Sebastian Fitzek: Das Geschenk

Sebastian Fitzek ist eine Art Seelenfänger. Mit Einstiegssätzen wie „Er war nackt und wurde in zwei Hälften zerteilt“ spricht der deutsche Erfolgsautor einmal mehr Instinkte an, die nicht unbedingt zu den besten der Menschheit gehören: Neugier und Lust an Grausamkeit. Und genau die füttert er in seinem neuen Roman „Das Geschenk“ mit Methode. Um weiterer Quälerei durch Mitgefangene zu entgehen, berichtet ein Häftling ausführlich, wie es zu seiner Inhaftierung gekommen ist. Milan Berg heißt der Kleinganove, der sich mit Überfällen über Wasser hält, denn als Analphabet hat er kaum Aussichten auf einen halbwegs annehmbaren Job. Das „Geschäft“ läuft nicht schlecht, bis Milan an eine Kellnerin in einem Diner gerät, die seine Masche durchschaut. Hier beginnt die Geschichte von Milan und Andra. Zwei Jahre lang sind die beiden bereits zusammen, und Andra hat keine Ahnung, dass ihr Geliebter weder lesen noch schreiben kann. Milan ist ein Meister der Täuschung, bis ein alter Mann sein Geheimnis aufdeckt. Diese Begegnung wird genauso wie der flüchtige Blickkontakt mit einem verängstigten Mädchen in einem Auto zu einem Schlüsselerlebnis für Milan. Was dann folgt, ist der reinste Irrgarten: unzählige Spuren, keine führt ans Ziel. Immer mehr Personen aus Gegenwart und Vergangenheit scheinen in ein perfides Spiel eingebunden zu sein. Wie immer bei Fitzek werden sich auch an diesem Buch die Geister scheiden. Spannend ist es allemal.
Sebastian Fitzek: Das Geschenk. Droemer, 368 Seiten, 23,70 Euro

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