„Spaziergang“ für den Djoker

Bei den Tennisdamen ist der Generationswechsel dank Naomi Osaka eingeleitet

Novak Djokovic (links) bot im Endspiel der Australian Open Tennis zum Niederknien. Während der 31-jährige Serbe gegen Rafael Nadal bereits seinen siebten Melbourne-Triumph fixierte, war die 21-jährige Naomi Osaka (JPN, rechts) erstmals erfolgreich. Die Weltranglisten führen beide an.
Novak Djokovic bot im Endspiel der Australian Open Tennis zum Niederknien. Während der 31-jährige Serbe gegen Rafael Nadal bereits seinen siebten Melbourne-Triumph fixierte, war die 21-jährige Naomi Osaka (JPN, rechts) erstmals erfolgreich. Die Weltranglisten führen beide an. © AFP/Khan

Die Erwartungen vor dem „Traum-Finale“ der Herren bei den Australian Open waren hoch gewesen. Doch ein in fast schon überirdischer Form befindlicher Novak Djokovic ließ Rafael Nadal im „Giganten-Duell“ in Melbourne nicht den Funken einer Chance. Djokovic siegte nach nur 2:04 Stunden mit 6:3, 6:2, 6:3.

Mit dem siebenten Titel in Melbourne ist Djokovic nun alleiniger Rekordhalter beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Zudem hat er in der Allzeit-Bestenliste mit nun 15 Major-Titeln Pete Sampras (USA) hinter sich gelassen. Djokovic fehlt nach den Siegen in Wimbledon, bei den US Open und in Australien „nur“ noch der Titel bei den French Open, um einen „unechten“ Grand Slam (nicht innerhalb eines Kalenderjahres) zu feiern.

Alle abgehängt

Da wird allerdings unter anderem der elffache Roland-Garros-Champion Nadal etwas dagegen haben. Seine Nummer-1-Position hat Djokovic nun jedenfalls einzementiert. Nicht weniger als 2635 Zähler wird Djokovic vor Nadal liegen, alle anderen sind weit abgehängt.

Der Serbe streute nach seinem „Spaziergang“ seinem Endspielgegner Rosen. „Kompliment an deine zwei Wochen. Du bist von einer Verletzung zurückgekommen. Du zeigst uns allen, was die Definition von Kampfgeist ist“, meinte Djokovic sportlich in Richtung des Spaniers und kämpfte daraufhin mit den Tränen. „Hier jetzt zu stehen, diesen Titel zu gewinnen und drei von vier Slams zu gewinnen, ist unglaublich. Ich hoffe, meine Familie zu Hause hat zugeschaut. Trophäen sind noch spezieller, wenn man sie mit den Liebsten teilen kann“, war Djokovic gerührt.

Ein an diesem Tag gegen Djokovic ratloser beziehungsweise machtloser Nadal war danach keinesfalls sprachlos: „Große Gratulationen an dich, Novak: Das war ein unglaubliches Tennis-Level, das du gezeigt hast.“ Für ihn selbst waren es zwei sehr emotionale Wochen „Ich ich bin glücklich, nach der Verletzung zurückgekommen zu sein.“

Zukunft hat begonnen

Naomi Osaka ist das Gesicht, das die Zukunft des Tennis prägen wird. Das hat die 21-jährige Japanerin in einem hochklassigen Zweiein- halb-Stunden-Endspiel bei den Australian Open gegen die sieben Jahre ältere Petra Kvitova bewiesen. Osaka ist nach dem 7:6 (2), 5:7, 6:4 die neue Nummer 1 der Welt, als erste Asiatin überhaupt.

Kvitovas großartiges Comeback nach einer schweren Messer-Verletzung durch einen Einbrecher im Dezember 2016 wurde nicht mit einem Sieg gekrönt. Dennoch wird die 28-jährige Tschechin und Linz-Gewinnerin 2011 im WTA-Ranking auf Platz zwei klettern.

„Öffentlich reden ist nicht meine starke Seite“, meinte die schüchterne Osaka nach ihrem Sieg zum Publikum. „Ich gratuliere dir, Petra, du hast so viel durchgemacht“, meinte die Japanerin. Dann wusste sie schon fast nicht mehr, was sie sagen soll. „Ich habe mir vorher Notizen gemacht und habe es trotzdem vergessen“, entschuldigte sie sich mit ihrer sympathischen jugendlichen Naivität und fügte demütig hinzu: „Ich fühle mich geehrt, dieses Finale gespielt zu haben“.

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