Schwarzer Humor mit Zuckerguss

Gefeiertes Musical „Mary und Max“ in der BlackBox des Musiktheaters

Mary und ihr Hahn: Celina dos Santos und Lukas Sandmann
Mary und ihr Hahn: Celina dos Santos und Lukas Sandmann © Sakher Almonem

Daniela Dett ist eine Wucht, fantastisch komisch, fies und versoffen. Als Vera, Mutter der achtjährigen Mary Daisy Dinkle, deren einziger Zuhörer ein Hahn ist, hängt sie am liebsten mit Sherryflasche in der Badewanne ab. Warum Mary keine Geschwister habe? „Weil du ein Unfall warst.“ Marys Vater (Christian Fröhlich) auch keine große Hilfe, ein Eigenbrötler in Shorts und weißen Socken.

Tausende Kilometer von Melbourne entfernt der übergewichtige Max Horovitz in New York. Max hat das Asperger-Syndrom. Der erste Brief von Mary versetzt ihn in Panik, sie hat zufällig auf seinen Namen in einem Telefonbuch getippt. Nach zwölf Stunden und 18 Minuten (Max mag Zahlen) beantwortet er die Frage: Werden Babys in Amerika auch in Biergläsern geboren?

„Mary und Max“ von Bobby Cronin und Crystall Skillman begeistert Musical-Fans, europäische Erstaufführung am Freitag in der BlackBox des Linzer Musiktheaters. Die anwesenden Autoren erlebten ein hervorragend eingespieltes Ensemble. Liebevoll gestaltet die Bühne (Kaja Dymnicki), die „Ethel and the Aspies Band“, angeführt von Juheon Han am Piano, begleitet Songs (auf Deutsch), die zwischen fröhlich und sentimental pendeln.

Adam Elliots Vorlage, der Animationsfilm „Mary & Max“ (2009), war ein Geniestreich. Rabenschwarz der (jüdische) Humor, Knetfiguren mit viel Seele. Ist der Film auf seltsame Weise tröstlich, hat das Musical auch etwas aggressiv Liebliches. Ein draufgepappter Rahmen giert nach pädagogischem Mehrwert, Lily traumatisiert nach dem Tod der Mutter. Ihr Vater (Karsten Kenzel) spricht Kitsch.

Die Gesangsleistungen durchwegs erfreulich

Andy Hallwaxx inszeniert rasant und detailverliebt, gibt im ersten Teil dem Zwang zur guten Laune nach. Ein Drama mit Zuckerguss, erst nach der Pause dunklere Töne. Lynsey Thurgar wunderbar durchgeknallt als Psychologin, Hanna Kastner eine sehr schrullige Vermieterin. Der hilflose Außenseiter Max eine Paraderolle für Neuzugang David Arnsperger, die zweite große Auffälligkeit neben Dett. Celina dos Santos (auch als Lily) gibt eine quirlig-traurige kleine Mary, Sanne Mieloo als erwachsene Mary überwindet im schönen Duett mit dem stotternden Damian (Gernot Romic) ihre Schüchternheit.

Die Gesangsleistungen durchwegs erfreulich, herzzerreißend Max, als er den Verrat Marys wittert. Doch ist es tiefe Liebe über die Brieffreundschaft hinaus, er war in Gedanken immer bei ihr. Kein Kitsch, echt wahr. Der Jubel danach riesengroß.

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