„Seismograf des kulturellen und künstlerischen Lebens in OÖ“

OÖ. Landeskulturbeirat: Stockinger und Staufer-Hutter neue Vorsitzende

V.l.: Romana Staufer-Hutter, LH Thomas Stelzer, Josef Stockinger
V.l.: Romana Staufer-Hutter, LH Thomas Stelzer, Josef Stockinger © Land OÖ/Stinglmayr

Unter dem Vorsitz von Landeshauptmann Thomas Stelzer fand gestern die konstituierende Sitzung des 8. Landeskulturbeirates (2019-2023) statt. Im Mittelpunkt stand die Wahl der Führungsfunktionen. Zum neuen Vorsitzenden wurde Josef Stockinger gewählt, zu seiner Stellvertreterin Romana Staufer-Hutter. Von den insgesamt 50 Mitgliedern und Ersatzmitgliedern des Landeskulturbeirates sind 27 Frauen und 23 Männer, drei der sechs Fachbeiräte werden von Frauen geführt. 37 Mitglieder wurden neu berufen, 13 stellen sich für eine weitere Periode zur Verfügung.

„Der Landeskulturbeirat bildet in sehr komprimierter Form das kulturelle und künstlerische Leben des Landes ab, quer durch alle Sparten und Bereiche“, erklärte Stelzer, für den der Landeskulturbeirat ein „Seismograf des kulturellen und künstlerischen Lebens in Oberösterreich“ ist. Dem Gremium solle vor allem bei der Erstellung des neuen Kulturleitbildes eine wichtige Rolle zukommen: „Es ist mir wichtig, dass der Landeskulturbeirat sich aktiv und intensiv in diese Arbeit einbringt.“

Stepaneks letztes Paket an Vorschlägen

Mit der Konstituierung des neuen Landeskulturbeirates endet auch die Arbeitsperiode des 7. Landeskulturbeirates unter der Führung von Paul Stepanek. Landeshauptmann Stelzer dankte in der Sitzung vor allem ihm und den anderen ausscheidenden Mitgliedern für ihre Arbeit und ihr Engagement. Das letzte Vorschlagspaket in der alten Besetzung wurde am 3. Juni verabschiedet. Darin lässt etwa ein originelles Konzept zur „Präventiven Sammlungsbetreuung in den Regionalmuseen“ aufhorchen. Weiters werden „Schutz, Pflege und Förderung des traditionellen Handwerks“ forciert. Der innovative Antrag „heimatkunde.update“ hat zum Ziel, das Interesse der Jugend an Heimat- und Regionalforschung zu wecken. Weiters setzt man sich für die Unterstützung des Ehrenamtes ein. Enthalten ist auch der Hinweis auf ein akutes Raumordnungsproblem und der Appell an die zuständigen Stellen, im Sinne der baukulturellen Leitlinien des Bundes, den Bau des nahe dem Pichlingersee geplanten Fußballstadions nicht zuzulassen.

In der vergangenen Periode hätten, bilanzierte Stepanek, bestimmte Themen die Arbeit des Landeskulturbeirates dominiert: Das Anliegen der Kunst- und Kultur-Animation für Kinder und Jugendliche mit dem Schwerpunkt „Schule und Kultur“, die Intensivierung der Kulturarbeit in den Gemeinden, existenzielle Fragen der Raumordnung und schließlich spezielle Fragen des Kulturgüterschutzes (eigenes Gesetz), präventive Sammlungsbetreuung, Pflege traditionellen Handwerks sowie das „Sichtbarmachen“ volkskultureller Arbeit. „Insgesamt gesehen, zeigen die Vorschläge über Jahre hinweg, dass diese Institution nach wie vor ein beachtliches Kreativpotential entwickeln kann“, erklärte Stepanek.

Die neuen Fachbeirats-Vorsitzenden

Fachbeirat 1 (Bildende Kunst, Design, Film, Elektronische
Medien):
– Vorsitz: Prof. Andreas Gruber
Fachbeirat 2 (Musik, Literatur, Darstellende Kunst):
– Vorsitz: Romana Staufer-Hutter
Fachbeirat 3 (Wissenschaft, Erwachsenenbildung):
– Vorsitzender: Klaus Landa
Fachbeirat 4 (Volksbildung, Heimatpflege, Brauchtum):
– Vorsitz: Konsulentin Christine Huber
Fachbeirat 5 (Architektur, Denkmal-Ortsbildpflege, Altstadtsanierung):
– Vorsitz: Margit Greinöcker
Fachbeirat 6 (Regionale Kulturentwicklung):
– Vorsitz: Hans Peter Holnsteiner

Stockinger: „Ich fühle mich als Klimamacher“

Der neue Vorsitzende des Landeskulturbeirates, Josef Stockinger, Generaldirektor der OÖ. Versicherung, sieht sich im VOLKSBLATT-Gespräch vor allem „für das Klima verantwortlich, für die Gesprächsbasis und letztlich auch dafür, dass man die Arbeit so aufsetzt, dass am Ende konstruktive, gute Vorschläge herauskommen“. Inhaltlich wolle er noch gar nichts vorgeben: „Ich fühle mich eher als Klimamacher und für den konstruktiven Ablauf und produktive Beratungsarbeit zuständig.“ Die Inhalte sollen sehr stark von den Mitgliedern kommen, die aus allen gesellschaftlichen und fachlichen Bereichen seien. „Ich glaube, dass der Landeskulturbeirat auch durch die Diskussionen, die es zuletzt gegeben hat, mehr Aufmerksamkeit hat und diese wollen wir miteinander nutzen“, so Stockinger weiter. Er nehme für sich nicht in Anspruch, jemand zu sein, der in vielen oder allen Kulturbereichen über Kompetenz verfüge, so Stockinger bescheiden: „Da gibt es viel kompetentere.“ Er sehe seine Aufgabe auch darin, die Sponsorseite einzubringen. LH Stelzer setzt bei der Erarbeitung des neuen Kulturleitbildes für Oberösterreich stark auf den Landeskulturbeirat. „Eine Vorlage, die wir gerne aufnehmen. Das ist besonders wichtig, weil wir uns da schon vorgenommen haben, uns wirklich einzubringen.“ Als Privatmann findet Stockinger sich eher in der Malerei: „Und wenn du eine schauspielernde Tochter hast (Anm. Tochter Marie-Luise gehört dem Burgtheater-Ensemble an), bist du natürlich mitgefangen.“ Sich ihre Premieren anzusehen, sei für ihn selbstverständlich. Ob er die ablehnende Haltung des bisherigen Landeskulturbeirates gegenüber den Stadionplänen in Linz teile, wollte er nicht sagen: „Der alte Landeskulturbeirat hat seine Vorschläge gemacht. Wir werden neue Ideen aufgreifen.“              M. Wagenhofer

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