Sie wollen doch nur retten

Kammerspiele: „Ich bin kein guter Mensch“ mit Markus Ransmayr

Monologisierte in den Kammerspielen: Markus Ransmayr
Monologisierte in den Kammerspielen: Markus Ransmayr © Petra Moser

Der Weg ist schmal, das Tor eng, nur wenige sind auserwählt. Keine Predigt für liberale Weicheier, denen die Hölle gewiss ist. Der Mann im blütenweißen Hemd kennt die Wahrheit, die Kraft der Angst soll seine jungen Zuhörer bezwingen.

Zweiter Vortrag, Auffrischung des Erste-Hilfe-Kurses. Ein Wirrkopf illustriert Rettungstechniken mit Katzen- und Blutspritzervideos, kippt wiederholt in seine kaputte, sprichwörtliche „Beziehungskiste“. Im Koffer statt Rettungsutensilien eine Puppe namens Yvonne, die allerlei Übergriffe erdulden muss. Die Klammer beider Geschichten wohl die, dass vermeintliche „Retter“ mitnichten solche sein müssen.

Markus Ransmayr, seit 2014 Mitglied im Schauspielensemble des Landestheaters Linz, spielte am Samstag in den Kammerspielen das Stück „Ich bin kein guter Mensch“ von Marc von Henning.

Zwei Monologe, jeweils eine halbe Stunde, die Kraft des Geschichtenerzählens möchte Henning nutzen. Doch die Texte bloß Folien, das Trash-Eck als Ausrede. Skizzen zweier Typen, die nicht im Gedächtnis haften bleiben. Verpasste Chancen, in der Figur des Predigers nur angedeutet markante Züge des Demagogen. Wie er unsichere Seelen anstacheln will, sich durch berechnende Demut anschleimt.

Als hanswurstiger und latent grausamer Rettungspädagoge erntet Ransmayr einiges Gelächter, in der Bespaßung versickerte die mögliche Pointe. Der Samariter tatsächlich ein Lebensretter? Allzu dankbar sind diese Rollen nicht. „Ich bin kein guter Mensch” giert zu vordergründig nach dem Prädikat „schräg“. Es bleibt eine blutleere Freakshow.

Noch einmal am 27. Juni, 19.30 Uhr

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