Manfred Maurer

Meinung

von Manfred Maurer

Späte Einsicht

Es war der Versuch, den gestern einander im TV duellierenden May-Nachfolgekandidaten Johnson und Hunt die Show zu stehlen. So erklärt sich der Zeitpunkt der überraschenden Ansage von Labour-Chef Corbyn, nun nicht nur für ein zweites Brexit-Referendum, sondern auch für einen EU-Verbleib Großbritanniens zu sein.

Ob damit die Karten im Brexit-Poker neu gemischt werden, wird davon abhängen, wie ernst gemeint Corbyns späte Einsicht wirklich ist. Ein Interview-Sager macht noch keinen Sommer des Abschieds vom Brexit. Gerade der Labour-Chef hat sich in der Vergangenheit nicht gerade als glühender Europäer zu erkennen gegeben und zudem in dieser Frage zu lange parteitaktisch laviert, als dass er nun plötzlich glaubwürdig wirken könnte.Da Corbyn auch noch seinen eigenen Brexit-Plan anpreist, bleibt der Verdacht eines Doppelspiels.

Vor dem Hintergrund einer nur noch über die Modalitäten des Austritts, nicht über dessen prinzipielle Sinnhaftigkeit streitenden Regierungspartei böte sich Labour aber tatsächlich eine Chance als Sammelbecken des Anti-Brexit-Lagers.

„Ein Interview-Sager macht noch keinen Sommer des Abschieds vom Brexit.“

Von einer satten Mehrheit pro EU kann zwar noch immer keine Rede sein. Aber als kleinster gemeinsamer Nenner der Nation sollte es möglich sein, das Volk über das, was die Regierung aus dem ersten Referendum gemacht hat, abstimmen zu lassen.

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