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Schäxpir: Sina Heiss´ „#schalldicht“ im Linzer Theater Phönix

Egotrip oder Freundschaft? Ein Lebensthema. Kerstin Jost, Sofia Falzberger, Alduin Gazquez, Adrian Stowasser
Egotrip oder Freundschaft? Ein Lebensthema. Kerstin Jost, Sofia Falzberger, Alduin Gazquez, Adrian Stowasser © Frau Feist

Starconnect! Werde „Starfluencer“! Glaubt Thea den Mist, den sie ins Mikro trällert? Natürlich nicht. „Aber sie zahlen gut.“ Leider hat Tontechniker Mats die Aufnahme vermasselt, aber egal. Mats plaudert mit seinen Freunden Ella und Finn.

Der Besucher kann jetzt die eh simple Technik an den Sitzen ausprobieren. Kopfhörer und ein Kipphebel zum Wechseln zwischen zwei Kanälen. Auf dem einen Thea, wie sie in ihrer Tonkabine flucht. Auf dem anderen Mats, Ella und Finn. Wem zuhören? Und, ganz schlimm, was versäumt man auf dem anderen Kanal?

Mit dem technischen Gimmick fängt Sina Heiss Zeitgemäßes ein. Die „Blasen“, jene strikt abgegrenzten Meinungen im Internet, und die Verheißungen des digitalen Marktes: alles zugleich und jetzt sofort. Störrisch nur organisches Leben, das an verfließender Zeit festhält.

Heiss, Autorin und Regisseurin des 70-minütigen Stücks „#schalldicht“, bettet junge Leute in Digitalem ein, aber ihre Fragen wie seit jeher: Wohin geht die Reise? „#schalldicht“ nähert sich dem Thema mit erfrischender Natürlichkeit, Resultat auch der gemeinsamen Arbeit von Regisseurin und Schauspielern. Uraufführung war am Donnerstag bei Schäxpir im Linzer Theater Phönix.

Knackpunkt der Handlung ein Unwetter, das das Quartett im Tonstudio einschließt. Dann bricht der Funkverkehr ab. Ein gespenstisch-grotesker Tanz, in dem die vier ihre Handys hochhalten und nach einem Signal suchen. „Connected“ sein das Thema, der stille Finn (Alduin Gazquez) würde gern wo dazu gehören. Er fühlt sich wie die Tropfen draußen: Fallen, irgendwohin.

Die schlaue Ella (Sofia Falzberger) geht auf Klimademos, kennt sich leider bei der Liebe gar nicht aus. Wenigstens damit ist sie nicht allein. Adrian Stowasser als Mats ein technikaffiner Sprücheklopfer, der die traurige Ballade vom Leben am Meer singt. Romantisches Aussteigertum? Kerstin Jost als Thea bläht sich zum „Star“ und hat eine tolle Singstimme. Traurigkeit lauert, 300.000 Followers, aber keine Freunde.

Knackige Tanzeinlagen, Theater nah am realen jungen Leben. Die vier raufen, quatschen sich zusammen. Jubel im Phönix, noch heute (11 und 19.30 Uhr) und morgen (17). Wiederaufnahme ab 2. November.

Von Christian Pichler

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