Selbstständig, aber nicht allein

OÖ Seniorenbund und oö. Hilfswerk über das „Wohnen im Alter“

Nach der Enquete (v. l.): Paul Eiselsberg (IMAS), Hilfswerk-Obmann LAbg. Wolfgang Hattsmannsdorfer, Seniorenbund-Chef LH a. D. Josef Pühringer, Architektin Christiane Feuerstein und Paralympicssieger Christoph Etzlstorfer.
Nach der Enquete (v. l.): Paul Eiselsberg (IMAS), Hilfswerk-Obmann LAbg. Wolfgang Hattsmannsdorfer, Seniorenbund-Chef LH a. D. Josef Pühringer, Architektin Christiane Feuerstein und Paralympicssieger Christoph Etzlstorfer. © OÖSB

„In keiner Lebensphase verbringt der Mensch so viel Zeit in der Wohnung, wie im Alter. Und nicht nur im Pflegefall oder im hohen Alter“, erklärt Seniorenbund-Landeschef LH a. D. Josef Pühringer.

Der Seniorenbund hat deshalb am Dienstag in Linz gemeinsam mit dem Hilfswerk über dieses Thema Experten zum Gespräch geladen. Und der Seniorenbund legt ein Fünf-Punkte-Wohnprogramm vor: Erstens sei es wichtig, Lösungen vor Ort zu schaffen.

Zweitens brauche es bessere gesetzliche Rahmenbedingungen, zusätzliche Wohnbauförderungen und breitere Unterstützung für generationsübergreifende Wohnprojekte, Betreubares Wohnen oder Senioren-Wohngemeinschaften. Drittens brauche es soziale Treffpunkte.

Viertens sollten Wohnbauprojekte für Senioren nicht am Ortsrand, sondern im Ortszentrum errichtet werden. Und fünftens sollte die Möglichkeit der Antragsstellung bei behindertengerechtem Umbau im Nachhinein geschaffen werden.

Gegen die Einsamkeit

Der Seniorenbund hat die Bedürfnisse auch per Umfrage erheben lassen. „Mit fast 90 Prozent zeigen die Ergebnisse, dass eine große Sehnsucht besteht, solange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu verbleiben“, so IMAS-Forscher Paul Eiselsberg — und 9 von 10 Senioren sei es ein großes Anliegen, jemanden in der Nähe zu haben, mit dem man täglich reden kann.

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Wäre infolge der Verschlechterung des Gesundheitszustandes eine Veränderung der Wohnsituation zwingend notwendig, gaben die Befragten mit 76 Prozent am häufigsten an, in ein Betreubares Wohnen übersiedeln zu wollen.

71 Prozent würden eine 24-Stunden-Pflege in Anspruch nehmen, 65 Prozent zögen in eine Senioren-WG. Erst an vierter Stelle folgt der Übergang in ein Alten- und Pflegeheim.

Drei Forderungen

Durch diese Umfrage sieht sich auch Hilfswerk-Obmann LAbg. Wolfgang Hattmannsdorfer bestätigt. Und er leitet daraus auch drei Forderungen ab: Erstens müsse beim Pflegegeld ein Schwerpunkt auf Sachleistungen gelegt werden, dass also die Menschen zuhause bleiben können und sich Leistungen von mobilen Diensten einfacher „zukaufen“ können.

Zweitens brauche es auch in diesem Bereich einen Fokus auf Forschung und Entwicklung — ein erster Schritt sei der nun gestartete Innovationstopf des Landes. Mit 400.000 Euro dotiert sollen dadurch Innovationen in der Pflege ermöglicht werden.

Und drittens müsse man die Förderungen im Wohnbau kritisch hinterfragen und adaptieren, etwa bei Sanierungen auch auf Barrierefreiheit abstellen.

Und Hattmannsdorfer pocht auch auf eine umfassende Demenz-Strategie. Neben einer besseren Berücksichtigung beim Pflegegeld, sollte es erstens in jedem Bezirk ein, darauf spezialisiertes Heim gegen und zweitens brauche es mobile Beratungsteams für die Betroffenen und die Angehörigen.

Regionaler Ansatz

Durchaus erfreut über den Vorstoß des Seniorenbundes zeigt sich die zuständige Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer. Alternative Wohnformen seien ein sehr gutes Angebot für Menschen mit geringem Pflegebedarf.

So wie bei Alten- und Pflegeheimen liegt die Umsetzung Alternativer Wohnformen bei den Regionalen Trägern in den Bezirken und Statutarstädten. Die Sozialabteilung habe ein gutes Konzept dafür entwickelt.

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