Secession zeigt Skulpturen der anderen Art

Während im Hauptraum der Secession noch bis 18. April die spröde Ausstellung „Return to Vienna“ von Tess Jaray zu sehen ist (so der Oster-Lockdown nicht verlängert wird), locken ab Freitag ungewöhnliche Skulpturen in das Grafische Kabinett und in die Galerie im Untergeschoß. Gefüllte Zellophanhüllen von Zigarettenschachteln dienen Yuji Agematsu als Archivboxen, das Künstlerduo Daniel Dewar und Grégory Gicquel zeigt absurd anmutende Hybrid-Objekte bis hin zu Zucchini-Möbeln.

Der in New York lebende Japaner Yuji Agematsu (Jahrgang 1956) präsentiert im Kabinett seinen eigenen Rückblick auf das Jahr 2020. „Es war ein wirklich schlimmes Jahr, aber er präsentiert es in der schönsten Weise, die man sich vorstellen kann“, zeigte sich Secessions-Präsident Herwig Kempinger bei der heutigen Presseführung begeistert. Als er dessen Arbeiten das erste Mal gesehen habe, habe er sofort den Entschluss gefasst, sie zu zeigen. Daraus wurde Agematsus erste Einzelausstellung in Europa. Auch wenn diese nur wenige Quadratmeter einnimmt, versteht sie zu beeindrucken.

In eigens angefertigten Plexiglasregalen werden Miniskulpturen präsentiert: Als Stadtflaneur durch die Straßen New Yorks sammelt Agematsu Weggeworfenes und Verlorenes und sichtet die kleinen Fundstücke später in seinem Atelier. Pro Tag füllt er eine Minizellophanbox und fixiert das Material dann mit Harz. Die so entstandene Sammlung an „Readymade Miniatur-Stillleben“ besticht durch Buntheit und Originalität. Mit Mülltüten haben diese mit Abfall gefüllten Tütchen nichts mehr zu tun. Zu sehen gibt es außerdem ein paar von Agematsus Notizbüchern. „Er kann jeden Tag der letzten 25 Jahre durch einen Blick in seine Archive rekonstruieren“, versicherte Kempinger.

Ganz anders gehen der in Brüssel lebende Brite Daniel Dewar (Jahrgang 1976) und der Franzose Grégory Gicquel (geboren 1975) zu Werke: Sie experimentieren mit einer Vielzahl von Materialien und Techniken, die sie selbst autodidaktisch erlernten. Die persönliche Verarbeitung sei ihnen sehr wichtig, betonte Dewar heute. In der Secession sind insgesamt 16 Werke zu sehen, darunter eine Serie von handgefertigten Keramikskulpturen, die Kloschüsseln zum Verwechseln ähnlich sehen, vor allem aber Skulpturen aus massiven Eichenholz, „die in mehrfacher Hinsicht Hybride sind: zwischen Skulptur und Möbel, zwischen autonomem Kunstwerk und Gebrauchsgegenstand, zwischen unbelebtem Objekt und beseeltem Wesen wie Mensch, Tier und Pflanze“ (Pressetext).

Es sind schwere Kästen und Kommoden, aus denen Arme, Nasen oder Tierköpfe herauszuragen scheinen. Auf einem Objekt hat ein Holzhase Platz genommen, anderswo sind Kürbisse, Zucchini oder Gedärme skulptural eingearbeitet. Es sind Objekte, die wohl mehr ins Horrorkabinett als ins Wohnzimmer gehören – und dennoch eine eigenartige Faszination ausüben.

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(S E R V I C E – Ausstellungen „Daniel Dewar & Grégory Gicquel“ und „Yuji Agematsu. 2020“, 26. März bis 20. Juni, Di-So 14-18 Uhr, Zu den Ausstellungen erscheint jeweils ein Künstlerbuch. )

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