Seilbahnunglück am Lago Maggiore: Festgenommene befragt

Die drei wegen des Unglücks am Lago Maggiore festgenommenen Mitglieder der Seilbahngesellschaft „Ferrovie del Mottarone“ sind am Samstag einvernommen worden. Laut der ermittelnden Staatsanwaltschaft besteht die Gefahr „geheimer Absprachen“ zwischen dem Besitzer der Seilbahn und dem Seilbahndirektor, um die ganze Verantwortung auf den Einsatzleiter abzuschieben. Alle drei Männer sitzen seit Mittwoch im Gefängnis der piemontesischen Stadt Verbania.

Die Ermittler vermuten, dass die Notbremse außer Kraft gesetzt wurde, weil es zuvor Unregelmäßigkeiten beim Betrieb der Bahn gegeben haben soll. Ein Motiv für eine Manipulation könnte Medienberichten zufolge gewesen sein, dass die Betreiber nach der langen Corona-Zwangspause die Seilbahn unbedingt am Laufen halten wollten. Die Gondel raste am Pfingstsonntag mit hoher Geschwindigkeit an den Tragseilen zurück Richtung Tal, knallte an einen Seilbahn-Pfeiler und überschlug sich mehrfach. Dabei kamen 14 Personen, darunter zwei Kinder, ums Leben.

Der Seilbahn-Einsatzleiter gestand seine Verantwortung ein. Er habe nie gedacht, dass es zu einem Kabelriss kommen würde. „Ich bin kein Krimineller. Ich hätte keine Menschen in die Kabine einsteigen lassen, wenn ich gedacht hätte, dass das Seil reißen würde“, sagte der Mann, der seit 38 Jahren für die Seilbahngesellschaft „Ferrovie del Mottarone“ arbeitet. Sein Anwalt forderte, dass sein Mandant unter Hausarrest gestellt werde. „Er ist am Boden zerstört. Er dachte nicht, dass dieses Unglück passieren könnte“, erklärte Rechtsanwalt Marcello Perillo, der für seinen Mandanten den Hausarrest beantragen will. Er dementierte, dass es Fluchtgefahr bestünde.

Der Seilbahn-Direktor schiebt die Schuld auf den Einsatzleiter. Er wusste nicht, dass die Notbremse außer Betrieb gesetzt worden war, nachdem es wiederholt zu Betriebsstörungen gekommen war, behauptete sein Anwalt. Der Einsatzleiter meinte dagegen, der Direktor und der Seilbahn-Eigentümer seien informiert gewesen, dass die Notbremse außer Betrieb gesetzt worden war.

In dem Antrag auf Untersuchungshaft für die drei Festgenommenen erwähnt die Staatsanwaltschaft vorsorglich die Gefahr einer Beweismittelverunreinigung. Die Männer hätten sich nicht unmittelbar nach der Tat gestellt.

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In den kommenden Tagen wird die Inspektion durch einen Berater der Staatsanwaltschaft von Verbania am Unfallort beginnen. Die Arbeit des Beraters konzentriert sich auf das gerissene Zugseil, um die Ursachen des Bruchs, der zur Katastrophe führte, zu prüfen. Der Anwalt des angeklagten Einsatzleiters ist bereit, seine eigenen technischen Berater zu ernennen.

Inzwischen besserte sich der Zustand des einzigen Überlebenden des Unglücks, einem fünfjährigen Buben aus Israel. Das Kind erwachte vom Koma. „Er fragt nach seinen Eltern, seine Tante und seine Großmutter bleiben immer in seiner Nähe“, teilten die Ärzte mit. Das Kind wird noch einige Tage auf der Intensivstation bleiben müssen. Die Stadt Pavia, in der die bei der Seilbahnkatastrophe verunglückten Eltern des Buben lebten, starteten eine Spendensammlung für den Buben.

Die italienische Region Piemont hat einen Trauertag für die Opfer des schweren Seilbahnunglücks vor einer Woche ausgerufen. Regionalpräsident Alberto Cirio rief die Bevölkerung in einem Erlass dazu auf, am Sonntag um 12.00 Uhr eine Schweigeminute einzulegen

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