Selbsterkenntnis in der Burgruine

Premiere von „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ in Reichenau

Thomas Hochrathner (l.) als Alpenkönig und Joschi Auer als Rappelkopf
Thomas Hochrathner (l.) als Alpenkönig und Joschi Auer als Rappelkopf © Burgfestspiele Reichenau

Von Werner Rohrhofer

Ein Theaterabend der „Ruinen“: Im Hintergrund die romantische Burgruine von Reichenau im Mühlkreis, im Vordergrund der Herr von Rappelkopf, eine seelische „Ruine“. Mit „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ von Ferdinand Raimund wurden am Donnerstag die Burgfestspiele Reichenau eröffnet. Übrigens ein Jubiläum: Es sind die 25sten!

Die Wiener Dramaturgin Doris Happl schuf für Reichenau eine überarbeitete Fassung des berühmten „Zauberspiels“ aus dem Jahr 1828 um den Menschenfeind Rappelkopf, der seine Umgebung und im Besonderen seine Familie bis zum Anschlag tyrannisiert. Dem steht der Alpenkönig gegenüber, der schließlich Rappelkopf zur Vernunft und vor allem zur Selbsterkenntnis bringt.

Mit viel Respekt vor dem Text „entstaubt“

Happls Bearbeitung hat das Stück mit viel Respekt vor Raimunds Text „entstaubt“, den berühmten „Spiegeleffekt“ — Rappelkopf sieht sich in der verwandelten Figur des Alpenkönig selbst — bühnengerecht herausgearbeitet und nicht zuletzt auch die Burgruine in die Handlung eingebaut. Damit ging zwar das bekannte Lied der Köhlerfamilie „So leb denn wohl, du stilles Haus …“ verloren, eine Reihe von anderen Gesangseinlagen entschädigt dafür aber voll. Regisseur Gerhard Koller setzt Happls Vorgaben kongenial um, Sprachwitz, Komik und Tiefgang bilden eine Symbiose.

Das Ensemble agiert professionell. Joschi Auer legt den Rappelkopf nicht nur als bösen Wüterich an, vielmehr als einen Menschenfeind, der gerade darunter leidet, ein solcher zu sein. Thomas Hochrathner als Alpenkönig ist kein Geisterwesen, sondern ein eleganter Herr und im zweiten Akt ein grausliches Ebenbild des Rappelkopf. Elisabeth Stelzer als Ehefrau des Menschenfeindes nimmt man die Liebe zu ihm trotz allem ab.

Alina Hinterhölzl als Rappelkopfs Tochter und Jonas Maurer als ihr von Rappelkopf gehasster Verehrer sind ein Liebespaar, überzeugend und trotz der romantischen Kulisse fern von Kitsch. Ein komödiantisches Ereignis ist Michael Türk als Rappelkopfs Diener Habakuk, der in Hermine Touschek als Dienstmädchen einen ebenso unterhaltsamen Widerpart findet. Und Gerhard Kössler als Rappelkopfs Schwager sorgt am Schluss fürs Happy End.

Eröffnungsredner Landeshauptmann a. D. Josef Pühringer würdigte die Bedeutung kultureller Veranstaltungen wie diese Festspiele auf der Burg als wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Und auch als beeindruckende Teamarbeit. Immerhin wurden für die diesjährige Saison der Burgfestspiele — als zweite Produktion steht ab 23. Juli das Kinderstück „Robin Hood & Marian“ auf dem Programm — nicht weniger als 8000 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet.

Die Burgfestspiele Reichenau dauern bis 10. August.

Termine unter www.burgfestspiele.at

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