Schriftstellerin Erica Pedretti verstarb mit 92 Jahren

Erica Pedretti wurde 92 Jahre alt © APA/KEYSTONE/GAETAN BALLY

Die Schriftstellerin und bildende Künstlerin Erica Pedretti ist tot. Die Bachmann-Preisträgerin des Jahres 1984 verstarb, wie erst jetzt bekannt wurde, am Donnerstag in der Schweiz im Alter von 92 Jahren. Dies teilten das Bündner Kunstmuseum Chur und das Neue Museum Biel mit.

Geboren wurde Pedretti allerdings nicht in der Schweiz, sondern am 25. Februar 1930 im mährischen Sternberg (heute Šternberk/Tschechien) als Erica Schefter. Mit einem Rotkreuz-Transport gelangte sie Ende 1945 in die Schweiz. Diese frühe Erfahrung des Verlusts sollte dann auch später den Nährboden und Roten Faden für Pedrettis Oeuvre bilden. Auch in ihrem bildnerischen Werk, griff Pedretti später mit Objekten und Flügelwesen Themen wie Heimat und Heimatlosigkeit auf. Die große Flügelskulptur am Flughafen Zürich etwa geht auf die Künstlerin zurück.

Sie besuchte von 1946 bis 1950 in Zürich die Schule für Gestaltung. 1950 musste die Familie in die USA emigrieren, da sie für die Schweiz keine Aufenthaltsbewilligung erhielt. Zwei Jahre lang arbeitete Erica Pedretti in New York als Gold- und Silberschmiedin, an den Wochenenden als Skilehrerin. 1952 kehrte sie in die Schweiz zurück und heiratete den Maler Gian Pedretti. Das Paar lebte mit seinen fünf Kindern 22 Jahre lang in Celerina, seit 1974 in La Neuveville.

Pedrettis Hinwendung zur Literatur erfolgte relativ spät. Erst seit ihrem 40. Lebensjahr veröffentlichte sie Prosasammlungen, Romane, Bilderbücher, Hörspiele sowie Gedichtbände wie „Poesiealbum“ (1974), „Notausgang“ (1980), „Freiheitsmuseum“ (1982). Seit den 80ern machte sie sich zudem einen Namen als bildende Künstlerin.

Erste Würdigungen erhielt Pedretti alsbald, unter anderem den Prix Suisse 1970 oder den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung 1975. International für Aufmerksamkeit sorgte sie indes 1984 beim Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Preis, den sie mit dem Text „Das Modell und sein Maler“ über die Entfremdung der Geschlechter für sich entschied. Es folgten etwa der Marie-Luise- Kaschnitz-Preis 1996, und 2013 wurde Pedretti der Schweizer Literaturpreis für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk zuerkannt.

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