„Schweigemarsch“ der Kulturschaffenden: „Was wir tun, ist Notwehr!“

Die Abschlusskundgebung findet am 1. Juli am Heldenplatz statt. © APA/Fohringer

„Ein klares Bekenntnis zur Finanzierung von Kunst und Kultur in Österreich“ fordern die Veranstalter des für 1. Juli geplanten „Schweigemarschs“. Zentrales Anliegen ist die Schaffung eines eigenen Ministeriums für Kunst und Kultur, wie man am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien betonte.

„Wir wollen mit unserem großen Schweigemarsch auf unsere durch die Corona-Pandemie hervorgerufene und trotz in Aussicht gestellter Verbesserungen katastrophale Situation aufmerksam machen“, so der Filmemacher und Mit-Organisator Erwin Leder.

Es gehe darum zu zeigen, dass persönliche Existenzen, die immer schon prekär gewesen seien, nun „massivst bedroht sind“. Aber auch die gesellschaftliche Bedeutung der Kultur ist ein wesentlicher Punkt des Anliegens: „Dass die Bevölkerung wach bleibt und nicht abstumpft“, so Leder. „Wir müssen jetzt auf die Straße gehen. Wir können nicht auf eine zweite Welle warten.“

„Was wir tun, ist Notwehr!“

Als Organisatoren des „Schweigemarschs“ fungieren die Schauspielerin und Marketing-Expertin Eva Math, die Filmemacherin Christin Amy Artner, der Kulturarbeiter Willi Hejda, der Audio- und Sounddesigner Florian Deutsch und IG Autorinnen Autoren-Geschäftsführer Gerhard Ruiss. Offiziell unterstützt wird der Marsch u.a. von der IG Kultur, der Musikergilde oder dem Verband Österreichischer Filmschauspieler. „Wir sind einander zugelaufen, genauso wie die Idee uns zugelaufen ist wie ein kleiner Straßenköter“, erläuterte Math das Zustandekommen der Idee. „Und wenn man nicht neoliberal verseucht ist, kümmert man sich um die, die einen brauchen.“ Energischer Nachsatz: „Was wir tun, ist Notwehr!“

Wütend zeigte sich Ruiss: „Wir halten im vierten Monat des Stillstands, im vierten Monat der Soforthilfen, die noch nicht eingetroffen sind“, umriss er die prekäre finanzielle Situation zahlreicher Künstler. „Die Wahrnehmungshöhe von Kunst und Kultur ist auf dem untersten Niveau angelangt. Der Schaden, den das Land nimmt, ist enorm. Das können wir uns nicht mehr gefallen lassen.“ Dabei wolle man nicht als Bittsteller angesehen werden, sondern „auf Augenhöhe miteinander verhandeln. Die Konzepte liegen vor.“

Zahlreiche Forderungen

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„Ohne uns wird’s still“: Unter diesem Slogan wollen Vertreter der Branche auf die Straße gehen, um u.a. für ein garantiertes Mindesteinkommen in zumindest der Höhe der Armutsschwelle (1.286 Euro netto), die Kompensation aller Einnahmenausfälle seit März oder die Anhebung des Budgets für Kunst und Kultur auf 1 Prozent des BIP einzutreten. Zu den weiteren Forderungen zählen eine dauerhafte Reduktion der Umsatzsteuer für Umsätze von Kunstschaffenden auf fünf Prozent, die Anhebung des Anteils von Musik aus Österreich im Radio auf den Europastandard von 42 Prozent oder die Festlegung und Sicherung von Mindestgagen.

„Wir wollen mit dem Schweigemarsch zeigen, wie es ausschaut, wenn viele Menschen zusammenkommen und schweigen. Wenn es nichts mehr gibt, das man sich anschauen, anhören oder lesen kann“, skizzierte Artner das drohende „Horrorszenario“, wenn die Politik „jetzt nicht handelt“. Beim „Schweigemarsch“ allein soll es aber nicht bleiben. Die Organisatoren hoffen auf weitere Aktionen sowie Verhandlungen mit den politisch Verantwortlichen ab Anfang Juli. Der Tenor: „So kann es nicht weitergehen, das können wir uns nicht leisten!“

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