„Sehr sehr kritisch“: Lenzing-Standort soll weg vom Gas

PV-Anlagen auf den Produktionshallen in Lenzing © APA/Andreas Egermeier

Beim oberösterreichischen Faserhersteller herrscht „viel Licht, aber auch Schatten. Uns treibt das Thema Energie um“, so Vorstandschef Stephan Sielaff. Das gilt vor allem für die Europa-Standorte. Am gasabhängigen Standort Heiligenkreuz (Burgenland) ist die Situation „sehr, sehr kritisch“. Insgesamt seien „die Kosten dank des eigenen Fußabdrucks aber geringer, als mancher glauben würde“. Von der Bundesregierung brauche es „weitere Anstrengungen“.

An allen neun Standorten weltweit sind die Energiekosten gestiegen, sagte Sielaff anlässlich der Präsentation der Halbjahresbilanz des Konzerns am Mittwoch online vor Journalisten. „Ein echtes Risiko für einen Versorgungsengpass gibt es nur in Kontinentaleuropa.“ Am Standort in Heiligenkreuz im Lafnitztal (Bezirk Jennersdorf) sei daher die „Situation sehr, sehr kritisch. Aber mit dem Land Burgenland und der Burgenland Energie haben wir ein Konzept in Entwicklung, das die Energieversorgung mehr autark und nachhaltig macht“, so Sielaff. Man arbeite sehr gut zusammen.

Umstellungen gehen freilich nicht über Nacht, eineinhalb Jahre sind wohl mindestens nötig. „Wir haben eine Drei-Säulen-Strategie im Auge“, sagte Sielaff zu Heiligenkreuz mit rund 400 Mitarbeitern. Es gehe um den Einsatz von Photovoltaik, eine eventuelle Nutzung von Geothermie und Biomasse als Energiequelle. APA-Informationen zufolge wird eine 200-Megawatt-Photovoltaikanlage überlegt. Zum Vergleich: Die neue Photovoltaikanlage am Urstandort in Lenzing hat 7 Megawatt. Der Standort Lenzing braucht weniger als 10 Prozent der Energie vom Gasmarkt, also auch aus Russland.

Von der Bundesregierung erhofft sich der Lenzing-Konzern „weitere Anstrengungen“, sagte Sielaff. „Es braucht mehr Flexibilität bei der Unterstützung, mehr maßgeschneiderte Lösungen für die österreichische Industrie – kein dogmatisches Festhalten an EU-Richtlinien.“ Auf Nachfrage, was dies bedeuten soll, konkretisierte der Neo-CEO anhand eines Beispiels rund um die Strompreiskompensation. Es sei durchaus vorgesehen, dass Zellstoff-produzierende Betriebe gefördert würden. „Wir haben in Lenzing eine integrierte Produktion – was für die Umwelt besser ist – aber nur weil diese integriert ist, wären wir außerhalb der Förderung. Das kann und solle es hoffentlich nicht sein, dass Nachhaltigkeit hier bestraft wird.“

Jedenfalls bereite man sich auf eine Energieknappheit vor. „Wir sind dabei, Rohstoffe auf Lager zu setzen und weitere Energiekonzepte umzusetzen, wo wir auch Energieträger einlagern.“ Konkreteres zur Einlagerung von Gas oder anderen Energieträgern war nicht zu erfahren.

Der Lenzing-Konzern hat in Thailand und in Brasilien (weltweit größtes Zellstoffwerk) im ersten Halbjahr auch zwei neue strategisch besonders bedeutende Werke eröffnet. Während diese das Ergebnis in der ersten Jahreshälfte noch belasteten, erwartet sich das Management fürs zweite Halbjahr bereits signifikant positive Ergebnisbeiträge.

Für die Zukunft gerüstet sieht man sich neben der außerhalb von Heiligenkreuz hohen Energieeigenversorgung auch, da man „Champ der Nachhaltigkeit“ sei. Nachhaltige und hochqualitative Fasern erfreuten sich weiterhin steigender Nachfrage – sowohl in der Textil- als auch in der Hygiene/Medizinbranche. Für die Premiumprodukte von Lenzing könne man auch faire Preise verlangen. Und man wolle nun auch „Champ der Kreislaufwirtschaft“ werden, so Sielaff. Bis zum Jahr 2027 wolle man die Milliardenmarke beim EBITDA knacken und ab heurigem Geschäftsjahr zumindest 4,50 Euro Dividende zahlen.

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