Sie sangen für Österreich

Zehn Topstars der Opernbühne gaben auf ORF ein Konzert der Extraklasse

V. l.: Juan Diego Flórez, Anna Netrebko, Jonas Kaufmann, Valentina Nafornita und Piotr Beczala
V. l.: Juan Diego Flórez, Anna Netrebko, Jonas Kaufmann, Valentina Nafornita und Piotr Beczala © ORF/fidelio

Die Wiener Staatsoper verwöhnt in diesen schweren Zeiten mit Streaming-Opernübertragungen und stellte gemeinsam mit und auf Initiative von ORF III in Windeseile unter beispiellosem Einsatz der Technik im Radiokulturhaus Wien mit zehn Opernstars ein außergewöhnliches Opernkonzert unter dem Titel „Wir spielen für Österreich“ auf die Beine. Zu sehen war es am Sonntagabend auf ORF III und ist es noch fünf Tage auf der ORF-Mediathek.

Danke, danke, danke, sagen die Opernfreunde und bewunderten das klug abgestimmte Programm, das gar nicht auf effektvolle Ohrwürmer fokussiert war, sondern inhaltlich einging auf die allgemeine Stimmung der Künstler: Bescheidenheit, Solidarität und Verzicht auf den sonstigen Applaus, ihre Auftritte souverän von unverminderter Größe.

Welcher Künstler wüsste es nicht, welchen Stellenwert das Publikum bei einer Vorstellung einnimmt, welche Inspiration von ihm auszugehen hat, wenn es die vollkommene Übereinstimmung ausstrahlt und die Sympathiewerte über den Erfolg entscheiden.

Den leeren Saal konnte man vergessen bei den Leistungen der Stars, die ihr Bestes gaben mit Lieblingsstücken meist jenseits ihres Opernrepertoires. Begleitet wurden sie „nur“ von einem Streichquartett des Radio Symphonieorchesters und von Jendrik Springer am Bösendorfer-Flügel.

Piotr Beczala aus dem Wohnzimmer

Juan Diego Florez eröffnete mit der Cavatine aus Verdis „Lombardi“ und sang noch Schuberts „An die Musik“, Valentina Nafornita sang die Juwelenarie der Margarethe aus Gounods „Faust“ und aus Rachmaninows Liedschaffen. Russisches oder Polnisches wählten auch andere, etwa Tomász Koneczny außer seines Gershwin-Beitrags oder Elena Maximova mit der Arie des Niklas aus Offenbachs „Hofmanns Erzählungen“ und eines „Liedes der Liebe“.

Manche Stars schalteten sich dazu und schufen die Illusion eines Szenenwechsels. So Piotr Beczala aus dem Wohnzimmer mit einem Lied aus seiner Heimat und einer Arie aus „Fedora“ von Umberto Giordano. Andreas Schager meldete sich mit seiner Frau Lidia Baich auf der Geige aus der Natur. Und Jonas Kaufmann griff nach seinem Wienerlied-Repertoire mit dem Pianisten Helmut Deutsch „In einem kleinen Cafe in Hernals“.

Park Jong-Min sang koreanische Lieder aus seiner Heimat. In den Starreigen reihte sich erwartungsgemäß das Ehepaar Anna Netrebko (Rachmaninow, Mattinata von Leoncavallo) und Yusif Eyvazov (aus „Liebestrank“ von Donizetti, Ultima Canzone von Tosti) ein. Ein unvergesslicher Abend, den sich bis zu 235.000 Zuschauer nicht entgehen ließen.

Am kommenden Sonntag (26. April) stehen Volksopernlieblinge mit Operettennummern auf der Bühne des Radiokulturhauses, am 3. Mai ist ein Musicalabend der Vereinigten Bühnen auf ORF III geplant.

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