Song Contest: ORF würde nur bei Kostenübernahme einspringen

In Israel tobt derzeit ein Konflikt zwischen der Regierung und dem Fernsehsender Kan über die Kosten für den Eurovision Song Contests 2019. So hat Kan der Regierung ein am Dienstag endendes Ultimatum gestellt. Sollte Israel im Fall der Fälle auf die Ausrichtung des 64. ESC verzichten, müsste also ein anderes Land einspringen – es wird auch immer wieder Österreich genannt.

Der Finanzstreit um die Austragung des ESC 2019 ist nach Angaben des zuständigen Fernsehsenders Kan vorerst beendet. Kan werde fristgerecht umgerechnet rund zwölf Millionen Euro als Sicherheit bei der EBU hinterlegen, teilte eine Sendersprecherin am Dienstag mit, an dem die Frist enden sollte. Kan nehme das Geld für die Sicherheit aus dem Budget für das Jahr 2019. Der Sender erwarte, dass die Regierung die Verantwortung für die grundlegende Finanzierung der Veranstaltung übernehme, teilte die Sprecherin mit. Das Finanzministerium äußerte sich zunächst nicht dazu.

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Die Europäische Rundfunkunion hatte die Frist am Montag bestätigt. „Jedes Jahr müssen finanzielle Garantien gegenüber der EBU gegeben werden, bevor Pläne erstellt werden und die Austragungsstadt (…) bekannt gegeben wird“, hieß es in einer Mitteilung. Die EBU bestätigte den Eingang der Sicherheit am Dienstag zunächst nicht. Der Veranstaltungsort soll bis September feststehen. Die Hafenstädte Tel Aviv, Eilat und Haifa sind neben Jerusalem dafür im Rennen. Die israelische Sängerin Netta hatte im Mai mit ihrem Song „Toy“ den Eurovision Song Contest in Portugal gewonnen. Dadurch findet der Wettbewerb im Mai 2019 regulär in Israel statt.

Beim ORF zeigt man sich auf APA-Anfrage allerdings zurückhaltend. „Es gibt keine Gespräche dazu“, stellt man am Küniglberg klar. Sollte sich die Frage irgendwann tatsächlich stellen, wäre für den Sender allenfalls eine Kosten-Übernahmegarantie durch Israel oder die Europäische Rundfunkunion (EBU) Voraussetzung für Gespräche – was man selbst für eher unwahrscheinlich hält.

Indes beschied ESC-Fachmann Irving Wolther im Gespräch mit der dpa, dass im Fall des Scheiterns einer ESC-Austragung in Israel nur wenige Länder als Alternative infrage kämen – darunter Deutschland, Schweden oder eben Österreich dank der rezenten Erfahrungen in der Abhaltung des Megaevents. „Jedenfalls ginge der ESC nicht nach Zypern“, ist sich der Kulturwissenschafter, der über den ESC promoviert hat, sicher.

Wer auch immer zum Handkuss kommt, viel Zeit bleibt dem Organisator nicht, muss doch der Musikwettbewerb im Mai 2019 über die Bühne gehen. Die israelische Sängerin Netta hatte heuer in Portugals Hauptstadt Lissabon mit „Toy“ gewonnen und ihr Land damit zum Ausrichterkandidaten Nummer 1 gemacht. Dass ein Gewinnerland aus Kostengründen auf die Abhaltung des ESC verzichtet, wäre in der Geschichte des Bewerbs kein Novum. So verzichtete beispielsweise Monaco nach seinem Sieg auf den ESC 1972 und Großbritannien sprang ein.