Shutdown brachte für viele Eltern eine Überforderung mit sich

Familien, die Alltag gut strukturierten, genossen gemeinsame Zeit

Keine Familie konnte sich auf die außergewöhnlichen Umstände, die der Coronavirus mit sich brachte, vorbereiten.

Gezeigt hat sich aber, dass besser gebildete Eltern, die in der Lage waren, den Alltag trotz Home-Office und -Schooling gut zu strukturieren, den Shutdown als angenehm empfunden haben. Der Termindruck fiel weg, beiden Elternteilen war eine intensivere Beschäftigung mit den Kindern möglich, so erste Erkenntnisse.


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Räumliche Enge spitzte Zusammenleben zu

In vielen Familien spitzte sich die Situation wegen der räumlichen Beengtheit und der ständigen Anwesenheit aller aber enorm zu. Eltern oder Alleinerziehende klagten beim Elterntelefon (142) über Überforderung.

Vor allem kleinere Kinder forderten ein, sich mit ihnen zu beschäftigen, oft wurden sie aber mit Medien „ruhiggestellt“. Nicht immer gelang es Eltern, die Sorgen um die wirtschaftliche Existenz und die Angst vor einer Erkrankung den Kindern neutral zu vermitteln, sondern Ängste übertrugen sich auf den Nachwuchs, betont Kinder- und Jugendpsychiater Michael Merl: „Vor allem wurde Kindern durch das Wegfallen der Sozialkontakte die Möglichkeit genommen, daraus zu lernen. Welche Entwicklungsdefizite dadurch entstanden sind, werden wir aber erst zu Schulbeginn im Herbst sehen.“

Bereits abgezeichnet hat sich für den Primar am Linzer Kepler Uniklinikum, dass Kinder, die Angst vor der Schule oder dem Kindergarten haben, zu Hause weniger gestresst waren, und sich nach dem Lockdown bei ihnen schon wieder erste Symptome eingestellt haben. Ganz entscheidend für die Behandlung in der Klinik sei das Fallen der Maskenpflicht, weil es gerade bei jüngeren Kindern auf die nonverbale Kommunikation wie Mimik, Gestik und Sprachmelodie ankomme.

Vor allem Jugendliche, die die Corona-Sperre gar nicht ausgehalten hätten, seien von zu Hause ausgebüxt. Merl schließt nicht aus, dass es in den Sommerferien zu einer zweiten Welle kommt, in denen Kinder zu viel sich selbst überlassen werden.

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