschichte aus der Belle Epoque ins Hier und Heute, Violetta ununterbrochen mit Bildern und Botschaften in den diversen Plattformen unterwegs. Das gibt der Inszenierung eine permanente Unruhe durch jene Bilderflut, die für viele Menschen der Alltag ist, sobald sie in ihre Smartphones blicken.

Das Problem ist nur — auf diese Art stimmt Verdis Geschichte ganz grundsätzlich nicht mehr. Heute sind die Pop-Stars der Sozialen Medien keine Außenseiter, im Gegenteil. Damit wird das Schicksal der Kurtisane, die von der feinen Gesellschaft letztlich ausgeschlossen ist, obsolet.

Irritierendes Wirrwarr, grandioser Florez

Ob Disco, ob Auto, ob Drag-Tänze, ob (für die Szenen „auf dem Lande“) ein Traktor, dazu dauernd projizierte Bilder, Bilder, Bilder in wechselnder Beleuchtung, ein irritierendes Wirrwarr — so mag der Regisseur auf der Bühne die Gegenwart abbilden, die Oper fügt sich nicht wirklich überzeugend in diesen Rahmen. Dennoch ist ein weitgehend packender Abend gelungen, was einzig und allein auf das Konto der beiden Hauptdarsteller geht.

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Pretty Yende hat vor eineinhalb Jahren in Paris die Hauptrolle in dieser Inszenierung kreiert. Sie ist die selbstsichere Frau von heute, ein bisschen halbseiden, die in die große Liebe und Verzweiflung stürzt — mit strahlender Stimme, berückender Phrasierung und nur seltenen Defiziten. Makellos ist hingegen Juan Diego Florez als Alfredo.

Die Befürchtung, dass er zu lange im belcantesken Virtuosen-Repertoire bleiben könnte, hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet, die Stimme hat Wärme und Schmelz gewonnen, der Ausdruck Tiefe, die Darstellung Souveränität. Eine besonders schöne Leistung.

Wenig bis gar nicht beeindruckte Igor Golovatenko in der Rolle des Vater Germont, der allerdings vom Regisseur völlig im Stich gelassen wurde. Wichtigen Anteil an der positiven Wirkung des Abends hatte hingegen der Dirigent Giacomo Sagripanti, der Lyrik und Dramatik des Werks mit viel Gefühl und Souveränität auslotete.

Wien hat nun wieder eine Inszenierung, die man unter dem Schlagwort „modernes Regietheater“ wegpacken kann. Es gibt viel zu schauen. Schade, dass Werk und Komponist dabei so stark in den Hintergrund treten.

Von Renate Wagner

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