Servicegedanke im Vordergrund

Nach mehr als 37 Jahren beim „Club“ geht Josef Thurnhofer mit Jahresende in Pension. Der 63-Jährige war unter anderem Leiter des Technischen Dienstes und seit 2004 Geschäftsführer – beziehungsweise ab 2010 Landesdirektor – des ÖAMTC Oberösterreich

Josef Thurnhofer im Gespräch mit Motor-Redakteur Oliver Koch: „Die stärkere Etablierung des Dienstleistungsgedankens im ÖAMTC war mein größter Erfolg.“ © Neubauer

Von Oliver Koch

Konsequent die Mitglieder in den Vordergrund stellen und den Dienstleistungsgedanken bei den Mitarbeitern zielstrebig verankern: Das sind die wesentlichen Triebfedern von Josef Thurnhofer, scheidender Landesdirektor des ÖAMTC Oberösterreich.

VOLKSBLATT: Von knapp 100.000 Mitgliedern im Jahr Ihres Eintritts im Jahr 1981 zu aktuell etwa 350.000. Was sind die Gründe für den Erfolgslauf des ÖAMTC?

THURNHOFER: Die Mobilität nimmt einen immer wichtigeren Stellenwert bei den Menschen ein. War in den 1950er- und 1960er-Jahren die zunehmende Motorisierung der Wachstumstreiber, so traten in den Jahren danach andere Dinge in den Fokus. Beispielsweise die Urlaubsreisen mit dem Auto. Und damit ist auch die Servicepalette des ÖAMTC immer weiter ausgebaut worden. Ich denke da an den Schutzbrief, in weiterer Folge das Stützpunktnetz, die Flugrettung und natürlich auch die Fahrtechniktrainings. Uns ist es immer ein Anliegen, den Menschen jeweils am Puls der Zeit bei ihren Mobilitätsbedürfnissen zu unterstützen.

Welche Mobilitäts-Trends sehen Sie?

Hauptsächlich die Elektromobilität, weshalb wir uns intensiv mit dieser Technologie auseinandersetzen müssen. Und natürlich auch die Digitalisierung beziehungsweise die Datenhoheit. Die heutigen Autos generieren eine Unzahl von Daten und hierbei gilt es zu klären, wem die gehören: Den Autoherstellern oder den Kunden. Hier arbeiten wir auf internationaler Ebene mit anderen Clubs zusammen, um für die Konsumenten eine zufriedenstellende Vereinbarung – auf Augenhöhe mit den Herstellern – zu erzielen.

Sind die Autohersteller zu allmächtig, Stichwort Abgasskandal?

Den Eindruck könnte man gewinnen. Aber oft entstehen aus Verfehlungen die besten Dinge. Das war in Österreich nach dem Weinskandal auch so.

Wo hakt es in Oberösterreich beziehungsweise im Zentralraum bei der Mobilität?

Es braucht eine gesamtheitliche Betrachtung, denn Mobilität ist nicht nur Individualverkehr. Ich sehe es als sehr positiv, dass es nun ein Verkehrsleitbild für den Linzer Raum gibt. Es braucht jedenfalls ein umfassendes Management der Verkehrsströme. Punktuelle Lösungen sind kontraproduktiv. Fest steht aber auch, dass Infrastrukturprojekte lange Vorlaufzeiten haben, die oftmals weit über eine Legislaturperiode hinausgehen. Doch ich bin zuversichtlich, dass jetzt ein guter Start hingelegt worden ist.

Ist der ÖAMTC nur ein Autofahrerclub?

Beileibe nicht! Wir vertreten sämtliche Mobilitätsbedürfnisse: Vom Fußgänger über den Radfahrer bis hin zum Öffi- und Autofahrer. Wir müssen erkennen, dass das kein Gegeneinander sondern ein Miteinander ist. Ziel muss es daher in Zukunft sein, dass nicht nur Autobesitzer ÖAMTC-Mitglied werden.

Ihr größter Erfolg als Landesdirektor?

Dass ich es geschafft habe, den Dienstleistungsgedanken bei den Mitarbeitern zu etablieren. Denn deren Beiträge finanzieren unsere Gehälter. Und wir sind als unabhängiger Mobilitätsclub primär unseren Mitgliedern verpflichtet.

Ihr Rat an Ihren Nachfolger?

Ich wünsche mir, dass unsere Mitarbeiter auch künftig den Raum bekommen, um sich immer wieder weiter qualifizieren zu können.

Wie werden Sie ab Jänner mobil sein?

Mit einem E-Auto und nachdem ich fünf Enkelkinder habe, werde ich mir auch einen Kleinbus zulegen. Und ich freue mich auf viel Bewegung in der Natur, also wandern, Rad fahren oder Ski fahren. Denn das ist leider in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen.

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