Sensation in Bad Ischl: Franz Lehárs Solitär „Clo-Clo“ begeisterte

Halbszenische Melodien-Gala zwischen Offenbach und Puccini

Sieglinde Feldhofer (Mitte) konnte das Publikum in Bad Ischl verzücken.
Sieglinde Feldhofer (Mitte) konnte das Publikum in Bad Ischl verzücken. © www.fotohofer.at

Von Ingo Rickl

Da ist am vergangenen Wochenende Thomas Enzinger für sein Lehár-Festival eine sensationelle Entdeckung geglückt: „Clo-Clo“, Franz Lehárs kaum bekannte, überaus melodienreiche Operette aus dem Jahr 1924, erklang im deutschen Sprachraum erstmals seit 1971, als sich die Staatsoperette Dresden des Werkes angenommen hatte.

Erstaunliches Rätseln gab es nach der Ischler Aufführung: Warum hat kein Intendant, kein Dramaturg dieses heitere, pointenreiche, mit Melodien spezieller Güte in den vergangenen 48 Jahren aufgeführt? Mit dieser Schande hat nun Bad Ischl einen Triumph in der Hand.

Viele witzige Einfälle und zwei Bombenrollen

In der Fassung von Jenny W. Gregor erwies sich nun das Libretto von Béla Jenbach mit zahlreichen witzigen Einfällen und zwei Bombenrollen für Sängerinnen, die auch das Schauspielhandwerk perfekt beherrschen, als Haupttreffer. Die Handlung sei kurz erzählt: Die kokette Clo-Clo wird nicht ganz uneigennützig vom Bürgermeister Perpignans, Severin Cornichon, gefördert. Als die biedere Gattin des großzügigen Lüstlings Lunte riecht, kommt es zum Zerwürfnis. Schließlich siegt, was Clo-Clo betrifft, die Liebe zu einem virilen jungen Mann namens Maxime de la Vallé. Und Severins Gattin Melousine hat das, was sie sich immer wünschte: die einzige Geliebte ihres Mannes zu sein. Die beiden genannten Damen sind Sieglinde Feldhofer als Clo-Clo und Susanna Hirschler. Erstere ist Diva und Soubrette zugleich, darstellerisch und stimmlich unvergleichlich wandelbar. Anders ist die Lage für die vielseitige Hirschler. Sie hat genügend Humor, um sich über sich selbst lustig zu machen. Diese Mimik, diese Gestik, die Körperbeherrschung: absolute Spitze.

Wer brachte das Kunststück der lebhaften musikalischen Revue zustande? Das Team, das bereits „Pariser Leben“ gestaltet hatte. Dirigent Marius Burkert, Regisseur Markus Kupferblum, der Meister der Personenregie, Toto als Minimal-Ausstatter mit köstlichen Apercus und Gerald Krammer, der einmal mehr dem Chor musikalische Köstlichkeiten beibrachte: ein Führungsteam also, das die teilweise mit überraschenden Musik-Details aufwartende Handlung ebenso kurz und bündig zelebrierte, wie es alle von Lehár vorgegebenen Einfälle mit komödiantischem Impetus umsetzte. Vieles in der Partitur liegt zwischen Anklängen an Offenbach und Puccini, so schien uns der Klang aller Mitwirkenden vielseitig. Gerd Vogel als Severin, Ricardo Frenzel Baudisch als penibler Klavierlehrer, Daniel Jenz als siegreicher Liebhaber Maxime, und Frank Voß als Erzähler wurde im letzten Akt die Schau von Matthias Störmer gestohlen, der einen Polizisten ins Reich des Skurrilen versetzte.

Stürmischer Applaus und eine sensationelle Zugabe

Nach stürmischem Applaus gab es als Zugabe eine veritable Sensation. Maria Sams, die für das Lehár-Archiv in der Lehár-Villa zuständig ist, fand ein Couplet Clo-Clos mit ironischem Text über die Polizei. Sieglinde Feldhofer verschaffte sich mit dessen Interpretation zusätzlichen Jubel des zum Teil von weit angereisten Publikums.

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