Servicefirma ISS mit 3.000 Mitarbeitern in Kurzarbeit

Die ISS Österreich, eine Servicefirma mit Dienstleistungen rund um Gebäude, schickt von ihren 7.000 Mitarbeitern rund 3.000 für drei Monate in Kurzarbeit. Man reagiere damit frühzeitig auf die aktuellen Ereignisse rund um die Coronavirus-Pandemie, um einer Massenkündigung entgegenzuwirken, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Durch das Coronavirus sei die Nachfrage in einigen Bereichen “massiv” eingebrochen. “Betroffen sind davon vor allem sämtliche Dienstleistungen am Flughafen Wien, zunehmend auch Servicebereiche in der Industrie und im öffentlichen Bereich”, hieß es in einer Aussendung.

“Unsere oberste Prämisse war, möglichst viele Kündigungen zu vermeiden und eher in Kurzzeitmodelle zu gehen, um auch den Mitarbeitern in einer Zeit, wo es schwierig ist, zu sagen, wir nehmen euch mit”, erklärte Erich Steinreiber, CEO von ISS Österreich, im APA-Gespräch.

Das Unternehmen ist nicht nur in der Reinigungsbranche, sondern auch in der Betriebsgastronomie, mit Sicherheitsdiensten und im technischen Gebäudemanagement tätig. Gerade diese Diversifikation im Angebot hat im Gegensatz zu auf ein Metier spezialisierte Unternehmen einen Vorteil gebracht. “Das Schöne ist, dass wir doch sehr breit aufgestellt sind. Unser Auto fährt durch einen Tunnel, wir fahren links und rechts an, aber wir fahren weiter”, so Steinreiber nach Bekanntgabe der Maßnahme. Ein geringer Prozentsatz (unter 5 Prozent der Belegschaft) habe in Abstimmung mit dem Betriebsrat aber gekündigt werden müssen.

Die 3.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit waren wegen der Industrie, der Schließung von Schulen und Universitäten oder auch der Fasteinstellung des Flughafenbetriebs nötig. “Das Flughafengeschäft hat uns am härtesten und am schnellsten getroffen. Das waren alleine über 500 Mitarbeiter. Da ist kein Geschäft mehr da”, schilderte der ISS-CEO. “Dass die Industrie kommt, war uns klar, aber für mich doch früher als ich gehofft habe.” Dies habe man bei den Betriebsküchen gespürt, “wo es weniger oder gar keine Essen mehr gibt”.

Umschulungen innerhalb des Betriebes haben weitere Kurzarbeiter verhindert. “Uns ist zum Beispiel ein großer Kunde in Wien im Catering eingebrochen, der dafür mehr Sicherheitspersonal gebraucht hat. Jetzt haben Leute aus der Küche Sicherheitsschulungen gemacht, damit sie dort auch Portier machen können”, führt Steinreiber ein Lieblingsbeispiel der jüngsten Vergangenheit an.

Schon jetzt macht er sich Gedanken für die Zeit nach der Pandemie. “Ich bin überzeugt, es wird nachher andere Geschäftsmodelle geben. Wir müssen uns jetzt schon auch mit solchen Ideen beschäftigen, was wird nachher sein? Wie wird unser Reinigungsgeschäft, unser Sicherheitsgeschäft ausschauen müssen?”

Schon jetzt kommen Geschäfte, an die man zuvor nie gedacht hätte. Stichwort: Desinfizierung. Gesteigerte Nachfrage erwartet man bei ISS aufgrund der aktuellen Entwicklungen auch aus dem Gesundheitswesen. Auch außerhalb von Spitälern wird man Reinigungspersonal wegen der Coronavirus-Pandemie verstärkt benötigen. Steinreiber bestätigte auf APA-Anfrage, dass auch zu Lazaretten umfunktionierte Messehallen ein Thema sein könnten. “Wir sind mit der Wiener Messe eh schon in Kontakt.”

Bei Härtefällen in Sachen Kurzarbeit – wie etwa alleinerziehende Mütter – habe man so gut wie möglich Rücksicht genommen. “Wir haben versucht, mit Schichtmodellen und Urlauben zu kompensieren. Im Gesundheitswesen können wir aus anderen Segmenten zuschießen.”

Steinreiber zeigte sich jedenfalls vom Schutzschirm der Bundesregierung angetan. “Das ist wirklich einzigartig, man sieht ja wie andere Länder jetzt nachziehen wollen. Da sind wir in Europa sicher ein Vorzeigeland.”

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