Social Media, ein Dino-Zahn und Yoko Ono

Alfred Weidinger, ab 1. April 2020 Direktor des OÖ. Landesmuseums, über seine Pläne

Der künftige Direktor des OÖ. Landesmuseums im Gespräch mit Kulturressortleiterin Melanie Wagenhofer
Der künftige Direktor des OÖ. Landesmuseums im Gespräch mit Kulturressortleiterin Melanie Wagenhofer © Röbl

VOLKSBLATT: Haben Sie sich in Linz schon häuslich eingerichtet?

ALFRED WEIDINGER: Ich bin ja vom Attersee, dort habe ich eine Basis, wo ich am Wochenende immer wieder sein kann. In Linz bin ich so alle sechs Wochen einen oder eineinhalb Tage, ich verbrauche hier meinen Urlaub.

Welche konkreten Ausstellungspläne für das Landesmuseum gibt es bereits?

Es gibt mehrere Ideen, aber noch keine konkreten. Eine vielleicht, da geht es um eine Ausstellung mit den Blasmusikinstrumenten aus Kremsegg. Das hängt auch mit der notwendigen Übersiedlung dieser Sammlung nach Linz zusammen. Das Thema Grenze ist mir immer wichtig, wir sollen ja auch gesellschaftlich relevant bleiben und sein. Das kann man sehr vielfältig betrachten, das ist der Vorteil des Museums, weil es sehr breit aufgestellt ist. Mit 22 Sammlungsleitern kann man natürlich aus dem Vollen schöpfen. Auch Wasser ist ein Thema, das mich beschäftigt. Das Naturwissenschaftliche ist mir wichtig, weil es immer mehr in die Kunst hineinspielt. Was Kunst anbelangt, gibt es nur vage Ideen.

Gab es in Zusammenhang mit dem Thema Naturwissenschaften schon Gespräche mit der Kepler-Uni?

Ich habe Rektor Lukas bereits zweimal getroffen. Es könnte so eine Art Labor für Biomechanik geben, indem die naturwissenschaftlichen Sammlungen des Museums und auch die wissenschaftliche Kompetenz eine Rolle spielen.

Die aktuelle Schau im Schloss mit Leihgaben aus der Albertina ist etwas Besonderes. Haben Sie schon Kontakte spielen lassen, um öfters Bestände aus Bundesmuseen nach Linz zu bekommen?

Solche Kooperationen sind halt immer mit sehr viel Geld verbunden, das kann man alle paar Jahre einmal machen. Die Idee der Bundesmuseen, hinauszugehen in die Bundesländer, finde ich großartig. Auch als Landesmuseum bzw. künftig als Landes Kultur GmbH werden wir mit unseren Sammlungen einfach rausgehen aufs Land. Das wird auch eine der Säulen unserer Vermittlungsarbeit. Natürlich spielen da bestehende Standorte eine Rolle, aber es soll auch temporäre geben. Wir wollen präsent sein und mit den Oberösterreichern interagieren.

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen oö. Künstlern vor?

In Leipzig besuche ich jede Woche zwei bis drei Künstler im Atelier. Ich möchte versuchen, das auch hier weiter zu pflegen.

Wie holen Sie junge Leute ins Museum?

Social Media ist da ganz entscheidend. In Leipzig hatten wir die sehr erfolgreiche Ausstellung „Virtual Normality“. Was junge Leute am Bildschirm sehen, kann auch wieder analog werden. Unsere Gesellschaft entwickelt sich heute so schnell weiter, der größte Innovationsschub kommt von den jungen Generationen. Das Museum ist da unheimlich zeitgemäß, wir spielen eine kulturell entscheidende Rolle, weil wir die Menschen stärken und unterstützen können. Der ganze Auftritt des Landesmuseums wird in Richtung Social Media noch intensiver werden.

Sie haben gesagt, dass Sie sich vorstellen können, für bestimmte Häuser oder Schauen freien Eintritt einzuführen …

Ich möchte auf alle Fälle schauen, dass es Möglichkeiten gibt, dass auch Oberösterreicher, die vielleicht ein Problem damit haben, den Eintritt auszulegen, die Chance haben, einmal kostenlos ins Museum zu kommen.

Mit der Übernahme durch Sie wird das Landesmuseum gleichzeitig mit dem Kulturquartier in einer Gesellschaft zusammengeführt und ausgegliedert. Welche Synergien können sich daraus ergeben?

Da gibt es dann eine Verwaltungsabteilung, das ist auf jeden Fall ein Vorteil. Ich komme mit Martin Sturm (Anm., Direktor des Kulturquartiers) sehr, sehr gut aus. Was er macht ist in weiten Teilen Europas einzigartig und ich würde mir wünschen, dass wir das erhalten, nämlich den Zugang zu Kunst nicht immer nur über die Wissenschaft zu spielen, sondern auch über die Sinne. Das finde ich einen wahnsinnig schönen und unglaublich zeitgemäßen Ansatz.

Das Jahresbudget für das Landesmuseum beträgt derzeit 5,3 Millionen Euro. Kann man damit die großen Schauen nach Linz holen?

Das ist möglich. Das Budget wurde ja jetzt angehoben für die GmbH, es gibt etwas mehr Ausstellungsbudget. Es ist auch eine meiner Aufgaben, dass ich Geldgeber finde, Drittmittel. Bei Sonderprojekten wie dem Salzkammergut 2024 muss man sich bald zusammensetzen und überlegen, etwas zu machen. Da und auch bei Landesausstellungen wollen wir mitmischen, solange es noch Landesausstellungen gibt — das ist ja auch ein Modell, das in die Jahre gekommen ist. Es wird anlassbezogene Sonderausstellungen geben, da können wir als GmbH eine große Rolle spielen, weil wir vieles leichter abwickeln können als eine Landesinstitution, als ein Amt. Da sehe ich uns auch als Serviceinstitut, damit könnte man auch an Gelder herankommen.

Werden auch die kaufmännischen Agenden künftig bei Ihnen liegen?

Der derzeitige kaufmännische Direktor Walter Putschögl geht in Pension. Im Moment wird das dann in einer Person zusammengeführt. Dass muss aber nicht in aller Zukunft so sein. Es ist wichtig, dass ich gut eingebunden bin bei der Findung eines kaufmännischen Partners, weil ich aus Erfahrung weiß, dass so eine Doppelspitze gut miteinander können muss.

Sind strukturelle Veränderungen geplant?

Das gesamte Francisco-Carolinum wird wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Derzeit sind ja knapp zwei Drittel, rund 1500 Quadratmeter, Verwaltungs- und Büroräume. Die werden abgesiedelt. Im Bereich des Kulturquartiers gäbe es da Möglichkeiten. Die Grafische Sammlung, die derzeit im Dachgeschoss der Landesgalerie nicht ideal untergebracht ist, und die Fotosammlung werden ins Schloss übersiedelt, wo wir im Neubau einen Hochsicherheitsraum mit idealen klimatischen Bedingungen dafür haben. Die Grafik wird in Linz eine stärkere Rolle spielen als bisher. Beim Biologiezentrum steht eine Generalsanierung bevor oder man findet einen anderen Standort.

Was ist aus der Geschichte mit dem kürzlich in Ebensee gefundenen Millionen Jahre alten Dino-Zahn geworden, den das Naturhistorische Museum für sich beanspruchte, den Sie aber gerne in OÖ hätten?

Der Zahn ist der Nachweis dafür, dass dieses Tier in Oberösterreich existiert hat, und es ist wichtig, das zu wissen. Den Haifisch in der Dauerausstellung im Schloss könnte man durch die Rekonstruktion dieses Tieres ergänzen, eine 3D-Virtual-Reality-Animation könnte zeigen, wie sich das Tier bewegt hat.

Wo möchten Sie in fünf Jahren mit dem Landesmuseum stehen?

Ich möchte haben, dass es wieder ein Haus für alle Generationen wird und jeder Oberösterreicher im Land weiß, was wir vermitteln wollen und das Gefühl hat, die sind für uns da und wir für die.

Könnte Yoko Ono auch einmal auftauchen?

Man darf nie nie sagen, ich bin mit ihr nach wie vor in sehr gutem Kontakt.

Mit ALFRED WEIDINGER sprach Melanie Wagenhofer

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