Schule begann in Wien und NÖ mit Tests

Für knapp 450.000 Schüler in Wien und Niederösterreich hat am Montag nach den Semesterferien wieder die Schule begonnen. Rund 280.000 von ihnen hatten nach Wochen des Distance Learning wieder die Möglichkeit, den Präsenzunterricht zu besuchen. Voraussetzung dafür war grundsätzlich ein Corona-Selbsttest an der Schule. Nach ersten Einschätzungen dürfte der Großteil davon Gebrauch gemacht haben. In Wien fielen 32 Selbsttests positiv aus, in NÖ 24.

Groß war rund um den Schulbeginn um 08.00 Uhr der Andrang an vielen Volksschulen, wie einige APA-Lokalaugenscheine zeigten. Die Schüler wurden meist nur im Gänsemarsch mit kleinem Abstand eingelassen – dementsprechend war dann auch für kurze Zeit der Rückstau im Freien.

An den Volksschulen haben getestete Schüler an allen fünf Tagen der Woche Präsenzunterricht. An den anderen Schulen gibt es dagegen eine Teilung der Klassen in zwei gleich große Gruppen: Gruppe A hat am Montag und Dienstag Unterricht, Gruppe B am Mittwoch und Donnerstag (und in der Woche darauf umgekehrt). Für die Tage, an denen man nicht in der Schule ist, gibt es Arbeitsaufträge oder Hausübungen. Manche Schulen streamen aber in einigen Fächern auch den Unterricht für die Schüler daheim.

Gleich am Anfang des ersten Schultags vor Ort stand der Test: Da beim ersten Durchlauf auch die Eltern dabei sein dürfen, hatten manche Schulen eigene Teststationen im Schulhof aufgebaut. Kinder ohne Begleitung machten die Tests dagegen in den Klassen.

In Wien wurden dem Bildungsministerium vorerst 32 positive Tests rückgemeldet, in Niederösterreich waren es 24. Diese Kinder werden nun einem PCR-Test unterzogen. Aufgrund der derzeitigen Inzidenz bei Kindern und der Genauigkeit der Tests ist davon auszugehen, dass ein hoher Prozentsatz davon falsch-positiv ist. Der Public-Health-Experte Martin Sprenger kam in einer Berechnung mit der derzeitigen Sieben-Tage-Inzidenz bei Unter-14-Jährigen (rund 70) und den Herstellerangaben auf dem Test auf eine Wahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent. Diese sinkt mit zunehmender Prävalenz, also Infektionen in der Bevölkerung.

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Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) machte sich ein Bild von den Tests an einer Schule in Wien-Leopoldstadt. „Wir haben uns eingesetzt, dass die Schule als sozialer Ort wieder existent ist“, so der Minister vor Journalisten. Angesichts der Inzidenzzahlen könne man aber „nicht blauäugig und naiv einfach aufmachen“. Er sei überzeugt, dass sich die Tests in den Routine-Ablauf an den Schulen einfügen – wobei er gleichzeitig warnte: „Sicherheit ist nur für eine gewisse Zeit gegeben.“ Laut einer AGES-Studie bei anterio-nasalen Tests werden nur drei Viertel der Getesteten mit leichten Symptomen und bei Symptomfreien nur 41 Prozent erkannt. Die Tests würden aber durch die Maskenpflicht, Abstandsregeln sowie bei älteren Schülern mit dem Schichtbetrieb ergänzt, so Faßmann.

Die Entscheidung zur Schulöffnung verteidigte der Minister: Natürlich habe man Respekt vor der Situation. Wenn man allerdings auf den Rückgang der Sieben-Tage-Inzidenz wie von manchen Experten gefordert auf eine viel geringere Zahl gewartet hätte, hätte man vermutlich erst irgendwann vor Pfingsten wieder mit dem Präsenzunterricht beginnen können.

Zum Einsatz an den Schulen kommen sogenannte „Anterio-Nasal-Tests“. Mit diesen erfolgt ein Abstrich mit einem Tupfer im vorderen Nasenbereich. Nach der Abnahme wird dieser in einem Faltkarton mit einer Flüssigkeit beträufelt, der Karton anschließend zugeklappt. Innerhalb weniger Minuten erscheint dann das Ergebnis auf der Vorderseite.

Mittlerweile hat das Bildungsministerium 24 Mio. Tests geordert, die per Charterflügen nach und nach aus China ankommen. Pro Woche werden rund 2,2 Mio. Stück davon an die Schulen ausgeliefert – das entspricht etwa 25 Sattelschleppern.

„Im Wesentlichen hat dieser erste Schultag gut funktioniert“, betonte ein Sprecher der Wiener Bildungsdirektion gegenüber der APA. „Ruhig und organisiert“ sei der Schulstart laut der dortigen Bildungsdirektion auch in Niederösterreich verlaufen. Nur in Einzelfällen habe es an Schulen zu wenige Testkits gegeben, die dann allerdings nachgeliefert wurden.

Das bestätigt auch Wiens oberster Pflichtschullehrer-Personalvertreter Thomas Krebs (FCG). In den vergangenen Tagen sei es Direktoren außerdem noch gelungen, skeptische Eltern vom Nutzen der Testungen zu überzeugen. Auch die Möglichkeit, dass Eltern beim ersten Mal dabei sein können, werde zur Beruhigung beitragen, so seine Hoffnung im Gespräch mit der APA. Konkretes Beispiel: An einer großen Wiener Ganztagsschule seien von den 300 Schülern heute 15 beim ersten Test begleitet worden, drei oder vier werden der Schule wegen der Tests fernbleiben.

Auch an den AHS-Oberstufen dürfte es am ersten Testtag keine gröberen Probleme gegeben haben. Der logistische Aufwand sei zwar enorm, erzählt AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins, die das BORG Mistelbach leitet. Die Testungen selbst seien jedoch kein Problem gewesen, die Oberstufenschüler an ihrem Haus hätten damit auch schon davor Erfahrungen gesammelt. Unter den insgesamt 300 Schülerinnen und Schülern habe nur eine einzige nicht mitgemacht. „Ihnen ist es so wichtig, dass sie wieder Schule haben, dass sie das in Kauf nehmen.“ Die Testung selbst sei wie ein kleines kollektives Experiment, „für die Jugendlichen ist das gar kein Problem“.

Auch an den AHS-Unterstufen sind am Montag nur wenige Schüler, die an diesem Tag Präsenzunterricht hätten, nicht in die Schule gekommen. Positive Testergebnisse habe es am ersten Schultag nur ganz wenige gegeben, betonte Zins, obwohl sie auch Rückmeldungen von teilweise sehr großen Schulen erhalten habe. „An den allermeisten Schulen waren alle Schüler negativ, so wie man sich das wünscht.“

Am späteren Nachmittag veröffentlichten der Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) und Bildungsdirektor Heinrich Himmer Ergebnisse einer Stichprobenuntersuchung mit den Daten von 10.000 Schülerinnen bzw. Schülern. Die von manchen befürchtete Testverweigerung von Eltern blieb demnach tatsächlich weitgehend aus, wie in einer der APA übermittelten Stellungnahme betont wurde. Nur 1,59 Prozent der Eltern von Volksschülern und 1,56 Prozent der Eltern von Schülern der Mittelschule haben den Test verweigert. Diese Kinder befinden sich weiter im Distance Learning.

Ebenso erfreulich sei die Tatsache, so hieß es, dass unter den getesteten Kindern in dieser Stichprobenuntersuchung nur ein einziger positiver Fall zu verzeichnen war. Dies bedeute, dass nur 0,05 Prozent der Getesteten positiv waren.

„Dass fast 100 Prozent der Eltern der Testung ihrer Kinder zugestimmt haben, zeigt einerseits, dass der Sinn dieser Maßnahme verstanden wurde. Andererseits macht es deutlich, wie groß der Wunsch der Eltern und Kinder war, dass Schule wieder im Präsenzbetrieb stattfindet. Was die heute erhobenen Zahlen aus den Wiener Schulen zeigen, ist vor allem eines: Wir konnten einen geordneten, sicheren Schulstart in Wien gewährleisten. Oberste Priorität ist und bleibt die Sicherheit der Kinder und des Lehrpersonals. Daher ist das Testkonzept an den Wiener Schulen von enormer Bedeutung, damit ab sofort ein geregelter Schulalltag ermöglicht werden kann“, sagte Wiederkehr.

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