Simply Red: Blue Eyed Soul

Bei der neuen Platte „Blue Eyed Soul“ von Simply Red hört man schwarzen US-amerikanischen Soul im Stil der 60er- und 70er-Jahre — komponiert und gesungen von einem weißen Musiker: Mick Hucknall.

as Album klingt ziemlich schwarz und drückt mit klassisch-altmodischen Songs aus „Who cares“ — frei übersetzt: Macht euch mal locker. Mit „Thinking Of You“, dem Opener des neuen Albums, oder mit „BadBootz“ macht Hucknall ganz unverblümt Disco-Funk für reifere Dancefloor-Besucher. Mit „Complete Love“ liefert er einen feinen Schmusesong ab. Mit „Tonight“ zelebriert er eine der schönsten Balladen seiner Laufbahn.

Nichts an „Blue Eyed Soul“ dürfte sich neu oder irritierend anfühlen für langjährige Fans von Simply Red — aber man nimmt dem blassen Mann seine Begeisterung für die schwarze Musik jederzeit ab. Ob die zehn mit großer Bandbesetzung eingespielten Simply-Red-Stücke nun originell sind oder doch nur gut gemeint und definitiv gut gemacht, daran werden sich wohl wieder die Geister scheiden. Das erste Studioalbum der Band seit „Big Love“ (2015) — ihr insgesamt zwölftes — beweist aber zumindest eines: Mick Hucknall ist ein wunderbarer Sänger, der sich vor den Black-Music-Legenden nicht verstecken muss. Wer mittanzen will, hat am 10. November 2020 in der Wiener Stadthalle die Möglichkeit dazu.

Hörprobe:

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