„Sind auch eine Serviceagentur“

Seit Mittwoch im Dienst: Alfred Weidinger, Geschäftsführer der OÖ Landes-Kultur GmbH

Alfred Weidinger absolvierte am Mittwoch seinen ersten Arbeitstag.
Alfred Weidinger absolvierte am Mittwoch seinen ersten Arbeitstag. © Röbl

In einer denkbar schwierigen Zeit trat der gebürtige Oberösterreicher Alfred Weidinger (58) am Mittwoch offiziell seine Stelle als neuer Leiter des OÖ Landesmuseums und der neuen OÖ Landeskultur GmbH an.

Der Kunsthistoriker und ehemalige Direktor des Museums der bildenden Künste Leipzig über eine veränderte Begrüßungskultur, wie er die analoge Leere im Museum digital füllen will und mit welchen Schäden er für seine Häuser rechnet.

VOLKSBLATT: Wie hat Ihr Dienstantritt im Schlossmuseum ausgesehen?

ALFRED WEIDNGER: Ich bin am Morgen auf leeren Straßen vom Attersee hierhergekommen. Jetzt sitze ich im leeren Linzer Schloss in meinem provisorisch eingerichteten Büro und fange an, die ganzen Arbeitsmaterialien zu aktivieren. Das Museum ist ja dafür geschaffen, um Menschen aufzunehmen, Geschichten zu vermitteln und das ist halt im Moment alles nicht möglich, zumindest nicht auf analogem Weg, das ist schon traurig. Ich sehe die aktuelle Situation aber auch als große Chance. Die sogenannte Krise hat uns als Gesellschaft bereits verändert, auch in kultureller Hinsicht. Man nehme nur die Begrüßungskultur: Vor drei Wochen haben wir uns noch alle die Hände geschüttelt — das ist vorbei. Meine Mitarbeiter und ich überlegen, ob das auch Dinge sind, die man im Museum thematisieren kann.

Welche Pläne haben Sie für die Zeit, in der die Einrichtungen geschlossen sind?

Der Kulturkanal (Anm., „stories“, Facebook/Instagram: @ooe.kultur), den wir mit 1. April gestartet haben, war schon vorher geplant. Dieses Haus richtet sich nach der Zukunft aus, auch mit entsprechenden Formaten. Wir produzieren im Museum so viel an Inhalten und Geschichten, davon wurde bisher vieles bedauerlicherweise nicht vermittelt. Via Streaming können wir jetzt zum Beispiel live archäologische Ausgrabungen zeigen, einen Einblick in die Restaurierungsabteilung oder eine Untersuchung auf dem Dachstein, während unsere Experten sich im Vordergrund darüber unterhalten. Das ist sehr einfach mit Computer, Kamera und Mikrofon machbar. Ziel ist es, in der Woche viermal zu streamen, Corona-unabhängig. Damit sind wir bei den Museen ganz vorne mit dabei. Mit einem Medienrucksack fahren wir raus aufs Land, um live zu berichten. Es geht auch darum, die Menschen wieder ans Museum zu gewöhnen. Die Leute sollen uns kennen und wissen, wenn sie irgendetwas wissen wollen, sollen sie uns fragen. Wir sind auch eine Serviceagentur.

Müssen Sie Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken oder freistellen?

In Kurzarbeit ist niemand, darüber entscheidet aber auch das Land OÖ. Was für den Betrieb notwendig ist, da kann es sein, dass wir etwas aussetzen. Sobald es die Situation wieder zulässt, werden wir aber korrigieren, wo wir jetzt handeln müssen. Es ist nicht geplant, Einsparungen vorzunehmen. Laufende Forschungsprojekte werden nicht unterbrochen.

Mit welchen finanziellen Schäden rechnen Sie für das Landesmuseum?

Ich rechne nicht wirklich mit finanziellen Schäden. Wir unterscheiden uns von den großen Bundesmuseen in Wien, weil bei denen die Eintrittserlöse ein ganz wesentlicher Faktor sind. Da bricht wirklich etwas weg. Ausfälle gibt es natürlich bei uns auch, aber es ist so, dass am Ende die Eintrittserlöse von drei, vier, fünf Moneten etwas sind, das man kompensieren kann. Der Eigendeckungsgrad ist bei uns sehr niedrig.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf den Ausstellungsbetrieb aus?

Im Wesentlichen betrifft es die VALIE EXPORT-Ausstellung, die schon aufgebaut und sehr gut gelungen ist. Wir werden sie, sobald das möglich ist, öffnen und sie in der ursprünglich vorgesehenen Länge zeigen. Es gab auch sonst Ideen und Konzepte, die waren erst im Entwicklungsstadium, das findet halt dann später statt.

Wie gehen Sie mit den Mehrkosten für das Museumsdepot um?

Ich selbst habe das nicht zu verantworten und kann dazu nicht viel sagen, bin aber — und das ist eigennützig — froh, dass wir ein Depot haben, das genau das ist, was wir brauchen.

Wie sieht es mit den Übersiedlungsplänen für die Administration aus?

Das sehe ich ganz relaxt. Es gibt Überlegungen, Bereiche aus logistischen und Kostengründen zusammenzuziehen, aber wir sind weit entfernt von irgendeiner Lösung.

Wie ist Ihre Meinung?