So geht Macht auf britisch

Arte-Mediathek zeigt „House of Cards“-Original in drei Staffeln

Wer Intrigen sät, erntet Macht: Francis Urquhart (Ian Richardson)
Wer Intrigen sät, erntet Macht: Francis Urquhart (Ian Richardson) © BBC/Chris Capstick

Manchmal reizt es schon sehr. Manchmal möchte man wissen, welche Mechanismen die Welt zusammenhalten. Ob man dafür gleich seine Seele an Mephisto verkaufen würde …

Aber häufig kommt man auch nicht umhin, sich zu wünschen, man wüsste gar nichts von all den Machenschaften und Intrigen und persönlichen Eitelkeiten, die hinter Entscheidungen auf allerhöchster Ebene stehen. So geht es Ihnen vielleicht, wenn Sie sich „House of Cards“ anschauen — nicht die US-Version mit Kevin Spacey als Frank Underwood, sondern das britische Original, das ab 1990 entstanden ist und inhaltlich am Ende der Ära von Margaret Thatcher angesiedelt ist.

Der TV-Sender Arte zeigt in seiner Mediathek seit 5. März zu den beiden ersten auch die dritte Staffel der sehenswerten Serie.

Im Mittelpunkt steht der ur-britische Ian Richardson als Berufspolitiker Francis Urquhart. Zu Beginn von „House of Cards“ ist er Chief Whip der konservativen Partei, quasi der Fraktionschef, zuständig für die „hinteren Reihen“, wie er alle glauben lässt.

Britischer Humor und Charme

Doch den Zuschauer lässt er nicht im Ungewissen. Provokativ wendet er sich an seine stillen Beobachter und lässt tief in seine unsagbar dunkle Seele blicken, die nur ein Begehren hat: Macht! Und die weiß Francis Urquhart sich zu holen. Dass da der eine oder andere über die Klinge springen muss, Kollateralschäden in Kauf genommen werden und der Macht-Mann auch ein weibliches Pendant an seiner Seite haben sollte — das versteht sich von selbst bzw. wird dem bis dahin naiven Zuschauer schnell klar gemacht.

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Britischer Humor und ein bisschen Charme durchziehen diese Urversion von „House of Cards“, befremdlich erscheint 2021 hingegen schon das transportierte Frauenbild. So wird das Lehrstück über Politik, Medien und die Untiefen dieser Zirkel durchaus auch zum Beispiel dafür, wie Geschlechterkampf heute gar nicht mehr gehen kann. Oder sind die Frauen am Ende doch die schlimmsten?

Von Mariella Moshammer

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