So viel Genuss kann auch ein Livestream-Konzert bieten

Schloss Riedegg: Barockes Weihnachtskonzert mit dem Ensemble Castor

Mitglieder des Ensemble Castor schenkten den Zuhöreren beim Live-Streamingkonzert musikalische weihnachtliche Genüsse.
Mitglieder des Ensemble Castor schenkten den Zuhöreren beim Live-Streamingkonzert musikalische weihnachtliche Genüsse. © Reinhard Winkler

Zu einem echten Weihnachtsgeschenk wurde das Barockkonzert mit Mitgliedern des Ensemble Castor am Freitag in einer Live-Übertragung aus dem Schloss Riedegg, gesponsert vom Rotary Club Gallneukirchen-Gusental, veranstaltet für einen guten Zweck.

Mit bewundernswerter Hingabe dargeboten

Das für Streicherkammermusik des 17. und 18. Jahrhundert bekannte Ensemble beschränkte sich diesmal wegen der Pandemie auf die Kleinbesetzung von vier Interpreten, die aber mit unvermindertem Engagement und bewundernswerter Hingabe das Programm auch solistisch oder mit Basso continuo, der Basis barocker Kammermusik, bestritten. Prinzipalin Petra Samhaber-Eckhardt wusste mit viel Gespür und Literaturkenntnis die passenden Stücke aus dem schier unüberschaubaren Schatz des Barock herauszusuchen und dabei auch die weihnachtliche Zeit sowie die Barocksonate in ihrer Herkunft und Farbenpracht in den Mittelpunkt zu stellen.

So begann die Vortragsfolge mit dem deutschen Meister dieses Genres Georg Philipp Telemann, diesmal mit seiner Kantate „Vor des Lichtes Tages Schein“ für Mezzosopran, Violine und Basso continuo, um deren Soli sich Cornelia Traxler mit idealer Linienführung für Alte Musik, bedacht auf die Artikulation des Textes als gestalterische Komponente, angenommen hatte.

Aus Österreich war der Meister der Barocksonate Heinrich Ignaz Franz Biber mit „Pastorella“ zu hören, in der die Ensembleleiterin auf der Geige brillierte. Und schließlich durfte der Meister dieser Barockform, Antonio Vivaldi, nicht fehlen, der Erfinder des Solokonzerts, dem Philipp Comploi mit seinem vibratoreichen Cellospiel in der Sonate B-Dur RV 46 alle Ehre erwies.

Was der virtuose Cembalist Erich Traxler als wahre Klangwunder aus seinem Instrument hervorzauberte, war wieder einmal in Domenica Scarlattis Solo Sonata „Pastorale“ C-Dur K513 beglückend zu erleben.

Vokales als stimmige Auflockerung

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An vokalen, die instrumentalen Stücke erfreulich auflockernden Beiträgen waren Claudio Monteverdis „Exulta, filia Siori“ für Solo sehr zu begrüßen, virtuos präsentiert von Frau Traxler, die zum Abschluss auch die berühmte Altarie aus J. S. Bachs „Weihnachtsoratorium“ mit ihrer volkstümlich-frommen Melodik so wirksam servierte, als würde der Orchesterpart des Werkes nicht fehlen.

Bachs jüngster Sohn Johann Christian führte mit seiner Sonate op. 16/4 für Violine und Cembalo in die klassische Richtung und zauberte im ornamentalen Klangrausch Traxlers bei der Haydn Sonatina Pastorale für Cembalo Solo ein wenig Mozart-Geist in das publikumslose Wohnzimmer, das zur Inspiration der Künstler nur ein zeitnahes Gemälde über die Geburt Christi schmückte.

Am Ende der Übertragung verschwand das Computerbild zurecht nicht gleich, konnte man sich doch bei den Castors an dem praxisorientierten historischen Klanggeflecht der alten Instrumente kaum satthören. Das Ensemble steht vor seinem Dezennium 2021 und hat für die Zukunft Einladungen nach internationalen Festivals bereits in der Tasche.

Ein Zusammenschnitt des Livestreams wird nach Weihnachten auf der Homepage www.ensemblecastor.com abrufbar sein.

Von Georgina Szeless

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