Sidlo will von Casinos Austria 2,3 Mio. Euro

Der kurzzeitige FPÖ-nahe Finanzvorstand der Casinos Austria (Casag), Peter Sidlo, ist am Donnerstag vor dem Handelsgericht Wien einvernommen worden. Sidlo, der seinen ehemaligen Arbeitgeber auf 2,3 Mio. Euro klagt, verhehlte nicht, dass er aufgrund seiner Parteizugehörigkeit in die Position kommen wollte. Er fordert von den Casinos Austria, ihm sämtliche Gehaltsansprüche samt der Boni in vollständiger Höhe für die gesamte Laufzeit des Vorstandsvertrags auszuzahlen.

Wie Sidlo aussagte, habe er 2018 den damaligen Casinos-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner am Gang der Nationalbank, am Rande einer OeNB-Generalratssitzung, gesagt, dass er sich für den Posten des Finanzchefs interessiere. „Ich habe ihm gesagt, ich bin ja ein FPÖler und gefragt, ob es für einen FPÖler die Möglichkeit gibt, in eine solche Position zu kommen“, so Sidlo. Rothensteiner habe auf diese „flapsige“ Bemerkung „ungehalten“ reagiert und auf einen geplanten Bestellprozess verwiesen.

Schon davor habe er mit der damaligen Casinos-Finanzvorständin und Stellvertreterin von ÖVP-Bundesparteiobmann Sebastian Kurz, Bettina Glatz-Kremsner, über sein Interesse an der Position in dem teilstaatlichen Glücksspielkonzern gesprochen. Dies sei im Sommer 2018 bei einer informellen Vorbesprechung zwischen den Beiden zu einer Generalratssitzung in einem Wiener Kaffeehaus gewesen. Sidlo erwähnte nebenbei, er und Glatz-Kremsner seien damals auch im Gespräch für das OeNB-Präsidium gewesen. Geworden sind es dann Harald Mahrer für die ÖVP und Barbara Kolm für die FPÖ.

Sidlo sagte auch, dass er 2018 mit einem Vorstandsjob in der Staatsholding liebäugelte. Mehr als Gedankenspiele seien es aber nicht gewesen, sein „Mentor“, Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, habe „Nein“ gesagt. Stattdessen ist man auf die Casinos Austria zu sprechen gekommen. Nach dem Umbau der Staatsholding von der ÖBIB zur ÖBAG ist 2019 der Generalsekretär des ÖVP-geführten Finanzministeriums, Thomas Schmid, zum Alleinvorstand geworden. Die Staatsholding, die ein Drittel der Casinos-Aktien hält, stimmte später gemeinsam mit den Novomatic-Aufsichtsräten für Sidlos Bestellung als Casinos-Vorstand.

Die Richterin fragte Sidlo auch zu jener WhatsApp-Nachricht, die er dem damaligen FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus schrieb. Mit dem darin angesprochenen „Deal“ sei gemeint gewesen, dass er über Geschäftspartner, die er in der Nachricht als „Freunde“ bezeichnete, den Eigentümer des Casinos-Aktionärs Sazka, Karel Komarek, von einem Rückzug überzeugen wollte. Gekommen sei es dann anders, nämlich dass die Novomatic ihren Anteil an den nunmehrigen tschechischen Mehrheitseigentümer Sazka verkaufte. Sidlo sagte, er habe dies auch schon im parlamentarischen U-Ausschuss und gegenüber der Staatsanwaltschaft unter Wahrheitspflicht ausgesagt.

YT
Video
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.

Sidlo war vom damaligen blauen Vizekanzler Strache unterstützt worden, um in die Position des Casinos-Finanzvorstands zu kommen. Strache sei über „viele, viele Jahre ein Förderer von mir gewesen“, führte der 47-Jährige aus. Strache habe viel von seinen beruflichen Erfahrungen gehalten, so Sidlo, der nun als selbstständiger Unternehmensberater arbeitet.

Als im Herbst 2018 bei der Neuordnung des Casinos-Vorstands nicht viel passiert sei, habe er sich auf der Webseite der Casinos Austria angesehen, wer denn den Vorstand bestellt. In einer Aktiengesellschaft sei dies der Aufsichtsrat. Daraufhin habe er sich gedacht, es wäre vielleicht nicht schlecht, auch mit Harald Neumann, dem damaligen Novomatic-Chef, in Kontakt zu treten. Dies habe er dann auch getan, nämlich über den damaligen Pressesprecher des Glücksspielriesen. Auch Strache habe mit Neumann gesprochen. „Ich war aber nie ein FPÖ-Kandidat, sondern ein Kandidat, der von der Novomatic unterstützt wurde“, sagte Sidlo.

Ein Vergleich zwischen Sidlo und den Casinos scheint ausgeschlossen, solange die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Sidlo laufen. Wie aus den Gesprächen der Richterin mit den Anwälten hervorging, war die Casag nicht bereit, Sidlo mehr als drei Monatsbezüge anzubieten. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) führt Sidlo im Casinos-Akt als einen von inzwischen 20 Beschuldigten aus der türkis-blauen Regierungszusammenarbeit. Seine Bestellung und im Gegenzug mutmaßliche Absprachen zu Lizenzen für die Novomatic sind der Kern der Vorwürfe, die von allen Beschuldigten bestritten werden. Die Causa Casinos hat seit August 2019 zu zahlreichen Hausdurchsuchungen bei hochrangigen Politikern von FPÖ und ÖVP geführt haben.

Sidlo war im Dezember 2019 vom Casinos-Aufsichtsrat vorzeitig abberufen worden, obwohl er erst im Mai des selben Jahres als Kandidat der Novomatic in den Vorstand gekommen war. Glatz-Kremsner stieg im Zuge des Vorstandsumbaus zur Generaldirektorin der Casinos Austria auf. In der Zivilklage vor dem Handelsgericht fordert Sidlo die Auszahlung seines Vorstandsvertrages über die gesamte Laufzeit von drei Jahren. Bis Vertragsende wären ihm noch für zwei Jahre und vier Monate Fixgehalt und Bonuszahlungen zugestanden.

Ihm seien keine Verfehlungen seinerseits bewusst, die die vorzeitige Abberufung gerechtfertigt hätten, so Sidlo am Donnerstag vor Gericht. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, als Rothensteiner ihn angerufen habe. Eine Abberufung sei bis dahin nie Thema gewesen, wenn auch die Stimmung im Unternehmen unangenehm war. Sidlo sagte auch, er sei in der internen Untersuchung entlastet worden. Er sei auch nie suspendiert, sondern nur beurlaubt gewesen.

Die Befragung von Sidlo ist am Donnerstagnachmittag nach rund viereinhalb Stunden unterbrochen worden. Der Zivilprozess und damit Sidlos weitere Einvernahme gehen am 25. März weiter. Für diesen Tag sollen auch erste Zeugen geladen werden. Auf der Zeugenliste von Sidlo steht unter anderem Ex-Novomatic-Chef Neumann. Dessen Anschrift muss aber erst geklärt werden, weil dieser laut Medienberichten nun in Australien arbeitet.

Wie ist Ihre Meinung?