Seong-Jin Cho: The Wanderer. Schubert – Berg – Liszt

Das neueste Soloalbum des 25-jährigen koreanischen Pianisten Seon-Jin Cho mit Monumentalwerken der Klavierliteratur trägt das Motto „Freier Geist“. Das passt auf jeden Interpreten und seine Auslegung der Werke.

Diesmal fällt es bei Schuberts „Wanderer-Fantasie“ (1822) besonders auf, dass die Interpretation andere Wege geht, als ihn legendäre Schubert-Pianisten beschritten. Dabei ist Schubert angeblich Chos erklärter Lieblingskomponist, und wenn er für das Werk mehr den Titel „Fantasie“ einfordert, sei ihm die künstlerische Freiheit zugestanden.

Dass er die vier Sätze meist durchwegs betont schlicht, fast belanglos bis zur Langeweile abgleiten lässt, so dass sich Kontraste kaum durchsetzen, beweist nicht zum ersten Mal, wie wohlvertraut und fern zugleich Schubert erscheint, gleichgültig, wie intuitiv erfassbar er ist.

Besser gelingt Cho die Identifikation mit Liszt in dessen symphonisch dimensionierter h-Moll Sonate (1853). Da ist er der romantische Dämon am Klavier in allen Stimmungsphasen, fantasiert, improvisiert, variiert im einzigen Satz aus vier Themen weit entfernt vom sonstigen Sonaten-Schema.

Viel Freude in dem aufwühlenden Kanon macht Alban Bergs Sonate op. 1 (1909), in dem Cho mit facettenreicher Anschlagskultur einen großen Klangpalast errichtet. Seine Auseinandersetzung mit junger Literatur macht neugierig.

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