Sherwood Forest liegt an der Enns

In Steyr kämpft „Robin Hood“ für Richards Befreiung

Sieglinde Hauser als Lady Marian und Marcel Philip Kraml als Robin Hood auf der Bühne im Steyrer „Sherwood Forest“
Sieglinde Hauser als Lady Marian und Marcel Philip Kraml als Robin Hood auf der Bühne im Steyrer „Sherwood Forest“ © Peter Kainrath

Von Peter Klimitsch

Ein Stoff wie „Robin Hood“, die allseits bekannte Geschichte um den Rächer der Enterbten und König der Diebe, ist eine Bank für eine Bühne, die dermaßen schön in die Natur eingebettet liegt wie jene beim ehemaligen Gasthaus Sandmair an der Enns. Das Sommertheater des Steyrer „Theater am Fluss“ schenkt seinem Publikum zum „kleinen Jubiläum“ (fünf Jahre) ein buntes Spektakel, das im Verlauf des Abends mehr und mehr zum Musical wird.

Exzellent besetzt

Die eigens für den Abend von Wiff LaGrange komponierte Live-Musik treibt die Inszenierung an. Ihre Stärken bezieht diese aus exzellenten Besetzungen: Raphael Cisar spielt Prinz John, seinen Kopf legt er immer leicht schief, aus einem Mundwinkel lächelt er seine Intriganz hinaus. Wenn der Name des rechtmäßigen Königs Richard fällt, der in Dürnstein im Gefängnis sitzt, schickt die Krone auf seinem Haupt ihm Schmerz durch den Kopf, grandios! Mutter Eleonore (Petra Kamptner) maßregelt den Sohn ohne Staatslenkungsgeschick wie ein kleines Kind. Mit Stefan Adamski tummelt sich ein Bruder Tuck durchs Geschehen, den man sich authentischer kaum vorstellen mag. Oliver Roitinger verleiht Little John eine eindrucksvolle Statur und versteht es, mit dem Stock zu kämpfen — alle Kampfszenen sind herrlich choreografiert. Die Komikkomponente ist bei Allan, dem Dichter, in dessen Gestaltung Michael Zintl-Reburg sich als Zwilling von Michael Palin (Monty Python) outet, und Midge, dem Müller (Bernhard Oppl), bestens aufgehoben.

Sangesstark

In Michael Kuttnigs Sheriff von Nottingham findet Robin Hood einen richtig böse aufbrausenden Widersacher, der sich auch sangesstark präsentiert. Was notwendig ist, denn in der Konfrontation mit dem im Kerker gefesselten Titelhelden und dem Duett dabei misst er sich mit Marcel Philip Kraml, einem höchst talentierten Bühnenallrounder in der Hauptrolle (wenngleich eine Justin-Bieber-Frisur bei Robin doch etwas befremdlich wirkt). Sieglinde Hauser spielt die Lady Marian als nur nach außen hin zart besaitetes Wesen, das Robins Herz erwärmt und gegen den Sheriff behende das Schwert zu führen weiß.

Mit Charme

Fürs Sitzvermögen ist der Teil vor der Pause einen kleinen Deut zu lang. Und doch gelingt es dem Team vom „Theater am Fluss“, mit Charme und klug gezogenen Registern guter Unterhaltung knapp drei Stunden lang zu vergnügen.

Gespielt wird bis 10. August immer donnerstags bis samstags, Beginn um 20.30 Uhr. Tickets: www.theater-am-fluss.at, Tel. 0681/10589001

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