Silberpfeile werden in den Fasching fliegen

Mit dem 36. Grand Prix von Brasilien in Interlagos steigt erstmals ein Formel-1-Rennen am 11. November

Felipe Massa (links) im Williams war der bislang letzte Lokalmatador, der in Interlagos die Fans verzückte. Daniel Ricciardo (dahinter) ist heuer letztmalig im Red Bull in Brasilien unterwegs.
Felipe Massa (links) im Williams war der bislang letzte Lokalmatador, der in Interlagos die Fans verzückte. Daniel Ricciardo (dahinter) ist heuer letztmalig im Red Bull in Brasilien unterwegs. © AFP/Sa

Von Andy Hörhager

0,363 Sekunden pro Runde. Das ist die Differenz, welche die Mercedes-Silberpfeile im langjährigen Schnitt schneller um den Kurs von Interlagos fliegen, als die gesamte Formel-1-Konkurrenz.

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Die letzten beiden Nicht-Mercedes-Siege in Brasilien datieren von 2013, als Sebastian Vettel, damals noch im Red Bull, den GP in Südamerika gewann, ebenso, wie im Vorjahr im Ferrari.

Dazwischen hießen die Interlagos-Sieger Nico Rosberg (2014 und 2015) sowie Lewis Hamilton (2016).

Obwohl mit dem 36. GP do Brazil erstmals in der Formel-1-Historie ein Rennen zu Faschingsbeginn gefahren wird, sollen die Mitbewerber des Weltmeisterteams Petronas Mercedes-AMG am 11. 11. (18.10, live ORF eins und RTL) nichts zu Lachen haben.

Auf der schnellen Strecke in den brasilianischen Sümpfen, mit tückischen Kurven, die so klangvolle Namen tragen, wie Senna-S, Entenschnabel, kleines Pinienbäumchen oder Hufeisen. Wer diese einladenden Ecken zu schnell anfährt, steht am Kurvenausgang mit blockierenden Reifen in Kiesbett oder Leitplanke, frag‘ nach bei Lewis Hamilton, der im Vorjahr in der Qualifikation sein Auto dergestalt wegschmiss.

Alonsos letztes Mal

Der entgegen dem Uhrzeigersinn gefahrene und 4,3 Kilometer lange Kurs verlangt den Piloten alles ab, da werden bei einigen am Montag die Nackenmuskeln sehr unlocker sitzen, manchen Piloten taugt das aber anscheinend.

„Interlagos ist ein unglaublicher Kurs, ich bin dort immer gerne gefahren“, ließ der zweifache Weltmeister Fernando Alonso (McLaren Racing) vor seinem letzten Auftritt in Brasilien verlauten. „Hier sind schon viele großartige Rennen gefahren worden“, gab der 37-jährige Spanier, der seine Formel-1-Karriere in gut zweieinhalb Wochen beim GP von Abu Dhabi beenden wird, zu Protokoll.

Ferrari gegen Mercedes wird auch an diesem Wochenende die Auseinandersetzung lauten, Red Bull Racing hat bestenfalls bei Regen eine Chance gegen die PS-Ungeheuer aus Maranello und Stuttgart, welche mit ihren Aggregaten die 1000-PS-Schallmauer längst gesprengt haben.

Die Mehrfach-Weltmeister Ayrton Senna, Nelson Piquet, Emerson Fittipaldi oder der Fast-Champion Felipe Massa hatten jahrzehntelang für fantastische Stimmung rund um den GP gesorgt, heuer fehlt der Lokalmatador in Brasilien freilich.

Mit dem 20-jährigen Sergio Sette Camara wird zumindest ein Brasilianer als Ersatzpilot bei McLaren dabei sein und Erfahrung sammeln dürfen.