Shakespeare verliebt auf Piberstein

In Helfenberg gibt's heuer abwechslungsreiches Open-Air-Theater

Es ist nicht das erste Mal, dass man sich im rührigen Theater in der Kulturfabrik Helfenberg einer Filmvorlage annimmt.

Nach „Noch ist Polen nicht verloren“ (2013) und „Wie im Himmel“ (2016) ist heuer nun „Shakespeare in Love“ zu sehen, das eigentlich schon letztes Jahr in der Kulturfabrik stattfinden hätte sollen und coronabedingt verschoben werden musste.

Premiere ist am 28. Juli um 20 Uhr. Die Regie liegt erneut in den bewährten Händen von Brigitta Waschnig: „Gute Filmvorlagen sind eine Inspiration für mich und ich hege eine Leidenschaft dafür, solche Filme auf die Bühne zu bringen.“

Als in London die Pest überwunden war …

Der Film „Shakespeare in Love“ aus 1999 nach dem Drehbuch von Marc Norman und Tom Stoppard und mit Gwyneth Paltrow und Joseph Fiennes in den Hauptrollen hat jedenfalls sieben Oscars kassiert und wäre damit quasi eine Steilvorlage — wenn man vergleichen würde. Die Bühnenadaption stammt aus der Feder von Lee Hall. „Das Stück steht dem Film um nichts nach“, betont Waschnig. „Es ist wahnsinnig komisch und gut geschrieben.“ Die Handlung sei fiktiv und ein Versuch, Shakespeares Leben, von dem man bekanntlich recht wenig weiß, darzustellen und herauszufinden, was den großen Schriftsteller inspiriert habe, so Waschnig: Im Stück begegnet dieser der Liebe, eine Romeo- und Julia-Geschichte entspinnt sich. Es ist die Zeit, in der London gerade die Pest überstanden hat, eine Schauspieltruppe versucht, wieder auf die Beine zu kommen. Das passt doch auch perfekt in unsere Zeit.

„Das Stück wurde bisher nur einmal in Österreich und zwar als deutschsprachige Erstaufführung in der Wiener Josefstadt auf die Bühne gebracht“, sagt Kulturfabrik-„Urgestein“ John F. Kutil. Das läge wohl auch am vielen Bühnenpersonal, das man dafür benötige: In Helfenberg werden es elf Profi- und fünf Laiendarsteller sein, die in 40 Rollen schlüpfen müssen. Ihnen wird aber auch sonst einiges abverlangt. Waschnig: „Sie müssen zudem singen und tanzen, manche spielen auch ein Instrument.“ Man darf sich auf Livemusik im Renaissancestil freuen. „Es wird auf jeden Fall abwechslungsreich“, verspricht Waschnig, die „Fechtkämpfe, höfischen Tanz und wilde Schlägereien, hemmungslos romantische Liebesszenen und viel Wortwitz“ ankündigt. Probenbeginn ist am 21. Juni, von den für vergangenen Sommer vorgesehenen Schauspielern sind fast alle wieder mit dabei, lediglich zwei Rollen mussten aus Termingründen neu besetzt werden. Kutil schlüpft heuer in gleich drei Rollen, der ebenfalls bereits Helfenberg-erprobte Okan Cömert gibt Will Shakespeare, seine Liebe Viola des Lesseps wird von Soffi Povo dargestellt.

Um in Sachen Corona wirklich auf Nummer sicher zu gehen, habe man sich dafür entschieden, so Produktionsleiterin Gabriele Revertera, mit den Vorstellungen ins Freie zu übersiedeln und in der nahen Burg Piberstein eine herrliche mittelalterliche Kulisse gefunden. Vor die wird mit viel Holz eine Bühne gebaut. „Wir stellen quasi das Theater neu hin“, so Kutil. Die Sitzplatzkapazitäten bleiben dieselben wie indoor: 300 Plätze werden zur Verfügung stehen. Das Stück wird 14 Mal aufgeführt, für jeden Termin hat man vorsorglich einen Ersatztermin eingeplant, falls der Wettergott nicht mitspielen sollte.

Für die neue Bühne im Freien erhofft man sich auch Mittel aus Investitionsfördertöpfen. Prinzipiell erhalte sich der Theaterverein aber mit dem Kartenverkauf, so Revertera. Dazu kommt, dass sich die Helfenberger so stark mit ihrem Sommertheater identifizieren, dass es viele Ehrenamtliche und helfende Hände auch aus örtlichen Vereinen gibt, die es unterstützen.

Weitere Termine: 30. Juli, 1., 4.-8. und 11. bis 15. August
www.theaterinderkulturfabrik.at

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