Sommer ohne Feste – Corona-Krise trifft deutsche Bierbranche hart

Die Stühle sind hochgeklappt, die Zapfhähne zugedreht. Biergarten ist nicht – obwohl das Wetter gerade perfekt passen würde. Volksfeste, Festivals, Musikevents – alles bis Ende August abgesagt.

Selbst private Grillfeste sind vorerst nicht erlaubt. Die Coronakrise trifft die deutschen Bierbrauer hart. Seit langem geht der Bierkonsum zurück – jetzt fehlen auch noch die Anlässe zum Trinken.

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Nicht einmal eine neue Bierkönigin wird es dieses Jahr in Bayern geben. Der Bayerische Brauerbund hat die Wahl, die sonst im Mai mit einer großen Gala gefeiert wird, wegen der Pandemie abgesagt.

Auch die Party am „Tag des Deutschen Bieres“ fällt aus: Der Ausschank von Freibier am Bierbrunnen in München, mit dem bayerische Brauer alljährlich am 23. April den Erlass des Reinheitsgebotes durch die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. im Jahr feiern, ist abgesagt. Hunderte Besucher wurden erwartet. Nicht machbar in Coronazeiten.

„Dramatisch“ sei die Lage, sagt Hans-Peter Drexler, Braumeister und Geschäftsführer Technik bei Schneider Weisse in Kelheim. Der Absatz sei um etwa 40 Prozent eingebrochen. „Was uns momentan massiv trifft ist, dass die Gastronomie zu ist – und es keinerlei Perspektive gibt, wie lange das noch geht.“ Das gesamte Fassbiergeschäft sei weggebrochen. „Es ist gleich null.“

Bei Hofbräu München heißt es: „Wir füllen im Moment gar nicht mehr ab.“ Nicht nur die Gastronomie, die beim Staatlichen Hofbräuhaus laut Sprecher Stefan Hempl etwa 60 Prozent des Absatzes ausmacht, ist weg, sondern großenteils auch der Export. „Italien und die USA sind unsere größten Exportländer.“ Und das Hofbräuhaus als „internationales Aushängeschild“ ist dicht. Um Pächter der Gastronomie zu entlasten, habe die Brauerei umgestellt auf Umsatzpacht – wo kein Umsatz, da keine Pacht. Zahlungen würden gestundet wo immer möglich, sagt Hempl.

Der Deutsche Brauer-Bund berichtete bereits im März von deutlichen Folgen der Krise. „Schon heute steht fest, dass die Coronapandemie massive Auswirkungen auf die 1.500 Brauereien in Deutschland haben wird“, sagte Hauptgeschäftsführer Holger Eichele damals.

Dabei litt die Branche schon vor der Coronakrise. Im vergangenen Jahr verkauften die Brauereien in Deutschland so wenig Bier wie seit Jahren nicht. Mit einem Absatz von 9,22 Milliarden Litern wurde nach Zahlen des Statistischen Bundesamts der bisherige Minusrekord von 9,35 Milliarden Litern im Jahr 2017 unterboten. Gesunder Lebensstil, strengere Promillewerte im Straßenverkehr und eine schrumpfende Gruppe trink- und feierfreudiger 20- bis 40-Jähriger tragen dazu bei. Dafür legen in der Steuerstatistik nicht erfasste alkoholfreie Biere zu. Ende Jänner zeigte sich der Brauer-Bund noch optimistisch, das Jahr damit und mit neuen Marken zu bestehen. Nun sieht es düster aus.

„Der Tag des Deutschen Bieres ist dieses Jahr eher ein Tag zum Wehklagen als zum Tag zum Feiern“, sagt Erich Dederichs, Sprecher des weltgrößten Hopfenhändlers BarthHaas. Die Auswirkungen der Krise auf den Hopfenhandel seien noch schwer abschätzbar. „Es gibt langfristige Verträge mit Hopfenpflanzern und Brauern – und soweit es möglich ist, werden Verträge erfüllt. Wenn es Abweichungen gibt, macht man das, was ordentliche Kaufleute tun: Man redet miteinander.“

Wie es hier bei niedrigem Bierkonsum weitergeht, ist offen. Prognosen gehen weltweit von einem Einbruch um 20 Prozent aus.

Offen ist auch, wie die Hopfenernte 2020 wird. Das hängt nicht wie sonst vordringlich vom Wetter ab. In etwa einer Woche werden allein in der Hallertau als weltgrößtem zusammenhängenden Anbaugebiet rund 10.000 Helfer benötigt, deutschlandweit sind es laut Verband der Deutschen Hopfenpflanzer 15.000. Dann beginnt das „Anleiten“ der Triebe, die nach oben wachsen sollen; sie müssen vom Boden weg an Drähte gebracht werden. Wird das nicht sachgerecht gemacht, drohen Pilzinfektionen.

„Das ist alles diffizile Handarbeit. Da muss man genau arbeiten“, sagt Geschäftsführer Otmar Weingarten. Geübte Helfer aus Polen fehlen, nun sollen auch Einheimische anpacken. Der Verband habe zudem Flugzeuge gechartert, um Kräfte aus Rumänien zu holen. Unklar sei, wo noch Helfer fehlten – die Zeit drängt. „Es ist sehr unübersichtlich.“

Die Frage nach Umwelt und Klima, nach trockenheitsresistenteren Hopfensorten, die weniger Pflanzenschutzmittel und Dünger brauchen, steht da nicht vorne. Das Hopfenforschungszentrum in Hüll hat neue Sorten entwickelt, mit romantischen Namen wie Mandarina Bavaria, Hallertau Blanc und Huell Melon. Sie interessierten vor allem für Craftbiere, sagt Elisabeth Seigner, Leiterin der Hopfenzüchtung. Bei Pils, Hellem und Weißbier bleiben die Brauer eher bei traditionellen Sorten, die auf dem größten Teil der Fläche angebaut werden. Scheu vor Umstellung, nicht der Geschmack der Kunden: Die Erklärungen dafür gehen auseinander. Seigner meint: “Die Brauer müssen sich auf das einstellen, was die Biertrinker erwarten. Und die sind konservativ.

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