Markus Ebert

Meinung

von Markus Ebert

Sensibilität

„Um Schaden von der Partei abzuwenden“ sei der Braunauer FPÖ-Vizebürgermeister sowohl von seiner Polit-Funktion zurück- als auch aus der FPÖ ausgetreten, sagte FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache gestern. Mit Verlaub, Herr Vizekanzler, aber das ist eine zu kurz gegriffene Schadensbegrenzung.

Denn eigentlich hätte Christian Schilcher zuallererst das Wohl der Stadt Braunau, deren Vizebürgermeister er war, im Auge haben müssen. Also: Wenn schon Rücktritt, dann einmal aus Verantwortung gegenüber einer Stadt, die ohnehin — und völlig zu Unrecht — einen Ruf picken hat, den man nur mit sehr großen Anstrengungen allmählich los wird.

„Um Schaden abzuwenden“ — von Stadt wie von der FPÖ — hätte Schilcher die rassistische Reimerei überhaupt lassen sollen. Oder, wie es die Braunauer Gemeinderatsfraktionen von OÖVP, SPÖ und Grünen in einer gemeinsamen Stellungnahme formulieren: „Gerade im Hinblick auf das historische Erbe braucht es besondere Sensibilität und Wachsamkeit bei diesem Thema“.

„’Um Schaden abzuwenden’ hätte Schilcher die rassistische Reimerei überhaupt lassen sollen.“

So gesehen kann man sich nur der Hoffnung der FPÖ-OÖ anschließen, dass nämlich die öffentliche Debatte über das Gedicht „auch zu einer weiteren Sensibilität bei manchen führen wird“. Notwendig wäre es.

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