So tickt der Doppelweltmeister Kriechmayr

Oberösterreichs Ski-Ass ist bodenständig, sympathisch, ehrlich und voll fokussiert

“Die Kühe im Stall haben deshalb auch nicht mehr Respekt!“ So, oder so ähnlich hat sich Vincent Kriechmayr schon oft geäußert und der Satz verrät viel über den 29-jährigen Oberösterreicher. Er gilt als bodenständig, ehrlich, sympathisch, hat eine „blöde Papp’n“ (Zitat Kriechmayr), packt im Sommer auch selbst immer wieder gerne am elterlichen Bauernhof in Gramastetten an und weiß, dass im Leben mehr zählt als Siege und Medaillen. Das haben ihm und seinen Geschwistern Jacoba (eine Free-Riderin) und Rafael die Eltern Gertrudis, eine aus Belgien stammende Kunstgeschichte-Lehrerin, sowie Vater Heinrich, einst auch Skilehrer in Obertauern, mitgegeben.

Er „zeichnet“ feine Schwünge in den Schnee

Gelernt hat „Vinc“, benannt nach dem weltberühmten Maler Vincent van Gogh, auf Skiern längst sehr viel, allseits wird er unter anderem für seine brillante Technik gelobt. Er zieht keine Pinselstriche auf einer Leinwand, sondern „zeichnet“ feine Schwünge in den Schnee. Zudem gilt er als extrem fokussiert. Was Werbe- oder Interviewtermine betrifft, beschränkt sich Kriechmayr nur auf das absolut Nötigste.

Viel lieber setzt er sich hohe, aber nicht ergebnisorientierte Ziele, wie er vor Saisonbeginn in einem VOLKSBLATT-Interview verdeutlicht hatte: „Mein Ziel ist wie immer, mich zu verbessern. In allen Belangen: Ich möchte meine Fitness stärken, meine Ski-Technik verbessern, mich mental weiter steigern. Wenn mir das gelingt, bin ich sicher zufrieden. Von ergebnisorientierten Zielen halte ich nichts“, so Kriechmayr damals. Das ist ihm heuer perfekt gelungen, seit 14. Februar darf er sich Doppel-Weltmeister in Abfahrt und Super-G nennen. Obwohl er vor Saisonbeginn mit einem Materialwechsel von Fischer zu Head auch Risiko eingegangen ist. Als „raus aus der Komfortzone“ und „einen neuen Input“ hatte das Mitglied der Energie-AG-Sportfamilie das damals bezeichnet. Der Erfolg gibt ihm recht.

Als Doppelweltmeister in bester Gesellschaft

Denn als Doppelweltmeister zählt er bereits zu den ganz Großen des Sports. Das Speed-Double haben vor ihm bei einer WM nur Hermann Maier (1999) und Bode Miller (2005) geschafft. Athleten, die zwei oder mehr WM-Goldmedaillen gewinnen konnten, gibt es auch nur 38, wovon nunmehr 13 aus Österreich stammen. Kriechmayr befindet sich damit in bester Gesellschaft von einstigen Assen wie Marcel Hirscher (7 Titel), Toni Sailer (6), Toni Seelos (4), Benni Raich, Hermann Maier, Stephan Eberharter, Karl Schranz sowie dem Oberösterreicher Rudi Nierlich (alle 3) oder Franz Klammer und Egon Zimmermann (beide 2).

Von Roland Korntner

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