Seiner Zeit weit voraus

Aus dem Böhmerwald stammend, perfektionierte er im ausgehenden 19. Jahrhundert die Methoden des Holzschwemmens. Seine Erfindungen wollten sich später auch die Nazis zunutze machen, Gerüchten zufolge hätten sie mit der von ihm entwickelten Antriebstechnologie sogar Ufos fliegen lassen. Vor 60 Jahren starb der Naturbeobachter, Forscher und Erfinder Viktor Schauberger (1885-1958). Sein Enkel kämpft um die Anerkennung des Lebenswerks seines Großvaters.

Das originale Heimkraftwerk vor einer Abbildung Schaubergers mit ebendiesem Apparat im den Schauräumen in Bad Ischl. © Schauberger-Archiv Bad Ischl

Text: Melanie Wagenhofer

Viktor Schauberger erforschte Wasser, experimentierte u. a. mit Kupferpflügen, mit Rohrleitungen, entwickelte Flussbaumethoden, arbeitete an Antriebsaggregaten und meldete unzählige Patente an. Dabei ging es ihm stets darum, aus Kräften der Natur Nutzen für alternative Methoden der Energiegewinnung zu ziehen. Seine Erfindung zur Herstellung von quellwasserähnlichem Trinkwasser brachte Schauberger sogar ein Treffen mit Hitler ein. Entgegen Schaubergers eigener Darstellung, nach der der Führer seinen Ausführungen begeistert eineinhalb Stunden gefolgt sein soll, besagt das Protokoll der Reichskanzlei, dass das Gespräch nach fünf Minuten beendet und Hitler seinem Landsmann als „Spinner“ die Tür gewiesen habe.

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Antrieb für Nazi-Ufos

Die Nazis holten Schauberger später doch noch, damit er für sie an seiner Antriebstechnik weiter forschte, die anhand eines kleinen Motors nur durch Wasser und Luft viel Energie freisetzen können sollte. Ideen dieser Art seien angesichts von Kerosinmangel interessant geworden, sagt Enkel Jörg Schauberger. Fünf KZ-Häftlinge aus Mauthausen, allesamt Ingenieure, mussten den Erfinder dabei unterstützen. Die Antriebstechnik wollte man für Flugzeuge oder U-Boote nutzen.

Schauberger forschte zunächst in Mauthausen, später in Wien und als die Stadt bombardiert wurde, schließlich in Leonstein. Als die Amerikaner zu Kriegsende näher rückten, ließ Schauberger die Häftlinge frei. Sie sollten dem Erfinder später ein gutes Zeugnis ausstellen. Sein Großvater habe unter den Nazis kein Parteibuch besessen, sich aber in mancher Hinsicht opportunistisch verhalten, gesteht sein Enkel ein, das aber allein deshalb, um an seinen Erfindungen und Entwicklungen arbeiten zu können. Die Amerikaner stellten Schauberger unter Hausarrest, weil er auch an einer Atomenergie der anderen Art forschte, die ungefährlich sein sollte. Man befürchtete, er könne den Russen zuarbeiten, so die Erklärung des Enkels.

Die Sache mit den Ufos, auch „Reichsflugscheiben“ genannt, sei ein Schmarrn. Obwohl, sein Großvater habe dahingehende Meinungen auch bewusst geschürt. Als Gerüchte auftauchten, die Nazis hätten in den letzten Kriegstagen in der Umgebung von Prag ein Ufo fliegen lassen und später Objekte in Südamerika gesichtet worden sind, soll der Großvater gemeint haben, wenn so etwas möglich sei, dann bestimmt mit seiner Antriebstechnik. Tatsächlich blieb eine Entwicklung übrig, die nicht fertig war: die Repulsine, ein sogenannter Implosionsmotor mit Luftantrieb, eine scheibenförmige Apparatur von einem Meter Durchmesser, in der jedoch nie jemand gesessen sei, so der Enkel. Bis zur Flugtauglichkeit brachte man es nicht, auch wenn eines der Aggregate einmal in der Werkstatt an die Decke gegangen ist.
Von solchen Unfällen wird bei Entwicklungen Schaubergers übrigens häufiger berichtet. „Er selbst war handwerklich nicht so begabt, also benötigte er Leute, die seine Ideen für ihn umsetzten“, erklärt Jörg Schauberger. So mancher dieser Unfälle hätte die Fertigstellung verhindert, meint der Enkel, und sein Großvater hätte sich häufig, auch wenn eine Erfindung noch nicht funktionierte, bereits einer neuen Idee zugewandt. Zudem hätten ihm als Privatforscher die Mittel gefehlt.

Natur kapieren & kopieren

Schauberger kam 1885 als eines von rund einem Dutzend Kindern des Försters in Holzschlag im Oberen Mühlviertel zur Welt. Und obwohl ihm der Weg an eine Universität offen gestanden wäre, soll er darauf beharrt haben, wie der Vater Förster zu werden. Er besuchte die Forstschule in Axbach. Schon früh berichtet der Heranwachsende in Korrespondenzen mit seinen Brüdern von Naturbeobachtungen und zeigte sich wissbegierig und erfinderisch. Sein Interesse galt schon da den Kräften der Natur, die er, so sein Motto, „kapieren und kopieren“ wollte.

Als Förster arbeitete Schauberger in der Gegend von Steyrling und kam dort, wie schon in der Kindheit, mit dem Holzschwemmen in Kontakt. Er plante und setzte eine effizientere Form um, die Holz und Kanäle schonte und für rascheren Transport des Materials sorgte. Das brachte ihm viel Anerkennung ein, das Landwirtschaftsministerium ernannte ihn zum Konsulenten für das Schwemmwesen. Unter Dollfuß soll er sogar als Landwirtschaftsminister im Gespräch gewesen sein. Er zog mit seiner Familie nach Wien.
Nach dem Krieg, die Familie lebte nun in Linz, fehlte Schauberger das Material, große Maschinen zu bauen, er fertigte viele Skizzen mit neuen Ideen an und schrieb Beobachtungen nieder. Gemeinsam mit seinem Sohn, einem Mathematiker, der die Naturbeobachtungen des Vaters auf mathematischer Ebene umzusetzen suchte, gründete er die Grüne Front, die erste Grünbewegung Österreichs. Die beiden engagierten sich u. a. für die Aufforstung in Hochlagen und einen natürlichen Lauf der Flüsse ohne künstliche Begradigung.
In den 1950ern wurden die Amerikaner auf den Erfinder aufmerksam, die ihn und seinen Sohn 1958 in die USA holten. Dort fanden die beiden allerdings nicht die versprochenen Arbeitsbedingungen vor und kehrten schließlich enttäuscht zurück nach Österreich. Wenige Tage später verstarb Schauberger in Linz.

Seine Familie pflegt Schaubergers Lebenswerk und kämpft um die Anerkennung des Erfinders, Vordenkers und Visionärs. In der Villa Rothstein in Bad Ischl kann gegen Voranmeldung ein Schauraum mit Objekten besichtigt werden, einfache Versuche werden vorgeführt, auch Seminare finden statt. Vieles aus dem Nachlass wurde erst vor wenigen Jahren in einer Garage in den USA entdeckt und nach Hause geholt. Auch ein Modell eines Heimkraftwerkes, einer biothechnischen Energiemaschine und eine Repulsine sind darunter, die Objekte studieren immer wieder Forscher, die Universität für Bodenkultur Wien arbeitet heute an Themen von Schauberger, im Flussbau werden Methoden von ihm umgesetzt. „Seine Zeit war für vieles noch nicht reif“, sagt sein Enkel. Wer weiß, vielleicht findet ja noch so manche Idee von Schauberger Umsetzung …