„Sind bereit für das erste, wichtige Spiel“

Sieben Spiele sieglos: Gastgeber Russland geht heute (17 Uhr) aber mit gewissen Zweifeln in den WM-Auftakt gegen Saudi-Arabien

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Im Moskauer Luschniki-Stadion steigt heute vor 80.000 Zuschauern der WM-Auftakt.Mit gewissen Zweifeln gehen die Russen — im Bild Coach Stani Tschertschessow (l.) und Mittelfeldspieler Alexander Samedow — in das heutige Eröffnungsmatch.
Im Moskauer Luschniki-Stadion steigt heute vor 80.000 Zuschauern der WM-Auftakt.Mit gewissen Zweifeln gehen die Russen — im Bild Coach Stani Tschertschessow (l.) und Mittelfeldspieler Alexander Samedow — in das heutige Eröffnungsmatch. © AFP/Nemenov AFP/Nemenov

Mit Vorfreude, aber auch mit Zweifel nimmt Russland die Fußball-WM im eigenen Land in Angriff. Vor dem Eröffnungsspiel am Donnerstag (17.00 Uhr MESZ/live ORF eins) gegen Saudi-Arabien sind die Hoffnungen der Fans auf einen Sieg der „Sbornaja“ groß. Doch selbst die kühnsten Optimisten müssen sich eingestehen, dass die Auswahl des Gastgeberlandes im Kampf um den Titel wohl keine Rolle spielen wird.

In den jüngsten sieben Testspielen gab es für Russland keinen Sieg, so auch am 30. Mai beim 0:1 in Innsbruck gegen das ÖFB-Team. Ob die Qualität des Teams reicht, um in Gruppe A mit den weiteren Gegnern Uruguay und Ägypten unter die Top 2 und damit ins Achtelfinale zu kommen, ist fraglich.

Tschertschessow: „Wir gewinnen“

Trainer Stanislaw Tschertschessow zeigte sich vor dem Auftritt in Moskaus Luschniki-Stadion dennoch zuversichtlich. „Wir werden sehr gut vorbereitet sein“, versprach der frühere Wacker-Innsbruck-Trainer und -Goalie und meinte außerdem: „Wir fürchten uns nicht, sondern sind bereit für dieses wichtige, erste Spiel.“

Negative Presse im Land als zusätzliche Motivation

Er habe den Gegner intensiv studiert. „Wir haben kein schlechtes Team in der Gruppe, das gilt auch für Ägypten und Uruguay.“ Er sei aber vom Sieg Russlands im Eröffnungsspiel überzeugt. „Wir gewinnen, weil wir wollen“, betonte Tschertschessow.

Mittelfeldspieler Alexander Samedow rief die russische Presse zu einer optimistischeren Sichtweise auf das Heim-Turnier auf. „Wir brauchen eine positive Atmosphäre und wissen natürlich, dass in erster Linie wir Spieler dafür sorgen müssen“, sagte der Akteur von Rekordmeister Spartak Moskau. Über einen emotionalen Appell seines Nationalmannschaftskollegen Artjom Dsjuba, der mit Nachdruck mehr Unterstützung für das Team gefordert hatte, sagte Samedow.

„Wollen beweisen, dass wir Fußball spielen können“

„Er hat die richtigen Worte gefunden und für uns alle gesprochen.“ Dsjuba hatte zuvor zu den Journalisten gemeint: „Schreibt nicht so verdammt negativ!“ Außerdem sagte der Offensivmann von St. Petersburg: „Wir sind keine Favoriten. Aber wir können einiges bewegen. Und wir wollen allen beweisen, dass wir Fußball spielen können.“

Duell der schlechtesten Teams dieser WM

Und das im Duell der laut Weltrangliste schlechtesten Teams dieser WM: Russland ist (wie jeder Gastgeber eines Großereignisses aufgrund fehlender Qualifikationsspiele) von Rang 23 im Jahr 2016 auf 70 zurückgefallen, Saudi-Arabien liegt auf Platz 67. Vielleicht ja der richtige Auftaktgegner.

Argentinier leitet das erste WM-Match

Geleitet wird das erste Match übrigens von Nestor Pitana, der 42-jährige Argentinier war schon bei der letzten WM in Brasilien im Einsatz.

Saudi-Arabien betrieb großen Aufwand

Fünf Trainingslager, drei ausländische Trainer (Juan Antonio Pizzi folgte auf Edgardo Bauza und Bert van Marwijk), ein Fortbildungsprogramm für Spieler in Spanien und dazu Oliver Kahn als Tormann-Berater: Wenn Saudi-Arabien das Eröffnungsspiel gegen WM-Gastgeber Russland bestreitet, soll sich der immense Aufwand der vergangenen Monate auszahlen. Kronprinz Mohammed bin Salman wird in der Ehrenloge jedenfalls ganz genau hinschauen, ob sein Geld gut angelegt worden ist. Der Außenseiter will nicht nur als Stimmungskiller für die Gastgeber auftreten, sondern erstmals seit 1994 wieder ins Achtelfinale. Mut macht vor allem die knappe 1:2-Niederlage in der Generalprobe gegen Deutschland.