Schreiben war mein Anker

Aus heiterem Himmel wurde die Ampflwangerin Elfi Frühwirth vor vier Jahren mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert. Für die Kindergartenpädagogin brach von einer Sekunde auf die andere ihre heile Welt zusammen. Die Frage nach dem Warum plagte die sportliche Nichtraucherin. Doch dann wurde sie – unterstützt von ihrem Mann – zur Kämpferin. Sich die Gedanken von der Seele zu schreiben, half bei der Genesung.

„In meiner rechten Brust fühlte sich eine Stelle etwas hart an. Meine Frauenärztin hat mich zur Sonografie geschickt, dann folgte eine Mammografie und die Diagnose Brustkrebs – das war am 28. September 2017“, erzählt Elfi Frühwirth im Gespräch mit dem VOLKSBLATT: „Mir hat es den Boden unter den Füßen weggezogen, mein Mann musste mich vom Arzt abholen. Ein kurzer Augenblick und die Welt ist nicht mehr so wie sie war.“

Aus der Hoffnung, dass es sich um ein gutartiges Geschwulst handelt, wurde rasch Gewissheit, dass der Drei-Zentimeter-Tumor bösartig ist und raus muss. Und dann wurde noch aus der geplanten brusterhaltenden OP, eine Totalresektion, weil zwei weitere Knoten auftauchten.

„Im Brustkrebs Monat Oktober habe ich alle Untersuchungen durchlaufen, einen Tag nach meinem 50. Geburtstag wurde ich operiert“, sagt die zweifache Mutter, die heute mit sich im Reinen ist. „Ein Wiederaufbau der Brust kam für mich persönlich nicht in Frage. Ich stehe voll zu meiner Narbe. Natürlich muss da auch der Partner mitspielen“, sagt sie selbstbewusst.

Unmittelbar nachdem die damals 49-Jährige die niederschmetternde Diagnose bekam, setzte sie sich an den Computer und schrieb alle Gedanken, die ihr durch den Kopf gingen – traurige, aber auch schöne Momente – nieder. „Vor allem abends, wenn mein Mann als Polizist Dienst hatte, half mir das Schreiben sehr. Es war mein Anker. Binnen vier Monaten, bis zum Beginn meiner Reha, sind auf diese Weise 191 Seiten zusammengekommen. In mir war der Entschluss gereift, daraus ein Buch zu machen“, erzählt Frühwirth. Im Herbst 2018 kam ihr Werk „Bin Skorpion, Krebs unerwünscht“ im novum Verlag heraus.

Mental gut unterstützt in der schweren Zeit wurde die Kindergarten-Pädagogin von ihrem Mann und den beiden erwachsenen Söhnen. Bis heute nicht nachvollziehen kann sie aber, warum sich Teile der Familie – etwa die Schwiegermutter – von ihr distanziert haben, nachdem sie von der Krebsdiagnose erfahren haben. „Ich habe lange darunter gelitten, bis ich durch psychologische Betreuung begriff, dass es nicht mein Problem ist. Und ich habe nette Freunde und liebe neue Menschen kennen gelernt, die mir gut tun“, so Frühwirth.

Chemotherapie und Bestrahlung blieben ihr erspart, aber die Hormontherapie ist nach wie vor im Laufen. Ihren offenen Umgang mit ihrer Erkrankung begründet sie damit, andere Frauen darauf aufmerksam zu machen, die regelmäßige Vorsorge wahrzunehmen. „Ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu lesen“, lauteten viele Rückmeldungen zum Buch.

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