Gesundheitsminister Anschober zurückgetreten

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Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat heute in einer persönlichen Erklärung sichtlich bewegt seinen Rücktritt bekannt gegeben. Damit hat Anschober das bestätigt, worüber zuvor bereits spekuliert worden war.

Der 60-Jährige war zuletzt zweimal innerhalb weniger Wochen krankheitsbedingt ausgefallen. Einmal hatte er sich nach einer Kreislaufschwäche zur Untersuchung in ein Spital begeben. Zuletzt hatte es aus dem Ministerbüro auf Anfragen stets geheißen, Anschober werde im Laufe der Woche wieder auf seinen Posten zurückkehren und die Arbeit aufnehmen.

15 Monate sind wie 15 Jahre vorgekommen

Anschober war seit 7. Jänner 2020 Gesundheitsminister in der Regierung aus ÖVP und Grünen. Er war eines jener Regierungsmitglieder, die in der Corona-Pandemie besonders im Fokus gestanden sind. Gefühlt seien es weniger 15 Monate, sondern eher „15 Jahre“ gewesen, sagte Anschober.

Die „schwerste Pandemie seit 100 Jahren“ habe auch sein Leben verändert sowie seine politische Arbeit. Sein Ministerium sei zum „Steuerungszentrum“ in der Pandemie geworden. Es sei „unvorstellbar, was das an Herausforderung für jede einzelne Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter im Haus bedeutet“, es sei eine große Herausforderung, manchmal auch Überforderung, so Anschober.

Er habe versucht, „alles zu geben, mit aller Kraft“. Er habe seit 14 Monaten praktisch durchgearbeitet und er habe sich „ganz offensichtlich überarbeitet“. Seit einigen wenigen Wochen „bin ich nicht mehr voll fit, mir ist zunehmend die Kraft ausgegangen“, es gebe steigende Blutdruckwerte, steigende Zuckerwerte, er leide an einem beginnenden Tinnitus. Er habe vor neun Jahren ein Burn-out-Syndrom gehabt, es sei daher selbstverständlich für ihn gewesen, offen über seine Probleme zu reden. Organische Schäden seien bei der ersten Erkrankung nicht geblieben, „daher habe ich es noch einmal versucht“.

„Ich bin überarbeitet und ausgepowert“

Derzeit habe er kein Burn-out, betonte Anschober, aber: „Ich bin überarbeitet und ausgepowert, das ist es.“ Er habe vor einer Woche einen zweiten Kreislaufkollaps erlitten „und ich habe gemerkt, ich muss für mich eine Notbremse ziehen“. Die Ärzte haben ihm Schonung und eine Auszeit verordnet. Während der Pandemie sei das jedoch nicht möglich, denn da brauche die Republik einen Gesundheitsminister, der zu hundert Prozent fit ist. „Diese Pandemie macht keine Pause, und daher kann auch ein Gesundheitsminister keine Pause machen.“ Letztlich sei ein Gesundheitsminister auch für die eigene Gesundheit verantwortlich. Er wolle jedoch 100 Prozent Leistung bringen, und das funktioniere derzeit nicht. „Und ich will mich auch nicht kaputt machen.“

Er habe den Bundespräsidenten gebeten, ihn am kommenden Montag von seinem Amt entbinden. Bis dahin werde seine Nachfolge bekanntgegeben. Bis dahin werde ihn Vizekanzler Werner Kogler vertreten.

Für die Zeit danach habe er noch keine konkreten Pläne. Er wolle einmal einen politischen Roman schreiben. Anschober bedankte sich tief bewegt „bei meiner wirklich großartigen Partnerin, mit der ich in den letzten Monaten so richtig zusammengewachsen bin“, ebenso bei seiner Kabinettschefin, seinem Team, der grünen Regierungsfraktion.

Er habe stets auf eine Dialog-Orientierung Wert gelegt, sagte Anschober. Es seien „erhebliche Mühlen“ entstanden, Konsens – parteiübergreifend und länderübergreifend – herzustellen. Trotz Fehler sei aber sehr viel richtig gemacht worden in Österreich, sagte Anschober und verwies auf rund 300.000 Corona-Tests pro Tag sowie auf 2,2 Millionen durchgeführte Impfungen.

Anschober bedankte sich bei der Cobra, die für seinen Personenschutz zuständig war, nachdem es vonseiten militanter Corona-Leugner Morddrohungen gegen ihn gegeben habe. Damit sei jedoch eine seiner Energie-Quellen – das lockere Gespräch mit Menschen – weggefallen.

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Anschober appellierte „an alle, die künftig politische Verantwortung“ tragen, die Corona-Pandemie nicht zu unterschätzen. Weder die EU noch ein Mitgliedsstaat sei auf die Pandemie vorbereitet gewesen. Man habe das Ministerium krisenfit gemacht, unter anderem mit einer Organisationsreform.

Wer Anschober auf dem Ministerposten – zuständig unter anderem für Gesundheit, Soziales und Konsumentenschutz – nachfolgen soll, ist derzeit noch unklar, Grün-intern habe man sich aber bereits abgesprochen. Das Ministerium sei nicht nur ein starkes Gesundheitsministerium gewesen, auch die anderen Bereiche seien stark aufgestellt. Man habe vieles geplant und vieles in Angriff genommen, betonte Anschober und nannte etwa eine „umfassende Pflegereform“, die in Kürze in Umsetzung gehen werde.

Es ist dies der zweite Wechsel im grünen Regierungsteam, nachdem vor rund einem Jahr Ulrike Lunacek als Staatssekretärin für Kultur zurückgetreten war.

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