“Demokratischer Tsunami” in Katalonien blieb aus

Es sollte ein “Demokratischer Tsunami” werden. Die Veranstalter der Unabhängigkeitsdemo am Mittwoch erwarteten auf der zentralen Placa d’Espanya in Barcelona über eine Million Teilnehmer. Doch aus dem Tsunami wurde eher eine größere Welle. Nach Angaben der katalanischen Lokalpolizei nahmen am Mittwoch nur 600.000 Personen an dem Straßenprotest teil.

In den vergangenen Jahren waren es regelmäßig bis zu eine Million Unabhängigkeitsbefürworter, die sich am katalanischen Nationalfeiertag, der Diada, an den Protestumzügen beteiligten. 2014 waren es sogar 1,8 Millionen. Wie es scheint, verliert die Separatistenbewegung zwei Jahre nach dem gescheiterten Unabhängigkeitsreferendum eindeutig an Unterstützung.

Dabei erwarteten die Veranstalter, die separatistischen Bürgerbewegungen ANC und Omnium Cultural, gerade im Vorfeld der Urteilsverkündung im Prozess gegen ehemalige Separatistenführer eine massive Beteiligung. Spätestens Mitte Oktober soll mehreren Bürgeraktivisten und Mitgliedern der ehemaligen Regionalregierung von Carles Puigdemont wegen der Durchführung eines illegalen Unabhängigkeitsreferendums am 1. Oktober 2017 der Prozess gemacht werden. Ihnen drohen wegen Rebellion, Veruntreuung öffentlicher Gelder und zivilem Ungehorsam Haftstrafen von bis zu 25 Jahren.

So standen vor allem die “politischen Gefangenen” im Mittelpunkt der Unabhängigkeitsdemo am Mittwoch. Doch der Rückhalt für die Abspaltung der wirtschaftsstarken Region von Spanien scheint zurückzugehen. Das bestätigen auch jüngste Umfragen. Laut dem katalanischen Meinungsforschungsinstituts CEO fordern derzeit nur noch 44 Prozent der Katalanen die Loslösung ihrer Region von Spanien, 48 Prozent wollen hingegen Spanier bleiben. Im Frühjahr waren beiden Lager noch fast gleichstark.

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