„Spannende Zeiten in Top-Unternehmen“

gespag-Vorstandsmitglied Harald Schöffl über das Heben von Synergien mit der Linzer Uni-Klinik: „Ziel ist es nicht, Personal abzubauen“

Bis zu seinem Einstieg in den gespag-Vorstand Anfang April war Schöffl Oberarzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie am Kepler Uni-Klinikum.
Bis zu seinem Einstieg in den gespag-Vorstand Anfang April war Schöffl Oberarzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie am Kepler Uni-Klinikum. © Volksblatt

Mit gespag-Vorstandsmitglied Harald Schöffl sprach Chefredakteur C. Haubner

Harald Schöffl (52) ist seit 150 Tagen im Vorstand des landeseigenen Spitalsbetreibers gespag. Im Interview spricht er über den Einstieg in seine neue Tätigkeit und über die größten Herausforderungen der Zukunft.

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VOLKSBLATT: Sie sind seit Anfang April im gespag-Vorstand. Wie sieht Ihr erstes Resümee aus?

SCHÖFFL: Spannende Zeiten in einem Top-Unternehmen, lautet meine Zusammenfassung. Ich bin am 14. Dezember bestellt worden und habe mich ab 15. Dezember intensiv und unter Mitwirkung meines Vorstandskollegen Karl Lehner vorbereitet. Ich wusste daher beim Start im April schon sehr genau Bescheid über das Unternehmen. So gesehen war der Einstieg erfolgreich, angenehm und von allen mitgetragen.

Was ist so top an dem Unternehmen und was ist so spannend?

Es ist hervorragend aufgestellt und strukturiert. Und spannende Zeiten deshalb, weil wir nach Synergien suchen. Das ist eines der großen Themen.

Ein Mammutprojekt ist die Schaffung einer Holding, in der man gespag und Uni-Klinik bündeln möchte. Worin liegen die Vorteile?

Ich denke, wenn ein Eigentümer wie das Land Oberösterreich zwei große Unternehmen wie die gespag zu 100 Prozent und die Kepler Universitätsklinik zu 75 Prozent hat, dann liegt es wie für jeden Eigentümer auf der Hand zu schauen, wo wir einander gegenseitig helfen und effizienter, schneller und kostengünstiger agieren können. Wobei Geld einzusparen nicht das vorrangige Ziel ist, die Synergien liegen ja auf vielen Ebenen, auch etwa fachlich, wissenschaftlich und im Ausbildungsbereich.

Wie weit ist das Projekt gediehen?

Wir sind auf einem sehr guten Weg. Die Führungsebenen der beiden Unternehmen arbeiten intensiv zusammen. Da werden peu à peu alle Bereiche detailliert durchleuchtet. Immerhin sind wir da bei rund 14.000 Mitarbeitern. Und wir schauen, wo der eine vom anderen lernen kann. Dieser Prozess wird bis in den Herbst hinein ziemlich abgeschlossen sein.

Wird das Heben von Synergien zu Änderungen im Personalstand führen?

Nein, unser Ziel ist es nicht, Personal abzubauen. Denn es werden die Herausforderungen nicht geringer und wir sind froh, dass wir kaum offene Stellen im Ärzte- und Pflegebereich haben und auch alle benötigten Hebammen haben. Und wir haben eine Wertschöpfungskette, die bei der Ausbildung beginnt und bis in die Universitätsklinik reicht. Damit sind wir einer der spannendsten Spitalsträger, weil wir so eine breite Aufstellung haben: von der Universitätsklinik über Schwerpunkt- und regionale Spitäler, Beteiligungen an Reha-Zentren bis hin zu Pflege- und Betreuungszentren. Dieser hohe Diversifizierungsgrad macht uns auch stark.

Wo genau kann man denn Synergien heben?

Ein großer Synergiebereich ist etwa die Beschaffung, der Einkauf von Medikamenten und medizinischem Verbrauchsmaterial. Da werden wir natürlich eine Marktmacht und große Rabattmargen generieren können. Oder die Services nach innen wie eine Rechtsabteilung. Da wollen wir auch kein Personal einsparen, sondern durch die Bündelung von Kräften künftig noch mehr Spezialisten im Unternehmen haben.

Auf der einen Seite Magistrat Linz, auf der anderen Seite Land Oberösterreich: Kann man die unterschiedlichen Dienstverträge zusammenführen?

In bestehende Dienstrechte werden wir nicht eingreifen. Aber alle neuen Mitarbeiter werden in ein neues, einheitliches Dienstrecht kommen.

Wird sich die Kooperation mit den Ordensspitälern auch ändern?

Nein, die gespag als zentraler Landes-Gesundheitsdienstleister wird gut beraten sein, wenn sie über breite Allianzen und Partnerschaften verfügt, weil man auch dadurch sicherstellen kann, dass es zu einer optimalen Versorgung im Bundesland kommt.

Wie sehen Sie den Vorschlag, wonach es Ärztezentren oder Gemeinschaftspraxen in Räumlichkeiten der gespag-Spitäler geben sollte?

Ich sehe das sehr positiv. Wir müssen auch neu und größer denken und uns erlauben, bestimmte Barrieren abzubauen. Bis vor kurzem hat es sehr starre Grenzen zwischen Spital und niedergelassenem Bereich gegeben. Da brauchen wir innovative und verschränkte Modelle. Die Bedürfnisse unserer jungen Ärztinnen und Ärzte haben sich auch geändert. Vor 30 Jahren war es bei den Ärzten gang und gäbe, dass man 100 Stunden pro Woche arbeitet. Heute wollen Kolleginnen und Kollegen in einer Praxis arbeiten, sich aber nicht um Verwaltungsdetails kümmern. Die sagen: Stellt mir die Infrastruktur zur Verfügung und ich bespiele sie.

Wie beurteilen Sie die medizinische Versorgung in Oberösterreich?

Oberösterreich ist ein hervorragend versorgtes Bundesland. Natürlich gibt es immer wieder etwas zu beklagen. Aber man braucht nicht weit zu fahren: Wenn man sich im Urlaub verletzt oder krank wird, sieht man im Vergleich, dass wir bei uns schon sehr gut aufgestellt sind. Aber keine falsche Zufriedenheit: Jedes System muss sich selbstkritisch weiterentwickeln.

Sie sind Unfallchirurg, Manager und — zu Hause in St. Johann am Wimberg — auch Landwirt. Wie ergänzen sich diese unterschiedlichen Tätigkeiten?

Sehr gut. Montag bis Freitag bin ich Manager, Samstag und Sonntag Land- und Forstwirt. Das ist für mich ein toller Ausgleich, aber ich bin natürlich im landwirtschaftlichen Betrieb nicht mehr versorgungswirksam (lacht). Aber wir haben sehr wohl Rinder, Pferde und Schafe.